Wasteland – Judith C. Vogt und Christian Vogt

Das Autorenehepaar Judith und Christian Vogt hat einen gendergerechten Roman geschrieben und ich war gespannt wie ein Flitzebogen. Auf Literaturschock konnte ich an einer Leserunde teilnehmen und durfte Wasteland lesen. Vielen Dank an Autorin und Autor und den Verlag für mein Rezensionsexemplar.



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Laylay reißt mit ihrem Vater durch das postapokalyptische Europa. Überall, wo einst große Städte standen, hat eine Biowaffe das Leben unmöglich gemacht. Gifte führen zu einer Lungenkrankheit, die unweigerlich zum Tod führt. Nur Laylay kann in das Ödland, ohne krank zu werden. Doch dann findet ihr Freund Zeeto auf einem Streifzug ein Baby. Das Baby wird wie Laylay nicht krank, doch Zeeto schon. Schnell wird klar, dass ein großes Geheimnis darauf wartet, von Laylay entdeckt zu werden, und das betrifft nicht nur sie selbst, Zeeto und das Baby, sondern hat Auswirkungen auf die gesamten Gesellschaftsstrukturen, die im Roman vorkommen.

Mir fehlen die Worte

Wie schreibt man eine Rezension, die mit jedem Wort schreibt, dass ich begeistert bin, denn dieser Roman hat mich regelrecht umgehauen. Nicht nur, dass im Roman wie versprochen gendergerecht jegliche uns bekannten geschlechtsabhängigen Strukturen abgelegt wurden, es treten auch Enbys und trans Personen auf, verschiedene Gesellschaftsentwürfe und soziale Konzepte. Durchaus lässt sich eine im Roman als ideal erscheinende Lebensweise herauslesen. Der handgebundene Markt, auf dem Zeeto lebt, ist eine Art polyamouröse Großfamilie mit drei Matriarchinnen, die durchaus mehr zu sagen haben, obwohl auf dem Markt theoretisch jede Stimme gleich gewertet wird. Ihr merkt, auch dort sind alle gleich, aber manche noch ein bisschen gleicher.

Auch andere Gesellschaften kommen vor. Strikte Hierarchien, ominöse Sekten, Kleinfamilien, wobei „Monarchien“, Demokratien, Kommunismus und andere nahezu den gleichen Raum im Roman einnehmen. Diese Vielfalt finde ich für eine Postapokalypse sehr logisch und auch die Art und Weise, wie sie dargestellt werden, ist absolut durchdacht und wirklich grandios. Genauso genial sind die Ausarbeitungen der Figuren. Keinesfalls werden hier einfach nur typische Frauen- und Männerrollen zu vertauscht. Stattdessen wird gerade das „Typische“ komplett aufgebrochen und absolut geschlechtsunabhängig verteilt.

Gefährliche Selbstverständlichkeit

Faszinierend finde ich auch, wie sehr mich Wasteland zum Nachdenken und Umdenken angeregt hat. Wie oft ich etwas für selbstverständlich angenommen habe und danach erkannt habe, dass gerade darin ein Problem besteht, kann ich nicht erzählen, ohne zu spoilern. Doch ich finde es erschreckend, wie oft ich toxisches Verhalten als „normal“ empfunden habe. Übergriffigkeiten und anscheinende Erhabenheiten werden als solche enttarnt und das Buch hat das beste gemacht, was ein Buch machen kann: mich als Mensch zum Besseren verändert.

Das Cover von Wasteland zeigt eine Frau auf einem Motorrad von hinten
Hat mich begeistert: Wasteland

Wasteland ist ein Roman, den ich jedem in die Hand geben möchte, der auch nur ein kleines Faible für Postapokalypsen hat (und eigentlich allen anderen auch). Lest dieses Buch, denn auch wenn ihr den Subtext als Nebensächlichkeit abtut wird euch die Handlung begeistern, die einen klasse Spannungsbogen hat und auf jeden Fall Überraschungen bereithält. Bitte mehr davon!

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