Wenn morgen mein letzter Tag wäre – Ulrike Scheuermann

Vorab schon einmal vielen Dank an den Knaur Verlag, der so schnell das Buch geschickt hat und an Ulrike Scheuermann, die Anfang Dezember spontan zugesagt hat, bei meinem weihnachtlichen Interview dabei zu sein. Klickt doch rein, dort gibt es dieses Buch zu gewinnen :-). 224 Seiten hat Wenn morgen mein letzter Tag wäre, das unter der Rubrik Lebenshilfe angeboten wird.

Grundgedanke des Buches ist der Tod. In einer interessanten Mischung aus Carpe Diem und Memento Mori geht es weiter. Die Autorin zeigt die Endlichkeit des Lebens auf, ohne zu mahnen oder zu belehren. Viel mehr zeigt sie Beispiele und fragt nach. Dabei bleibt viel Raum für unterschiedliche Entwürfe und Lebensmuster. Nur weil für den einen Menschen die Familie vor dem Beruf steht, muss das nicht für alle gelten. Interessant war für mich zum Beispiel die Geschichte des Mannes, der sich seinen eigenen Tod immer als plötzlichen, frühen Herzinfarkt vorgestellt hat, weil ihm das Dahinscheiden im Alter unvorstellbar war.

Positive Endlichkeit

Was nun auf den ersten Blick doch etwas düster ist, bereitet Ulrike Scheuermann sofort positiv auf. Denkmuster werden aufgezeigt und Auswege gefunden. Was ist eigentlich so schlimm am Tod? Gerade, wenn wir wissen, dass er kommt. Die Befreiung von der Angst um die Plötzlichkeit, wenn das Ende ersichtlich ist, ist eine Vorstellung, die ich sehr faszinierend finde. Und beim Lesen habe ich gemerkt, dass ich Vieles eigentlich schon anwende.

Die Rückbesinnung vom jetzigen Leben auf den Tod ist dabei keinesfalls religiös oder esoterisch in Szene gesetzt. Vielmehr geht es gerade um das Jetzt, wenn der Tod nahe rückt. Doch die Autorin verweist hierbei nicht etwa auf Löffellisten und große Erlebnisse, sondern die Erledigungen des Alltags, die doch immer wieder aufgeschoben werden. Allein die Frage, was ich tun würde, wenn ich wüsste, dass morgen mein letzter Tag wäre, ist eine gute Entscheidungshilfen, wenn Bauch und Kopf gerade mal wieder unterschiedlicher Meinung sind. Doch lieber kuscheln statt arbeiten, doch lieber witzeln, statt schimpfen. Und tatsächlich nimmt dabei nicht nur die Angst vor dem Unerledigten angesichts des immer möglichen Endes ab, sondern auch die Freude am Leben an und für sich steigt.

Leben statt Tod

Das ist der eigentliche Sinn des Buches. Ulrike Scheuermann predigt keine absolute Hinwendung zum Tod und eine Neufokussierung auf das Ende. Vielmehr geht es darum, das Leben nicht nur als eine Station für einen späteren Lebensabschnitt zu sehen (wenn ich Geld habe, wenn ich älter bin, wenn ich Karriere gemacht habe), sondern jeden Tag zu genießen, was da ist. Und auch, das zu ändern, was uns täglich stört und als „negative Phase“ wahrgenommen wird.

Mir persönlich hat das Lesen viel Bestätigung gegeben, aber doch relativ wenig Neues gesagt, da ich für mich selbst zu einer sehr ähnlichen Taktik gekommen bin. Trotzdem habe ich Einiges noch einmal reflektiert und mir sind meine eigenen Strukturen klar geworden. Das zumindest fand ich sehr interessant und sehe das Buch weniger als Ratgeber, denn als kleine Erklärungshilfe.

Ich freu mich über eure Meinungen