20 – Danielle Ochsner meint, jeder kann schreiben

Der #WirlesenFrauen-Neujahrskalender präsentiert euch vom 1.12.2019 bis zum 6.1.2020 63 Autorinnen und ihre Werke. Lernt neue Schriftstellerinnen kennen und findet großartigen Lesestoff! Heute bei mir: Danielle Ochsner, die schon für einen Mann gehalten wurde.

alle sind anders

Autorin Danielle Ochsner
Danielle Ochsner ist anders (Fotot: privat)

Schreibtrieb: Glaubst du, Frauen schreiben anders als Männer und andere?
Danielle Ochsner: Hier war ich verwirrt: (…) Männer und andere?
Wer sind andere? Wesen, die nicht Frau oder Mann sind? 😉
Jeder kann fantastische Geschichten schreiben, wenn er/sie sich traut. Schreiben kann man lernen. Egal ob man lesbisch ist, hetero oder schwul.
Ich bin nicht nur schlicht älter als die meisten Autorinnen, die sich auf Twitter tummeln. Ich bin auch Krankenschwester, ausgebildeter, systemischer Coach und Mutter. In meinem Brotjob bilde ich Lehrlinge aus. Egal ob Mann oder Frau.
Meine Schwägerin steht auf Frauen, mein Lehrling wird sich einer GeschlechtsOP unterziehen und der andere hat eine Schusswunde im Bein, weil er auf seiner Flucht aus Afghanistan angeschossen wurde. Meine Kollegin ist vor zwei Monaten an Krebs gestorben und ein Familienmitglied ist Cracksüchtig.
Ich helfe gelegentlich in einer Suchtklinik auf und … schreiben diese Leute anders als andere?

Ja. Das tun sie. WEIL ALLE ANDERS SIND 😊 . Ich bin es auch. Du auch.
In meinem letzten Roman war eines der Themen übrigens, dass zwei Frauen ein Kind bekommen haben. Ohne Samenbank 😉
Also hören wir doch auf, Menschen auf ihre Geschlechterrolle zu reduzieren.
Wir sind Menschen und streben alle danach, geliebt zu werden. Keiner wird dieses Leben überleben.
Natürlich schreiben Frauen anders, das liegt in der Natur der Sache und darf/soll so sein.
Frauen nehmen anders wahr, sie reflektieren anders und ein Vergleich zwischen den Geschlechtern, was die Schreibweise angeht, ist für mich unnötig. Vergleiche führen im schlimmsten Fall zu einem Konkurrenzdenken, zu einem Machtspiel und darum soll es ja nicht gehen.

Lange Leitung

Schreibtrieb: Ein interessanter Blick.Wurdest du denn als Frau schon einmal diskriminiert?

Danielle Ochsner: Gab es auch schon. Ja. Ich habe einen französischen Vornamen, meistens wird er männlich ausgesprochen. Daniel, statt Danielle. Manchmal bekomme ich Post, die mit Herr Daniel angeschrieben ist. Kürzlich hatte ich einen Anruf von einer Versicherung. Ein hörbar nervöser Mann fragte mich, ob er meinen Mann sprechen könne. Ich antwortete wahrheitsgemäss, dass ich keinen habe. Der Mann am anderen Ende der Leitung beharrte darauf, dass er mit Herr Daniel Ochsner reden müsse. Mir war schon klar, dass es eine Verwechslung war, aber ich hatte in diesem Augenblick eine bizarre Freude daran, den Mann zappeln zu lassen: «Ich bin Danielle Ochsner.» Sagte ich. Das könne nicht sein, erwiderte er, ich sei, «Bitteschön.», eine Frau. «Ja. Ist das ein Problem?» Ich blieb ruhig und es dauerte anschliessend nicht mehr lange, bis der Kerl seinen Fehler einsah und sich wortreich entschuldigte.

Freie Zeit ist Schreibzeit

Schreibtrieb:  Schreibst du nach (Zeit-)Plan?
Danielle Ochsner: Nun, ich plane das Schreiben zumindest, da ich voll arbeite und meistens Schichtdienst habe, kann ich nicht anders. Wenn ich abends um 22.30 nach Hause komme, bin ich zu müde, um zu schreiben.
Also lege ich die Schreib- und Marketingplanung auf meine freien Tage. Da kann es aber durchaus sein, dass ich acht Stunden am Stück schreibe. Ich komme ins Flow und verlasse den Schreibplatz nur, um die Kaffeemaschine aufzusuchen. Oder, wahlweise, das Klo 😉
Bei meinem ersten Buch schrieb ich noch planlos drauflos. Dabei verlor ich sehr viel Zeit und Energie. Das passiert mir jetzt weniger.

