Magische Wirklichkeit? Fantastische Gegenwelt? [Blogtour]

Ich nutze den heutigen Beitrag in der Blogtour zu Daphne Unruhs Fliedertraum, um etwas genauer auf etwas einzugehen, was ich euch kürzlich zur Bezeichnung von realistisch, phantastisch und wunderbar in der Literaturwissenschaft erklärt haben. Fliedertraum ist eine weitere Geschichte aus der Welt von Zauber der Elemente, spielt aber weitestgehend unabhängig davon in Köln. Gestern startete die Tour bei Babsleben und morgen wird es bei Zeilensprung weitergehen.

Was ist Wirklichkeit?

Ein großes Problem von realistischer Literatur ist es in meinen Augen, dass sie zuallererst Fiktion ist. Das Paradox, erfundene Wirklichkeit sein zu wollen, ist dabei nur auf den ersten Blick kurios. Eine der großen philosophischen Fragen ist, was ist Wahrheit. Sie beinhaltet im Grunde die Frage nach dem, was Wirklichkeit wirklich ist. Selbst wenn wir uns auf die selben Dinge beziehen, ist uns schon lange klar, dass wir sie anders betrachten, interpretieren und wiedergeben. Wirklichkeit ist konstruiert. Ja, das ist eine philosophische Streitfrage, die ich hier mehr aufwerfen, als beantworten möchte. Für mich gehört nämlich das Nachdenken darüber schon zur Lösung.

Wir kennen alle in der ein oder andren Chiffre die Aussage, dass zwei Personen, wenn sie sich einen Gegenstand / eine Farbe/ einen Menschen ansehen, dennoch zwei unterschiedliche Nuancen erkennen. Dennoch sind sich beide meist überein, dass sie einen Stuhl, die Farbe Blau oder einen pausbäckigen Jungen sehen. Meist, aber nicht immer. Vielleicht erinnert ihr auch an die Debatte, ob das Kleid auf einer Fotografie nun weiß oder blau ist. Ein regelrechter Streit um die Farbe eines Kleides entbrannte. Weil wir uns darauf verlassen, dass unsere Wirklichkeiten nur Nuancen voneinander abweichen und erschüttert sind, wenn wir feststellen, dass es nicht so ist.

Wirklichkeit ist nur ein Konstrukt, das wir uns schaffen (Foto: jarmoluk / pixabay.de)
Die fantastische Gegenwelt

Die Literatur nutzt zwei Umstände, um Lesern fantastische Gegenwelten zu offenbaren. Zum einen den rationalen Blick, der uns sagt, dass hier eine Psychose vorliegt, eine Wahnvorstellung oder wirre Überzeugung. In Fliedertraum greift Daphne Unruh diesen Umstand auf, indem sie den Vater der Protagonistin Laura glauben lässt, seine Frau hätte die gemeinsame Tochter in eine merkwürdige Sekte entführt. Gleichzeitig ist die Mutter in psychologischer Behandlung – eine Auslegung der „Magiebegabung“, die bereits in anderen Bänden zur Welt aus Zauber der Elemente zum Tragen kam.

Der zweite Grund ist vielleicht noch viel deutlicher. Die fantastische Gegenwelt schenkt uns Hoffnung. Eine etwas aberwitzige Hoffnung, dass da noch mehr ist. Dass hinter einer Geschichte der Funken einer Wahrheit steckt, die wir einfach nicht sehen. Ob wir darauf warten, dass ein Mann übers Wasser geht, eine Eule uns zu einer Schule einlädt oder eben elementare Begabungen möglich sind – die Hoffnung auf MEHR ist es, die uns fasziniert. Wir wollen träumen, wir wollen zumindest für die Zeit des Lesens glauben und unsere Wirklichkeit erweitern. Alles zu kennen macht uns eine Heidenangst. Denn was gäbe es dann noch zu entdecken?

Das Fantastische ist manchmal nur einen Blickwinkel entfernt (Illustration: kellepics / pixabay.de)
Magische Wirklichkeit!

Daphne Unruh geht in Fliedertraum den umgekehrten Weg. Ihre Protagonistin wird von der fantastischen Gegenwelt in unsere Wirklichkeit geschmissen und obwohl sie viel darüber weiß, ist es doch das Neue, Aufregende, ja – Magische – was sie fasziniert. Besonders bewegte Bilder habe es Laura angetan, aber auch das Miteinander, die Möglichkeiten der Kommunikation und einfache Dinge wie Cola, Pizza und Popcorn. Was für uns alltäglich ist, ist für Laura magisch. Das erinnert mich an meinen Deutschlehrer im Abitur, der sagte, das Schönste sei, durch eine bekannte Umgebung zu laufen und alles mit neuen Augen zu sehen. Zu versuchen, die Magie des Unbekannten gerade dann zu wecken, wenn wir doch alles bereits kennen. Uns in eine Person hineinzuversetzen, die das alles zum ersten Mal sieht. Vielleicht entdecken wir dann geheime Schönheiten, feine Details und liebgewonnene Feinheiten, die wir fast vergessen hätten. Wenn wir unsere Wirklichkeit selbst konstruieren, dann doch bitte mit etwas Magie.

