12 – Judith Vogt, Assam und Rom

Der #WirlesenFrauen-Neujahrskalender präsentiert euch vom 1.12.2019 bis zum 6.1.2020 63 Autorinnen und ihre Werke. Lernt neue Schriftstellerinnen kennen und findet großartigen Lesestoff! Heute bei mir: die großartige Judith Vogt, die zu meinen Idolen gehört.

Feminismus für alle

Autorin Judith Vogt auf dem PAN Branchentreffen
Autorin Judith Vogt auf dem PAN Branchentreffen (Foto: Privat)

Schreibtrieb: Liebe Judith, ein ganz liebes Willkommen beim #WirlesenFrauen Neujahrskalender, toll, dass du dabei bist. Was bedeutet „Feminismus“ für dich?
Judith Vogt: Mir ist wichtig, dass Feminismus intersektional ist. Das bedeutet, dass es nicht darum geht, dass Feminismus „für Frauen“ da ist oder – im schlimmsten Fall – wenige, meist weiße Frauen mit der Macht ausstattet, die im Moment vor allem weiße Männer besitzen. Es geht darum, systemische Machtstrukturen in Frage zu stellen und neu zu denken. Dabei ist es ebenso wichtig, klassistische, rassistische, ableistische und queerfeindliche Strukturen sichtbar zu machen wie misogyne Mechanismen. Es geht darum, Genderbinary und Heteronormativität in Frage zu stellen. Und ja, es führt kein Weg daran vorbei, das alles auf einmal anzugehen!

Schreibtrieb: Absolut! Glaubst du, Frauen schreiben anders als Männer und andere?
Judith Vogt: Generell glaube ich nicht an angeborene Unterschiede zwischen Geschlechtern. Aber wir wachsen ja nicht im luftleeren Raum auf: Ich glaube, dass die Perspektive aus gesellschaftlicher und vor allem kultureller Marginalisierung heraus etwas ist, das auch in der „Schreibe“ von Frauen sichtbar ist. Aber auch weiße Frauen haben eine Menge Privilegien, weshalb ich es wichtig finde, nun nicht als „Gegenbewegung“ nur noch weiße Autorinnen zu lesen. Queere Autor*innen und Autor*innen of color haben ebenfalls Perspektiven, die für die Literatur und die Gesellschaft immens wichtig sind und werden noch viel zu oft ignoriert und „überlesen“.

Frauen schreiben

Schreibtrieb:  Bei #WirlesenFrauen habe ich gerade deswegen auch Aufgaben geschaffen, die Autorinnen of color und trans Autorinnen berücksichtigen, für die zweite Runde ab März 2020 werde ich wieder darauf achten, dass nicht nur weiße, europäische oder US-amerikanische Autorinnen gelesen werden können, um alle Aufgaben zu schaffen. Was ist eigentlich so schlimm am Begriff „Frauenliteratur“?
Judith Vogt: Daran ist schlimm, dass mit dieser schon erwähnten kulturellen Marginalisierung einher geht, dass Frauenliteratur angeblich von Frauen für Frauen geschrieben wird. Frauenkunst von Frauen für Frauen geschaffen wird. Damit wird impliziert, dass sie über diese „Zielgruppe“ hinaus nichts zu sagen hat und nur von Frauen rezipiert gehört. Das hat jahrhundertealte Struktur, und es wird weiterhin munter fortgeführt.

Schreibtrieb: Kannst du uns das Buch einer Autorin empfehlen?
Judith Vogt: Passend zur letzten Frage empfehle ich How to Suppress Women’s Writing von Joanna Russ. Das Buch erschien bereits in den Siebzigern, aber es gibt immer noch (bedauerlich) viele Parallelen zu #DichterDran und anderen Versuchen, den Umgang mit Literatur von Frauen sichtbar zu machen.

Schreibtrieb: Wurdest du als Frau schon einmal diskriminiert?
Judith Vogt: Ich glaube, es ist superwichtig, dass wir begreifen, dass Frauen und andere Nicht-Männer strukturell und von Geburt an diskriminiert werden. Nicht (immer) mit boshaften Hintergedanken, aber diese Diskriminierung hat halt System, und wir sind damit aufgewachsen. Wir haben sie internalisiert und diskriminieren auch einander, und nur beständig daran zu arbeiten kann das ändern. Irgendwann. Hoffentlich.

