How to be a Girl – Julia Korbik

Ein glänzend-rosa Buch mit dem irritierenden Titel How to be a Girl – stark, frei und ganz du selbst soll also (jungen) Frauen Feminismus näherbringen. Ja, so ungefähr hab ich auch erst mal geschaut, die Augen verdreht und mich geärgert. Weil der erste Eindruck war, dass da mal wieder jemand auf den Feminismus-Zug aufspringen will, ihn wie einen glitzernden Lifestyle verkaufen möchte und dann doch alles vage bleibt. Dann habe ich es gelesen und war überrascht. Danke an den Verlag für die Überraschungspost und mein Rezensionsexemplar. Aber einen Fehler kann ich nicht verzeihen.



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Sind wir nicht alle ein bisschen Mädchen?

Julia Korbik, die für Gabriel von Thienemann-Esslinger das Buch geschrieben hat, hat allerdings Erfahrung. Sie hat schon mehrere Bücher über Feminismus geschrieben, engagiert sich und macht direkt im Vorwort von How to be a Girl klar, eine Anleitung zum „Mädchensein“ gibt es nicht. Eigentlich soll es genau darum gehen. Um die Vielfalt von Frauen*, den Diskriminierungen, denen sie sich tagtäglich stellen müssen und wie damit umgegangen werden kann. Dort erklärt sie auch, warum sie beispielsweise den * verwendet. Einfach und klar, ohne viel aufgebauschtem Hin und Her. Das hat mir sehr gefallen, denn hier zeigt sich schon, dass Korbik den Leserinnen nicht aufdrängen oder vormachen will, aber auch, dass sie sich erklärt und Augenhöhe sucht.

Ein Jahr älter als die Autorin, gehöre ich nur am Rande zur Zielgruppe. Die besteht vorwiegend aus jungen Menschen, vorwiegend Mädchen. Da es aber vor allem für alle sind, die ihren Platz als Frau* suchen, ist das Buch auch hier offen gehalten und meint alle Altersgruppen und Geschlechtsidentitäten explizit mit. Ein wichtiger Punkt. Trotzdem ist die Sprache einfach gehalten und den Argumenten leicht zu folgen.

Schritt für Schritt

Das Buch führt dementsprechend an das Thema Feminismus heran. Zunächst geht es um die direkte Lebenswelt von Heranwachsenden. Neben „Girl Hate“ und „Weil ich ein Mädchen bin“ werden Begriffe erklärt, Personen vorgestellt und Beispiele aufgezeigt. So entstehen viele kurze Texte zum Thema, die im Ganzen ein Kompendium werden. Nicht immer find ich das Buch wirklich ideal. Z.B. werden im LGBTI-Alphabet zwar Trans und Transsexuell getrennt voneinander aufgeführt, allerdings finde ich gerade mehr Infos, als einen Satz nötig, um den (jungen) Lesern wirklich begreiflich zu machen, was gemeint ist.

Der zweite und dritte Teil werden spezieller. „Mein Körper gehört mir“ und „Der Kampf um die Emanzipation“ nimmt sich zwei wichtige „Blöcke“ des Feminismus heraus. Einmal den Alltagssexismus der Medien bis hin zur Diskriminierung, die Frauen aufgrund der Stigmatisierung der Periode immer wieder erleiden. Daneben ein historischer Abriss, der wichtige Stationen des Feminismus und seiner Entwicklung aufzeigt. Hier bleibt das Buch notgedrungen lückenhaft. Doch einen allumfassenden Almanach will How to be a Girl auch nicht liefern, sondern eine erste Berührung, die ausgebaut werden soll.

Rosa, glänzend, Mädchen? “How to be a Girl” von Julia Korbik

Umso wichtiger ist „Augen auf für die kleinen Ungerechtigkeiten“, die sich wieder der Alltagswelt entgegen richtet. Denn gerade diese Sensibilisierung schärft das Bewusstsein und den Blick auf Sexismus. Damit wird außerdem der Bogen zum Anfang des Buches gespannt und noch einmal Anlauf genommen für das letzte Kapitel: „Stand up, speak up“. Ja, das Buch will nicht nur informieren, sondern auch mobilisieren und zeigt Möglichkeiten auf, wie (junge) Frauen* sich engagieren können. Wirklich gelungen ist auch die Liste mit weiterführender Literatur, die Interessierten die Möglichkeit gibt, sich direkt weiter zu informieren.

Das No-Go!

Als Einstieg und zum frühen Kontakt mit Feminismus könnte sich How to be a Girl auf jeden Fall eignen. Nicht nur für Mädchen, sondern auch für sensibilisierte Jungen. Also eigentlich eine Empfehlung, oder? Dann aber bitte mit der Aussicht auf weiterführende Literatur, die die Lücken schließen kann. Und auch dann nur unter Vorbehalt, denn: Da im Buch sehr oberflächlich auch das Thema Rassismus angesprochen wird, bitte auch dazu weitere Literatur bereit stellen. Denn dieser Exkurs war definitiv viel zu kurz, schafft es nicht ohne das N***** (ich weiß, in dem Bezug absoluter Fail) und ließ selbst mich eher ratlos zurück. Hier ist so gar nichts sensibilisiert, eine Hashtag-Kampagne wird als sozialer Einsatz erklärt und überhaupt hatte ich hier das Gefühl, die Seiten würden mit jedem Wort noch weißer. Da Frau Korbik sich eigentlich weltoffen gibt und für ein geeintes Europa einsetzt, war das bestimmt nicht die Absicht. Wenn aber so ein Kapitelchen gerade in einem Buch für junge Menschen Einzug hält, sollte es den richtigen Ton treffen.

Darum muss meine Empfehlung stark eingeschränkt werden. Bitte nur für solche Leser, die den Fehler hier entdecken und hellhörig werden und auf keinen Fall ohne Kommentar in die Hand geben.

Zum Thema Rassismus empfehle ich unter anderem Deutschland Schwarz Weiss von Noah Sow. Ein anderes, empfehlenswertes Buch für den (ersten) Zugang zu Feminismus ist beispielsweise das Feministische Mach-Mit Buch von Gemma Correl.

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