Die Kraft der Liebe?! Ein Blick in die Motivgeschichte

Liebe ist heute geradezu zentrales Motiv vieler Bücher. Nicht nur in Liebesromanen. Ein ‚love interest‘ schleicht sich fast in jedes Genre, ein gebrochenes Herz, Elternliebe, aber auch falsch verstanden in reiner Begierde taucht Liebe immer wieder auf. Die Vorstellung, was Liebe eigentlich ist, lässt sich aber gar nicht so einfach fassen. Nehmen wir allein die Einteilung von Gefühlen in Emotionen und nichtemotionale Gefühle, die

auf etwas in der Welt gerichtet sind und es als in bestimmter Weise repräsentieren ( Döring, Sabine A. Philosophie der Gefühle S. 9)

Ein Buch ganz ohne Liebe? Nicht nur heute selten (bngdesigns / pixabay.de)
Liebe schafft Objekte

Nach dieser Unterscheidung kann Liebe durchaus nichtemotional sein, ist sie doch auf eine bestimmte Person gerichtet, die wir uns in bestimmter Weise präsentieren. Liebe ist subjektiv und kann nicht als generell verstanden werden, anders als Hunger oder Müdigkeit. Wir brauchen einen ‚Gegenstand unserer Liebe‘. Und hier kommen wir zu einem großen Problem, wenn wir lieben. Wir objektivieren den Menschen, den wir lieben. Nicht umsonst nennen wir diese Person ‚Schatz‘, sie ist ‚wertvoll‘, wir ‚erobert‘. Die Grenze zwischen einer emotionalen Verbindung und Besitzt verwischt hier sehr schnell. Auch sind wir eifersüchtig und neidisch, als wolle uns jemand etwas stehlen. Unsere Sprache verrät es, selbst wenn wir selbst ganz anders denken. In Edda reloaded. Götterkind nutzt T.S. Elin hierbei zwei kluge Schritte. (den Roman könnt ihr unten gewinnen ;-)) Einmal fordert es die zeitliche Einordnung, Liebe und Besitz zu koppeln. Gleichzeitig aber bleiben diese Kommentare den Nebenfiguren vorbehalten. Die Gedanken der Protagonisten sind andere.

‘Wenn der Kerl nicht nur das Herz meiner kleinen Tochter, sondern auch das meiner Frau erobert hat, packen wir in jedem Fall!‘ (Götterkind, S. 126)

Eine starke Liebesgeschichte mit frischem Wind: Götterkind von T.D. Elin
Vernunft gegen Leidenschaft

Historisch gesehen ist Liebe zweigeteilt zu verstehen. Einmal die Verbindung, die durchaus etwas Materielles hat. Sicherheit, Wert, Ehe, Familie, Hab und Gut. Eine sichere Liebe, die sich durch Beständigkeit auszeichnet, auf Vertrauen basiert und oft von oben diktiert wurde. Dem gegenüber steht bereits in der Antike eine leidenschaftliche Liebe, die aber als noch höher diktiert verortet wird. Als Wille der Götter. Bestes Beispiel ist Amor, der geflügelte Knabe, dessen Liebespfeile selbst die Götter treffen können. Niemand kann sich der Wirkung entziehen. Sie ist so umfassend, dass jegliche Vernunft bei den Liebenden unmöglich scheint. Gerade dann ist es tragisch, wenn die Liebe unerwidert bleibt. Wenn Apoll Daphne jagt, weil er sie so begehrt und die Nymphe zur Sicherheit in einen Lorbeerstrauch verwandelt wird. Aber beispielsweise auch bei Medea, die erst von leidenschaftlicher Liebe ergriffen ihren Vater verrät und Jason das goldene Fließ besorgt und dann von ihm, der sich der sicheren Liebe zuwendet, betrogen und verlassen wird. Populär geworden aber ist vor allem die Geschichte von Pyramus und Thisbe, die von verfeindeten Familien abstammen und deren Liebe tragisch endet, adaptiert von Shakespeare in Romeo und Julia.

Widerstände strenger, besserwissender, habgieriger und schrulliger Väter oder auch Mütter, die vielleicht andere Ehen für ihre Kinder vorgesehen haben oder sie sogar für ihre eigenen Zwecke unverheiratet erhalten wollen, werden in der Literatur im Allgemeinen durch listenreiche Intrigen überwunden (Frenzel, Elisabeth: Liebeskonflikt, der Herkunftsbedinge in Motive der Weltliteratur, S. 466)

Leidenschaft, Liebe, Macht. Da sind Konflikte doch vorprogrammiert (Foto: Tumisu / pixabay.de)
Leidenschaft, die Leiden schafft

Denn so sehr die Norm eine vernünftige (die Aufklärung lässt grüßen), sichere Liebe und Ehe war, so sehr präferierten die Autoren und Leser die leidenschaftliche. Schon Aristoteles forderte, die Dramenzuschauer emotional zu erreichen. Er sprach von ‚éleos‘ und ‚phobos‘, was heute mit Schaudern und Jammern übersetzt wird. Erreicht werden sollte die Reinigung der Zuschauer in der Katharsis. Diese Dramentheorie ist für die Literatur auch heute noch von enormer Bedeutung. Autoren wollen ihre Leser emotional mitreißen. Konflikte und Krisen müssen überwältigt werden. Schaudern und Jammern? In jedem Buch zu finden! Die leidenschaftliche Liebe ist dabei immer noch ein schaurig schönes, unabwendbares Erlebnis. Schicksal, Zauberei, eine Liebe, die nicht sein darf. Da verkaufen sich die Bücher. Geben wir es doch zu. Wir wollen emotional durchgeschüttelt werden. Ein absolut vernünftiger Protagonist erlebt doch nichts. Doch manchmal nervt die immer gleiche Herzschmerz-Masche. Angenehm, dass Götterkind da einen anderen Weg geht. Denn Odin selbst legt den ersten Stein in dieser Liebesgeschichte – unabsichtlich vielleicht, aber entscheidend.

