28 – Hilde Willes, Autorin aus Leidenschaft

Der #WirlesenFrauen-Neujahrskalender präsentiert euch vom 1.12.2019 bis zum 6.1.2020 63 Autorinnen und ihre Werke. Lernt neue Schriftstellerinnen kennen und findet großartigen Lesestoff! Heute bei mir: Hilde Willes, die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern ist, einen Brotjob hat und immer noch Zeit zum Schreiben findet. Bei Chrissi trefft ihr heute die fabelhafte Laura Jäger, also schaut vorbei.

Frauen schreiben

Hilde Willes, blonde, verstrubbelte Haare bis kurz über die Ohren, Brille
Autorin Hilde Willes

Schreibtrieb: Liebe Hilde, toll, dass du mitmachst. Was bedeutet Feminismus für mich?
Hilde Willes: Für mich persönlich hat Feminismus weniger die Bedeutung von Emanzipation, sondern eher Kampf um Unabhängigkeit, denn einen solchen habe ich viele Jahre lang geführt, bis ich endlich sagen konnte, nun fühle ich mich unabhängig! Das war und ist mir „lebenswichtig“! Im Grunde findet dieser Kampf auch nie wirklich ein Ende, weil zur Unabhängigkeit ja auch Verantwortlichkeit und Verpflichtungen gehören, denen man sich nicht entziehen kann, wenn man leben und unabhängig bleiben WILL (es)! Soll heißen, als berufstätige und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern jeden Tag aufs Neue mit allem klarzukommen, das ist mein ganz persönlicher Feminismus.       
Aber trotz und allem bin ich gerne eine Frau, die nicht immer und überall emanzipiert sein MUSS, und mein Geschlecht würde ich nicht tauschen wollen 😊

Schreibtrieb: Glaubst du, dass Frauen anders schreiben als Männer?
Hilde Willes: Auf die Frage würde ich spontan aus dem Bauch heraus sagen: JA! Weil man den Frauen „andichtet“, emotionaler zu sein, „gefühlsbesoffen“ und mehr ins Detail gehend. Männer hingegen hätten häufiger Probleme damit, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen und schrieben weniger ausschweifend. Zu einem großen Teil mag das auch so sein. Generell jedoch kann man das meiner Meinung nach nicht so sehen und auch nicht derart trennen.        

Da ich sehr gerne und viel lese, sowohl von Autorinnen als auch von Autoren, habe ich für mich erkannt, dass sich diese „Feststellungen“ durchaus vermischen. Allerdings mögen die männlichen Schreiber in der Belletristik tatsächlich weniger vertreten sein als die weiblichen. Aber auch Männer schreiben durchaus schöne und gute Liebesromane und Frauen bringen absolut spannende Thriller oder fachkundige Sachbücher zuwege. Dennoch denke ich, dass sich Liebesromane besser verkaufen, wenn sie von einer Autorin geschrieben sind. Vielleicht „versteckt“ sich deshalb der eine oder andere Autor hinter einem weiblichen Pseudonym.

Zufrieden

Schreibtrieb: Autorinnen, noch dazu im Selfpub, bekommen gerne gesagt, ihr Schreiben wäre ja nur ein Hobby. Wie reagierst du darauf?
Hilde Willes: Wenn jemand zu mir sagt, mein Schreiben wäre ja nur ein „Hobby“, dann nicke ich … Jawoll!!! Weil, so ist es ja auch. Das Schreiben liegt mir im Herzen, im Blut und auf der Seele. Ich möchte es auch nicht mehr missen.           
Seit 2015 habe ich drei Romane und mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. Regional kann ich durchaus bereits einen beachtlichen Bekanntheitsgrad vorweisen, national mag es sich noch in Grenzen halten. Leben könnte ich allerdings vom Schreiben nicht, deshalb gehe ich selbstverständlich einem Brotjob nach, um meine Familie und mich zu erhalten. Sollte es einmal anders kommen, sodass aus dem Schreiben MEHR würde, wäre das natürlich willkommen. Und trotzdem möchte ich betonen, dass ich auch so wie es ist zufrieden bin. Zufrieden mit meinem Leben, meinem Job und meinem Hobby. Allein das mir selbst immer wieder aufs Neue sagen zu können, auch das bedeutet Erfolg, Erfüllung, Glück und irgendwie auch (mein persönlicher) Feminismus 😊

Ein bunter Weihnachtsbaum, daneben die Buchcover. Auf "Wenn Mauern Fallen" ein Schmetterlingsmensch auf einer halb zerbrochenen Mauer, "Let's talk about 6" zeigt die Siluette eines Paares, dahinter ein zerbrochenes Herz, auf "Irgendwo im Nirgendwo" ist eine gezeichnete Frau unter einem Kirschbaum zu sehen.
Hilde Willes Romane: Wenn Mauern Fallen, Let’s talk about 6 und Irgendwo im Nirgendwo

Schreibtrieb: Was hast du bei dem Wetter in deiner Tasse?
Hilde Willes: Meine Lieblingsgetränke für kalte Wintertage sind Tee, Glühwein und Rüdesheimer Kaffee