Schreibtrieb:  Ja, wir lernen alle dazu, das geht mir nicht anders. Welches ist deine liebste Figur aus deinen Büchern?
Danielle Ochsner: Julie aus meinem ersten Buch, die wuchs mir so ans Herz, als wäre sie meine Schwester. Sie hat so viele Eigenschaften, die ich auch habe: Sie liest gerne, isst kein Fleisch, wirkt zerzaust, etwas skurril und verträumt. Sie mag alte Bücher und es verschlägt ihr die Sprache, wenn sie verliebt ist.
Gewissermassen hat sie auch eine morbide Seite, eine dunkle Welt in sich, die ihr aber niemand zutraut. Weil sie ja so verträumt wirkt.
Unterschätze nie Frauen, die gerne blumige Kleider haben und deren Haare aussehen, als würden sie nie gekämmt werden. Nie. Vielleicht sind es gerade jene, die heimlich einen Mord planen und googeln, wie man eine Leiche in einer chemischen Lösung verschwinden lassen kann.
Aber ich mochte auch Linus Berger sehr, den Protagonisten aus meinem neuen Buch Sommer auf Zeit.
Aus anderen Gründen, aber auch er wuchs mir sehr ans Herz.

Sofie

Schreibtrieb: Was ist dir beim Schreiben das Wichtigste?
Danielle Ochsner: Meine Leser, ich habe sie immer im Hinterkopf. Ich schreibe für sie, sie kaufen die Bücher und sie sollen meine Geschichten mögen. Ohne sie gäbe es mich als Autorin nicht.
Ich habe eine fiktive Leserin, sie mag mein Genre und ist genau meine Zielgruppe. Sie heisst Sofie und sitzt meistens neben mir, wenn ich schreibe. Dabei schaut sie mir über die Schulter, sie macht «Tztztzt.» wenn ihr etwas nicht passt oder wedelt mit der Hand, wenn ich etwas aus dem Text löschen soll.
Ähnlich verfährt sie, wenn sie meine Story mag und sich darin verliert. Dann seufzt sich leise, raschelt mit dem Schokoladenpapier, und lächelt glücklich.
Sofie ist meine liebste Leserin, aber auch meine strengste Kritikerin.

Schreibtrieb: Liebe Danielle, mit meinen Assoziationsfragen schließe ich immer meine Interviews. Danke, dass du da warst.

Lila oder Orange:Was für eine Frage? Lila. Nur Lila. Schliesslich war das lange der Name meines Blogs. (Ich habe ihn eingestellt, nachdem er zehn Jahre online war.)
Madame Lila.
Das klingt doch wesentlich schöner, als Frau Orange. Oder nicht
😉

Sofa oder Sessel:Ich habe einen weinroten Sessel aus Samt. Den habe ich irgendwo an der Strasse stehen sehen und sofort mitgenommen. Er sieht aus, wie man sich einen Omasessel vorstellt. Er hat schon mehrere Umzüge mitgemacht und ich würde alle Möbel hergeben, wenn ich müsste, aber diesen nicht. Niemals.Ich hätte ihn schon mehrmals verkaufen können, verschenken sowieso. Aber ich habe diesbezüglich nie mit mir handeln lassen. Nie.

Märchen oder Thriller:Thriller bitte.
Ich habe meinen Kindern sehr gerne Märchen vorgelesen, zum Einschlafen oder abends bei einem Tee.
Aber für mich darf es gerne ein Thriller sein. (Keiner, bei dem mit einer Säge Körperteile bei lebendigem Leib amputiert werden. Ich mag kein Blut, keine Körperflüssigkeiten und ich mag es nicht, wenn Leute leiden. Aber ich schätze es sehr, wenn ich auf die Jagd nach einem Mörder gehen kann. Wenn mein Adrenalin und meine psychologische Einschätzung mir den richtigen Weg weisen. Ja. Prickeln muss es. Dann kann ich ggfs auch eine Nacht durchlesen.)

Krimi oder Romantik

Danielle Ochsner lässt euch heute die Wahl. Ihr könnt ihren Frankreich-Krimi oder ihren Liebesroman gewinnen. Verratet mir bis zum 27.12.19, welcher Roman euch mehr reizt und landet im Lostopf. Mehr von Danielle findet ihr auf ihrer Seite.

Sommer auf Zeit von Danielle Ochsner

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