Gewinnspiel

Ihr habt bei dieser Tour die Gelegenheit eines von sechs Print-Büchern zu gewinnen. Verratet mir in einem Kommentar, was euch immer wieder zum Staunen bringt und eure kleine Magie in der Wirklichkeit ist. Schaut auch bei den anderen Stationen vorbei, jeder Kommentar zählt 🙂

Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberichtigten möglich.
Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb Deutschland, Österreich und Schweiz, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich.
Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass die Adresse an die Autorin/ an den Autor oder an den Verlag im Gewinnfall übersendet werden darf und man als Gewinner öffentlich genannt werden darf.
Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal pro Tag an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
Das Gewinnspiel wird von CP – Ideenwelt organisiert.
Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
Sollte der Gewinner sich im Gewinnfall nach Bekanntgabe innerhalb von 7 Tagen nicht bei CP-Ideenwelt melden, rückt ein neuer Gewinner nach und man hat keinen Anspruch mehr auf seinen Gewinn.
Das Gewinnspiel endet am 29.10.2017 um 23:59 Uhr.

Und natürlich hier noch der Fahrplan in der Übersicht:

Blogtourfahrplan und Themen:
1 Tag: Daphne Unruh und ihr Buch „Fliedertraum“ bei Babs
2 Tag: Magische Welt vs. Wirklichkeit bei mir
3 Tag: Die Wesen des Buches bei Sarah
4 Tag: Filmemacher bei Stefanie
5 Tag: Die Insel bei Sarah 
6 Tag: Die Welt der magischen Blasen bei Diana
7 Tag: Köln bei Stefanie
8 Tag: Gewinnspielauslosung auf allen Blogs

Kommentare

  1. Jenny Siebentaler

    mich bringt immer wieder meine Tochter zum staunen weil ich dank ihr täglich neue Magie erfahren darf und sie mich einfach mit in andere Welten nimmt und mir täglich neues zeigt mit ihren Augen zu sehen! Denn meine Tochter ist Autistin…..
    VLG jenny

    • Liebe Jenny, ich finde Kinder ja generell mit ihrem unverfälschten Blick auf die Welt zum Staunen. Aber ja, bei Autisten ist der Blickwinkel einfach oft nochmal ein anderer. Wer sich darauf einlassen kann, sieht immer wieder eine neue Welt. Schade, dass unsere „Realität“ so selten damit klar kommt. Alles Liebe
      Eva

  2. karin

    Hallo und guten Tag,

    ich denke mir, ein Lächeln welches man einem Fremden schenkt ist so ein magischer Moment, der einfach in unseren, doch sehr hektisch/unruhigen Zeit wahre Wunder bewirken kann.

    Diese Mimik des Gesichtes wenn man einfach mal ein Lächeln verschenkt..von erstaunt und überrascht sein bis hin zur möglichen Erwiderung. Das tut der Seele und dem Herz gut, finde ich ..einfach mal die Zeit stille stehen lassen und sich mit einem anderen Menschen auf gleicher Wellenlänge befinden.

    Ein schneller Moment des Glückes würde ich mal sagen…ich mache das ganz gerne …

    LG..Karin…

  3. Das war ein sehr schöner Einblick in die unendliche Welt von Wirklichkeit und Fantasie. Du hast damit wunderbar meine tiefere Motivation, Fantasy zu schreiben, benannt und einige tiefere Aussagen hinter der Geschichte herausgestellt. Gefällt mir sehr! Vielen Dank für den interessanten Beitrag zu meinem neuen Buch auf deinem Blog!

  4. Jutta

    Kinder bringen mich immer wieder zum Staunen. Und die Magie finde ich tagtäglich in der Natur. Vor allem im Frühling ist es immer wieder atemberaubend und geradezu magisch, wie ein Sonnentag und etwas Wärme es schaffen, die Blüten geradezu explodieren zu lassen.

    lg, Jutta

  5. Hallo
    Ja Magie begegnet uns täglich wenn wir richtig hinsehen.
    Das Leuchten in den Augen, die Liebe im Herzen, die Sonne die uns wärmt und das Gemüt auffrischt, die kleine Blüte am Wegesrand. Alles kleine magische Momente.
    Der größte magische Moment war die Geburt meines Sohnes, klar freut man sich drauf und liebt ihn auch schon, aber in dem Moment wo man ihn im Arm hat ist die ganze Welt verzaubert und plötzlich alles anders….

    LG Manu

  6. swappinghowdies

    Hallo liebe Eva-Maria,

    zum Staunen bringt mich immer wieder mein Kater, der in seinem früheren Leben definitiv ein Koch gewesen sein muss. Er schaut mir extrem häufig zu, wenn ich etwas zubereite, auch wenn es nichts ist, was er selbst essen würde. Er versucht es zwar immer mal wieder (gestern gerade Mairübchen!), aber das ist dann doch nichts für ihn. 😉

    Es ist etwas Magisches, sich mit ihm ohne Worte zu verständigen. In dieser Hinsicht hat er viel von einem Hund — er läuft bei Fuß, er begrüßt mich an der Haustür, und er ist aufgeregt, wenn ich mit Einkäufen nach Hause komme.

    Viele liebe Grüße,
    Birgit

  7. Hallo Eva-Maria,
    vielen Dank für den tollen Beitrag und den schönen Einblick in die Welt von Wirklichkeit und Fantasie und ihre Facetten.
    Meine beiden Kinder bringen mich immer wieder zum Staunen. Dabei ist es egal wie alt sie sind. Es gibt seit jeher immer wieder Momente, die unfassbar, wunderschön, verwirrend, überraschend und erstaunlich sind.
    LG Christine

Ich freu mich über eure Meinungen