Melancholie inspiriert

Schreibtrieb: Hast du dieses Jahr besondere Wünsche?
Hilde Willes: Unterm Weihnachtsbaum wünsche ich mir: Gutes Essen, Nichtstun, Ruhe, Frieden, Kuscheln auf dem Sofa mit einem Buch und/oder bei einem guten Film, weihnachtliche Musik, in die Kirche gehen.    
An Silvester hingegen mache ich gerne ein bisschen Rambazamba 😊 und mit Freunden „einen drauf“ 😊

Schreibtrieb: Wir Autorinnen finden ja immer neuen Stoff. Was inspiriert dich in der kalten Jahreszeit?
Hilde Willes: Im Winter inspirieren mich: das Gefühl von Melancholie, Lichter und Glitzer und die Illusion von Frieden und Liebe.

Schreibtrieb: Was gibt es Süßes zu Tee und Glitzereien?
Hilde Willes: Meine liebste Winternascherei sind selbstgebackene Plätzchen und Pralinen

Hilde Willes Roman Let’s talk about 6 könnt ihr heute gewinnen

Schreibtrieb: Mit Plätzchen und Glühwein, einem Hauch von Melancholie und Glitzer: woran schreibst du gerade?
Hilde Willes:
Aktuell schreibe ich an einem Liebesroman, der sowohl tragische als auch romantische Szenen beinhaltet. Geplante Veröffentlichung ist März 2020. Mehrere Frauen spielen dabei eine Rolle, ehemalige Schulkameradinnen und beste Freundinnen, die im Laufe der Zeit zum Teil den Kontakt zueinander verloren haben. Auf einem Klassentreffen begegnen sie sich nach vielen Jahren wieder. Inzwischen sind sie alle in der Mitte ihres Lebens angekommen. Sie haben sich verändert, und bis auf eine haben die anderen nicht einmal annähernd das erreicht im Leben, was „Mädchen“ sich einst erwünscht und erträumt hatte. Was ist passiert? Wo sind die Träume und Wünsche unterwegs verlorengegangen? Und: kann man noch irgendetwas davon zurückholen? Reparieren?

Auf diesem Klassentreffen kommt es zu dramatischen Ereignissen, die ziemlich viele Dinge ans Licht bringen.
Im Wesentlichen geht es um eine schwierige Beziehungskiste; weitere Hintergrundthemen sind: Missbrauch, Frauenhäuser und die griechische Mythologie.
(Das Vorgenannte ist aber noch nicht der Klappentext)

Kurioses Internet

Schreibtrieb: Was ist das Kurioseste, das du je recherchiert hast?
Hilde Willes:
Für meinen Roman Let’s talk about 6 habe ich mich eine Weile in Online-Singleportalen „aufgehalten“, weil es in diesem Buch vorrangig um das Suchen nach der Liebe geht, was heutzutage ja oft in eben solchen Kontaktbörsen versucht wird. Aber ganz ehrlich, ich war froh, als ich mich dort wieder rauslöschte. Details könnte man im Buch nachlesen 😊

Schreibtrieb: Mögen deine Figuren Weihnachten?
Hilde Willes:
Oh ja! Mein Roman Wenn Mauern fallen spielt hauptsächlich in der Herbst-/Winterzeit (im November vor 30 Jahren ist ja die Mauer gefallen) Demzufolge hat auch die Weihnachtszeit eine bedeutende Rolle. Aber ebenso in meinen beiden anderen Büchern (Let’s talk about 6 und Irgendwo im Nirgendwo) gibt es weihnachtliche Szenen von und über „Menschen wie du und ich“.

Schreibtrieb: Was ist das tollste Kompliment, das du zu deinen Büchern bekommen hast?
Hilde Willes: (O-Ton) Ich habe mich sooo darin wiedererkannt 😊         
Das sind ja gar keine utopischen Geschichten, sondern richtig echte! So, wie sie das Leben nun einmal schreibt.  
Du hast mich zum Lachen und zum Weinen gebracht.       
Ich musste noch lange über dein Buch nachdenken.          
Die Art, wie du Stimmungen und Gefühle rüberbringst, finde ich total klasse.

Schreibtrieb: Liebe Hilde, es war schön mit dir, danke, dass du dabei warst. Zum Schluss stelle ich noch ein paar Assoziationsfragen.

Mit Sahne oder ohne: Mit Sahne      
Kaffee oder Tee: Kaffee        
Sofa oder Sessel: Sofa         
Thriller oder Märchen: Thriller          
Mond oder Sterne: Mond      
Heizung oder Kamin: Kamin 
Lila oder Orange: Lila
Löwe oder Wolf: Wolf
Decke oder Kissen: Decke   

Zur Sache

Hilde Willes hat euch ihren Roman Let’s talk about 6 mitgebracht, für den sie auf Online-Dating-Platformen unterwegs war. Unten gibt es für euch noch zwei kleine Leseproben. Wenn ihr gewinnen wollt, verratet mir bis zum 04.01.20, ob ihr auch schon mal auf einer Dating-Site unterwegs wart. Denkt daran, dass es heute auch bei Chrissi eine Autorin und ein Gewinnspiel zu entdecken gibt.

