Ein Jahresrückblick mit Hyperemesis

Es ist wieder der zehnte Januar und mein Jahresrückblick wird besonders persönlich. Am 10. Januar 2018 musste ich einsehen, dass ich gegen die Hyperemesis dieses Mal nicht ohne sehr viel Hilfe ankomme. Zwischen Weihnachten und Sylvester hatte ich kaum etwas bei mir behalten können, war nur im Bett oder auf dem Sofa gelegen. Ich habe absolut NICHTS gemacht, denn jeder Schritt war zu viel für mich. Seit dem zweiten Januar bekam ich täglich Infusionen, doch es wurde nicht besser. Ich stand zu Hause nur auf, um aufs Klo zu gehen. Einmal kam ich ins Kinderzimmer. Komplettes Chaos. Ich bückte mich, hob ein Spielzeug auf, stand hilflos in der Gegen. Mir fehlte die Kraft, es wegzuräumen, die Kraft, nachzudenken, wo es hin gehört. Mein Mann hatte mich gehört, kam ins Zimmer, nahm mir das Spielzeug ab und schickte mich ins Bett. Ich hätte geheult, wenn ich mehr Flüssigkeit in meinem Körper gehabt hätte.

Infusionen helfen, wenn durch den Magen nichts mehr geht

Vor einem Jahr …

Am zehnten Januar 2018 schickte mich meine Frauenärztin ins Krankenhaus. Ich fühlte mich schuldig, verzweifelt, unfähig. Mein Bruder fuhr mich, denn mein Mann musste wieder arbeiten. Ich weinte, frisch von der Infusion kommend, packte das Nötigste ein. Die Kinder waren in KiTa und Schule. Sie wusste nicht, dass ich nicht zu Hause sein würde, wenn sie kämen. Mein Mann war im Unterricht. Er wusste nicht, dass er die nächste Woche ohne mich klar kommen musste, denn selbst liegend konnte ich zumindest noch organisieren. Ich war vier Tage dauerhaft an Infusionen. Die ersten zwei Tage dämmerte ich mit Vomex im Blut. Dann hatte ich durch die Flüssigkeitszufuhr wieder genug Kraft, „wach“ zu bleiben. Essen konnte ich nichts. Am vierten Tag hatte ich versucht, zu frühstücken, und hing über dem Klo, als die Visite kam. Wieder Schuldgefühle. Ich war nicht stark genug. Erst ein anderes Medikament schlug an, half sofort. Am Freitag konnte ich essen. Nicht viel, denn mein Magen krampfte, aber ich behielt es bei mir.

2018 vom Sofa aus

Nach einer Woche kam ich zurück, auf meine Couch und in mein eigenes Bett. Ich musste weiterhin liegen, näherte mich in vorsichtigen Schritten der Nahrung wieder an und blieb doch bis zur Geburt im August notgedrungen auf Abstand. Januar und Februar zogen an mir vorbei. Ich habe kaum etwas von der Welt mitbekommen. Auch in den Monaten danach musste ich mich immer wieder zügeln. Jede Anstrengung reizte meinen Magen, ließ die Übelkeit schlimmer werden. Ich hatte drei Gänge zurückschalten müssen, ließ liegen, was liegen gelassen werden konnte, bat um Hilfe, gestand mir Schwäche ein.

Während ich abnahm, wuchs der Bauch

Ich habe im letzten Jahr gelernt, dass jede Pause ihre Berechtigung hat, dass ich um Hilfe bitten darf und es keine Stärke ist, alles alleine machen zu wollen. Die Welt dreht sich ohne mich weiter. Heute, wieder am zehnten Januar, bin ich noch immer dabei, mich zu erholen. Meine Muskeln sind geschwächt worden, meine Haut reagiert noch immer auf den immensen Stress (ich habe Psoriasis) und manche Dinge sind noch immer zu viel für mich. Es wird dauern, bis ich damit abschließen kann. Vielleicht neun Monate, vielleicht ein Jahr, vielleicht länger. Keine Schwangerschaft endet wirklich mit der Geburt, eine Hyperemesis-Schwangerschaft erst recht nicht. Obwohl mir nicht mehr schlecht ist, musste ich erst einmal wieder essen lernen.

Auf zu neuer Kraft

Ein Jahresrückblick bietet bei Buchbloggern die Lesehighlights, bei Autoren die geschriebenen Bücher, Konferenzen oder Messen. Ich habe es 2018 nicht geschafft über die LBC oder das Litcamp HD zu schreiben. Ich habe wenig gebloggt und wenig gelesen. Mein SuB ist gewachsen, meine Rezensionsliste ebenso. 2019 kann darum ein spannendes Jahr werden. Eines, in dem ich mich selbst neu kennenlerne und zu Kräften komme. Eines, in dem ich viel aufarbeite und Schritt für Schritt neue Wege gehen kann. Mit viel Möglichkeit für berechtigte Pausen.

berechtigte Pausen auf dem Sofa wird es auch 2019 geben
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Ohweh, das klingt ja wirklich anstrengend! Aber ich finde, das ist doch auch völlig ok, mal eine Pause einzulegen und langsamer zu machen. Ich bin auch ganz frisch Mama geworden und bei mir war das letzte Jahr, das gleichzeitig mein erstes Blogjahr war, auch so, dass ich weniger Beiträge gemacht hab als ich wollte, nicht viel zum Lesen kam und es eigentlich auch sehr vermisse, und jetzt auch, dafür genieße ich die Zeit mit meinem kleinen Schatz, ich wünsche dir das auch! Lg, Kathrin

Liebe Eva,
du bist eine wundervolle, starke und liebenswerte Persönlichkeit. Es tut mir leid zu lesen, dass deine Krankheit dir so viel abverlangt. Aber es freut mich, dass du trotzdem noch positiv in die Zukunft schauen kannst, auch wenn das sicher nicht immer leicht ist.
Ich wünsche dir weiterhin gute Besserung, alles alles Liebe und bei mir hast du immer ein offenes Ohr. <3
Liebe Grüße,
Babsi <3

Hallo Eva,
ich wünsche dir für das Jahr 2019 viel Kraft und das du deine Krankheit in den Griff bekommst. Aber es ist ja schon ganz toll, dass du selber so positiv in die Zukunft schaust. Und das letzte Bild zeigt doch, wie schön es sein kann, wenn man mal einfach eine Pause auf dem Sofa einlegt. Und das nicht alleine. 😉
Liebe Grüße
Diana von lese-welle.de