Tochter des dunklen Waldes – Katharina Seck

Katharina Secks Debüt Die silberne Königin hat mich regelrecht begeistert, da war es keine Frage, dass ich auch ihr zweites Buch, Tochter des dunklen Waldes lesen wollte. Danke an Bastei Lübbe, die mir mein Exemplar zur Verfügung gestellt haben und so geduldig waren. Als meine Hyperemesis mich ausgeknockt hatte, war an Lesen nämlich gar nicht zu denken. Ich bekam wochenlang kein Wort in meinen Schädel und war regelrecht verzweifelt. Erst als ich im Januar im Krankenhaus war und mit Infusionen immerhin soweit wiederhergestellt, dass denken möglich war, las ich. Und mitgenommen hatte ich mit Tochter des dunklen Waldes.

 

Lilah lebt bei ihrem Onkel und ihrer Tante in einem kleinen Dorf, das großen Wohlstand kennt. Die Ernten sind immer überdurchschnittlich ertragreich, es gibt keine großen Probleme. Eigentlich könnte alles perfekt sein. Wäre da nicht der Morgenwald, der direkt an das Dorf grenzt und verbotenes Terrain ist. Eine große Gefahr haust dort, wer hineingeht, kommt nicht mehr hinaus. Trotzdem wird Lilah vom Wald angezogen und träumt davon, was hinter ihm liegen könnte. Die Entscheidung fällt, als eine Frauenleiche mit seltsamen Zeichnungen am Körper gefunden wird und Dorean, ein Erntearbeiter, mit dem Lilah mehr verbindet, als sie zugeben will, verschwindet.

Altes und Neues

Der Anfang des Romans ähnelt dem von Die silberne Königin, so dass ich sehr gespannt war, wie es sich weiterentwickelt. Auch hier steht zu Beginn eine alte Legende, die das Geheimnis des Morgenwaldes umrankt. Später wird klar, wie stark dieser Mythos abgewandelt wurde und warum. Das hat dem Ganzen eine gewisse Rundung gegeben und mir gut gefallen. Lilah wird im Wald auf ein Geheimnis gestoßen, dessen Teil sie ist. Es entstehen zwei Welten, ohne dass sie tatsächlich voneinander abgeschnitten werden.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, märchenhaft, aber nicht zu kitschig. Lilah ist sehr emotional und in sich gekehrt, was mir gut gefallen hat. Auf der anderen Seite ist sie auch hochnaiv. Sie kennt viele Annehmlichkeiten, entscheidet impulsiv und wirkt dabei sehr kindlich auf mich. Auch mit ihrer neuen Situation im Wald liegt sie nicht im Disput, sondern fühlt sich sofort wohl, was ich schade fand. Etwas mehr innere Zerrissenheit aus ihr selbst heraus, hätte mir gefallen. Die wird leider nur durch Dorean erzeugt, dessen Rolle im Roman entscheidend wie fragwürdig ist.

Katharinas Secks Tochter des dunklen Waldes
Schwächen und Stärken

Die ganze Liebesgeschichte zwischen den beiden war zwar schön beschrieben, emotional und greifbar, gleichzeitig von Anfang an überschattet. Hier fand ich die Zugeständnisse persönlich zu groß. Die Auflösung am Ende ist im Roman plausibel, zeigt aber nur wieder, wie infantil Lilah agiert, um ihren Willen durch zu setzen. Ja, auch die Gegenoption, die aufgezeigt wird, wäre komplett falsch, doch so ist für mich das Ergebnis ein fauler Kompromiss. Hier hätte ich etwas mehr erwartet.

Tochter des dunklen Waldes liest sich sehr angenehm. Der Plot hat für mich persönlich Schwächen und mit der Protagonistin wurde ich nicht ganz warm. Insgesamt ist der Roman ein gutes Buch mit fantastischem und romantischem Anspruch, schafft es aber nicht an Die silberne Königin heran. Natürlich ist es immer schwierig, an ein sehr starkes Debüt anzuknüpfen. Indem Katharina Seck hier zwar ähnlich beginn, dann aber ganz andere Wege geht, schafft sie es, sich loszulösen. Ich bin gespannt, wohin sie sich entwickelt.

Hier kommt ihr zu meiner Rezension zu Die silberne Königin

Weiter Meinungen zu Tochter des dunklen Waldes findet ihr bei

die rabenmutti

Buchstabenverliebt

 

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Das Cover sieht sehr schön aus! ❤️
Generell hört sich das Buch interessant an, aber ich glaube nach deiner Kritik greife ich lieber zu „Die silberne Königin“.
Liebe Grüße,
Babsi

Hallo! 🙂
Auf dieses Buch war / bin ich eigentlich auch schon recht gespannt, da ich die silberne Königin eigentlich auch ganz gern mochte. Schade, dass die Tochter nicht ganz an das vorige Buch herankommt. Neugierig bin ich trotzdem nach wie vor 🙂

Liebe Grüße!
Gabriela