Das Cover zeigt ein weibliches Paar beim Kaffeetrinken, dahinter ein zerbrochenes Herz
Heute zu gewinnen: Let’s talk about 6 von Hilde Willes

Klappentext:
Eins und eins macht zwei. Meistens ist auch Sex dabei.
Sechs minus zwei gleich … vier Frauen auf der Suche nach dem Glück. Kann man so etwas vielleicht in Singleportalen finden?
Emmas Mann ist davongelaufen, und sie weiß nicht warum. Ist da eine andere und jüngere Frau im Spiel?

Greta will leben, auf jede Art, die sich ihr bietet! Sie hat sich die Brüste vergrößern lassen, und beim ersten Blind Date trägt sie rote High-Heels.
Karin wird immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt, wohin sie auch flüchtet.
Und Nathalie will heiraten. Doch das, was ihr Zukünftiger mit ihr im Bett anstellt, ist unaussprechlich.
Aber was auch passiert, Freundinnen sind füreinander da!

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Hilde Willes

Jahrgang 1964, lebt in Hessens Werra-Meißner-Kreis, ist berufstätig als Sekretärin und Mutter von zwei Kindern. Familie und Freunde sind ihr wichtig. Hobbies: Lesen, Musik, Natur … und das Schreiben: Alles, was uns umtreibt, Leben und Liebe, oft auch nur das, was davon übrigbleibt. Schicksale and more, das sind ihre Themen, mit ‘nem bisschen Drama, Ironie und viel Humor.

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Charaktervorstellung mit Leseproben :

Greta ist die beste Freundin der Protagonistin Emma. Im Gegensatz zur recht brav wirkenden Emma ist Greta ein richtig kleines Luder. Nachdem sie mit ihrem „alten“, unglücklichen Leben abgeschlossen hat, ist sie ständig auf der Suche – nach sich selbst und nach dem Glück. Sie ist chronisch pleite, hat ein schnodderiges Mundwerk, treibt sich in Kontaktbörsen um und geht die wildesten Verabredungen ein. Sie will LEBEN, auf Teufel komm raus!

Leseprobe:

— Von ihrem letzten Geld kaufte sie sich rote High Heels. Jede weitere Ausgabe würde sie für den Rest des Monats wieder in die Miesen bringen, aber sie brauchte diese Schuhe. Vielleicht, weil sie sich damit irgendwie anders fühlen konnte, denn es gab der Situation etwas Ermutigendes. Warf Fesseln ab, gegen die Greta immer wieder anging, die sie nicht mehr tragen wollte.     
Sie hatte den Mann im Blind Date Amore aufgegabelt … —

“Ich mag „meine“ Greta unglaublich gerne. Selbst wenn sie manchmal furchtbar aufbrausend und zu impulsiv ist, hin und wieder auch auch ziemlich konfus … und obwohl sie Dinge tut, die ich – oder eben meine Hauptprotagonistin Emma – vermutlich niemals tun würden, so hat sie ein riesengroßes Herz hinter ihrer Brust und einen ordentlichen A … in der Hose und ist die beste Freundin, die man sich nur denken kann.” Hilde Willes

Leseprobe:

— Greta hatte seinen wirklichen Namen gekannt. Aber viel mehr durfte sie nicht kennenlernen. Das hatte das Schicksal mal wieder zu verhindern gewusst, dieses Mistvieh, dieses Elendige!    
Just im Moment bekam Emma so einen dicken Hals. Nicht wegen irgendwelcher Grippeviren wieder. Oh nein, weil die Wut sie packte! Energischen Schrittes lief sie in die Küche und riss den Kalender von der Wand. Aus den Trümmern unserer Verzweiflung bauen wir unseren Charakter. (Ralph Waldo Emerson).      
„Scheiße aber auch!“

„Tu es nicht!“ Greta stand im Türrahmen und Emma war drauf und dran, ihr stets geschätztes Reservoir an Zitaten und Lebensweisheiten zu zerfetzen.    
„Tu es nicht!“ Noch einmal und viel energischer als eben. „Der hat doch eigentlich recht, dieser Emerson!“        
„Findest du?“ 
Greta nickte mit rotgeweinten Augen, käsebleich im Gesicht. Aber jetzt räusperte sie sich und fragte: „Hast du noch was von der Bowle? Und komm mal mit raus, lass uns eine qualmen!“          
„Ich denke, du hast aufgehört damit?!“
„Ach, Scheiße!“         
„Himmel noch mal, ja! Aber zieh dir eine Jacke an, es is‘ kalt!“     
„Emma, geh mir nicht auf den Sack! Wenn ich frieren will, dann friere ich halt.“   
Kurz darauf standen sie schnatternd im Schneegeriesel und schauten den Rauchfahnen nach, wie sie langsam immer weiter nach oben stiegen. —

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