Repräsentation macht Spaß

Schreibtrieb:  Das ist ja etwas, dass viele nicht sehen, weil sie dies Art der Diskriminierung als „normal“ internalisiert haben. Was trinkst du eigentlich im Winter am liebsten?
Judith Vogt: Immer schwarzer Tee, nicht nur im Winter – Assam oder Ostfriesenmischung mit Milch und Kluntjes!

Schreibtrieb:  Welches Buch verschenkst du diesen Winter?
Judith Vogt: Der letzte Winter der ersten Stadt von Rafaela Creydt und Die Schwarze Madonna von Noah Sow liegen schon eingepackt hier!



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Schreibtrieb: Wasteland, das du zusammen mit deinem Mann geschrieben hast, wird für seine gendergerechte Sprache gefeiert. Wie wichtig ist dir Vielfalt in deinen Geschichten?
Judith Vogt: Mir ist es wichtig, möglichst viele verschiedene Menschen und Gruppen von Menschen zu repräsentieren, weil wir in den Medien oft ein ziemlich unrealistisches und zu homogenes Bild zeichnen, das unserer Gesellschaft nicht wirklich entspricht. Gute Repräsentation ist außerdem eine Herausforderung, die auch sehr viel Spaß macht und sehr viel neues Wissen und Einsichten bringt.

stark sein

Schreibtrieb:  Was würdest du heute anders schreiben?
Judith Vogt: Oh, ich will meine Bücher oft schon umschreiben, wenn sie gerade erst ein Jahr erschienen sind – ich lese sie auch lieber nicht noch mal, ich habe retrospektiv immer den Eindruck, ich habe Mist gebaut! Deshalb hab ich auch ein sehr gespaltenes Verhältnis zu Roma Nova, das ich hier im Adventkalender verlose. Ich habe das Buch schon 2012 geschrieben, es ist aber erst 2018 erschienen. Obwohl ich es noch mal überarbeitet habe und das Lektorat sehr gut war, habe ich immer ein mulmiges Gefühl, egal, für wie viele Preise es nominiert war. Ich hab das Gefühl, ich würde ziemlich viel daran heute anders machen. Aber egal, ich bin jetzt ganz stark und verlose es trotzdem!

Schreibtrieb: Kaum zu glauben, wir sind schon wieder am Ende angelangt. Danke, Judith, dass du dabei warst. Zum Schluss gibt es noch ein paar schnelle Assoziationsfragen.

Mit Sahne oder ohne: Kakao mit, Kuchen ohne!
Tee oder Kaffee: Tee, aber schwarzer, sonst Kakao!
Heiße Schokolade mit Marshmallows oder Eis mit Karamell: Eis mit Karamell!
Sofa oder Sessel: Beides schlecht für meinen Rücken, aber Sofa, am liebsten zu zweit.
Löwe oder Wolf: Wolf, auch bei der Frage Vampir oder Werwolf!

Auf nach Rom

Das Cover von Roma Nova zeigt eine Frau in einem Kleid in Toga-Stil von hinten vor einer futuristischen Kulisse, die vom Stil her an Rom erinnert
Ein neues Rom? Roma Nova von Judith Vogt

Sie hat es bereits verraten, Judith Vogt hat ein Exemplar von Roma Nova für euch dabei. Beim Verlag könnt ihr schon mal reinlesen und dieses tolle Video gibt es außerdem, dass gehörig Lust macht, den Roman direkt zu lesen. Verratet mir, um im Lostopf zu landen, ob ihr schon einmal in Rom gewesen seid. Das Gewinnspiel läuft bis 19.12.19, 23:59. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Klappentext:
Dämonische Kreaturen lauern am Rande des Mare Nostrums, darauf harrend, den Planeten Rom für immer von der Sternenkarte zu löschen. Sie überfallen das Raumschiff des Legaten Lucius Marinus, um die Sklavin und Seherin Morisa zu befreien und zu sich in den Hades, ein zerstörerisches Sternensystem um ein Schwarzes Loch, zu holen. Von dort aus plant Morisa ihre Rache an ihrem ehemaligen Herrn und dem gesamten Römischen Imperium.

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