‘Es ist mein Wunsch, dass du mit einem Weib nach Asgard zurückkehrst, denn das ist mein Geschenk an dich. Eine Vanin wurde gefunden, die erste seit langem, und sie soll dir gehören. Nimm sie zur Frau.‘ (Götterkind, S. 44)

Ein kleines Flämmchen oder ein reißendes Feuer? Auch Liebe kann wachsen und muss nicht mit einem Inferno kommen (Foto: klimkin / pixabay.de)
Wo fängt Liebe an?

Eine Vernunftehe also, Liebe nicht vorgesehen. Und Arawn, der Protagonist hat auch gar nicht vor, sich zu verlieben. Sehr schön trennt das Buch Sex und Ehe und Liebe. Drei Elemente, die wir gerne als zusammengehörig verstehen. Doch das sind sie auch heute nicht, sonst müssten wir keine Diskussion darüberführen, dass sexuelle Gewalt in Jugendbüchern nichts verloren hat und eigentlich auch nicht Inhalt von romantischen Masse-Liebesromanen sein sollte. Im besten Fall natürlich kommt Leidenschaft mit Vernunft überein. Ein Weg, den Götterkind sucht und dabei aufzeigt, wie es auch sein kann – aber für den Protagonisten nicht erstrebenswert ist. Macht und Betrug, Verführung und Gewalt. Dieses Aufzeigen ist vielschichtig und wunderbar in die verschiedenen Ebenen eingearbeitet. Es gibt nicht nur DEN Weg, und es gibt erschrecken viele ’schlechte‘. Dass Liebe dabei gar nicht so erstrebenswert ist – gerade weil sie Loyalitäten und Leidenschaften neu verteilt – macht einen ganz eigenen Reiz aus. Auch mit einem anderen Topos, der überstrapaziert ist, bricht der Roman. Der Liebe auf den ersten Blick. Denn die späteren Liebenden sind zwar voneinander sofort beeindruckt – Liebe aber ist noch nicht in Sicht.

Der Gedanke, eine Vanin zur Frau zu nehmen, hatte ihn noch heute Morgen angewidert. Keine zwölf Stunden später hatte dieser Gedanke seinen Schrecken zwar nicht verloren, das nicht, aber, wie Philipp sich belustigt eingestand, einer gewissen Neugier Platz gemacht. (Götterkind, S. 122-123)

Mehr davon?

Dieser Beitrag ist Teil einer Blogger-Aktion zu T.S. Elins Götterkind, organisiert von Literaturschock. Meine Rezension folgt bald, hier schon mal eine Meinung von Marny. Auch einen kleinen Fahrplan gibt es:

03.05. das Motiv der Liebe bei mir
04.05. Thema Wölfe auf Phantastisch Lesen
05.05. nordische Mythologie auf  Carmens Bücherkabinett
06.05. die Göttergeschlechter und Iduns Apfel auf der fantastischen Bücherwelt
07.05. ein Interview mit der Autorin bei Literaturschock 

Gewinnspiel

Bei mir könnt ihr außerdem ein signiertes Exemplar des Buches gewinnen (bei den anderen Blog auch jeweils). Verratet mir dafür den Titel einer Liebesgeschichte, die euch sehr bewegt hat.

Teilnahmebedingungen

Teilnahme ab 18 Jahren, Versand nur nach Deutschland. Mehrfache Teilnahme auf einem Blog geht nicht.
Ein doppelter Gewinn (also hier und auf einem weitern Blog, der bei der Tour mitmacht) ist ausgeschlossen.
Auch der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barauszahlung ist nicht möglich.
Um auf Schreibtrieb zu gewinnen, müsst ihr die Frage per Kommentar beantwortet haben.
Das Gewinnspiel läuft bei mir bis 07.05.2017 23:15, der Gewinner wird auf der Gewinnerseite genannt und von der Organisation angeschrieben.

Kommentare

  1. karin

    Hallo und guten Tag Eva -Maria,
    Danke erst inmal für den heutigen Einstieg in diese Blogtour.
    Mein Lieblingsroman ist …wohin der Sturm uns trägt…von der Autorin Kathleen E. Woodiwiss.
    Eine klassische Liebesgeschichte aus dem 18.Jahrhundert mit geschichtlichen und sozialem Hintergrund und entsprechendem mit viel Drama…Herzschmerz…usw.
    LG..Karin…

  2. Guten Morgen! ❤
    Dankeschön für den tollen Einstieg! Das ist schwierig zu sagen, denn in jedem Buch fiebere ich eigentlich mit. Ich kann aber sagen, dass die Reihe Fever von Karen Marie Moning wirklich geliebt habe und ich in jedem Buch mitgefiebert hatte. Die Bücher haben mich echt geschafft. Mal war ich am Boden und dann doch wieder Himmelhoch jauchzend. So sehr sogar, dass ich jetzt auch noch nach so vielen Jahren die Bücher liebe und die Geschichte im Kopf habe, als hätte ich sie erst gestern gelesen.
    Liebe Grüße und ich wünsche dir einen schönen Tag,
    Melanie
    FB: Melli Seifert

  3. jenny siebentaler

    also direkte Liebesgeschichten habe ich da nicht und kann da nur Nadja non Steffi Krumbiegel nennen welches mich sehr berührt hat bis heute und ich mich freue wenn teil 3 im Juni erscheint und ich die geschichte weiter lesen kann
    😀

Ich freu mich über eure Meinungen