Tanja Raich und die Puppe(n)

Auf einem Holztisch liegt ein E-Reader, halb auf einer gehäkelten Tischdecke. Rechts oben sind violette Steinchen verstreut

Gerade suche ich mir kleine Schritte zu wieder mehr lesen, wieder mehr schreiben, wieder mehr bloggen. Ich vermeide Rezensionsexemplare darum eher, um keinen zusätzlichen Druck zu haben, denn es liegen hier auch noch Entwürfe, die fertig werden wollen. Dann kam ein Newsletter von Netgalley und ich war hooked. Danke, das ich das Buch direkt lesen durfte!

Eine Hand mit einer Tasse Tee neben einem Kissen, auf der ein e-Reader mit einer Hüller, auf der bunte Federn zu sehen sind, liegt.

Mit Die Puppe aus der Reihe „Dinge des Lebens“ vom Residenz Verlag widmet sich Tanja Raich Puppen als Spielzeug, Sinnstifter*innen und Horrorgestalten. Zwischen etwas Geschichte, Medienwissenschaft und Symbolanalyse steckt immer wieder Feminismus und die Frage, wie sehr Puppen unsere Welt beeinflussen.

Spiel mit Puppen

Ob Puppen zu Beginn wirklich schon Spielzeug waren oder doch religiöse Gegenstände, ob kleine Kinder oder Erwachsene oder alle Puppen hatte, lässt sich schwer nachvollziehen. Waren Puppen Geister und Ahnen oder Dinge und abstrakt? Wo der Grad zwischen Figur und Puppe verläuft ist manchmal nicht klar zu sagen. Was war zuerst, welche Version hat welche beeinflusst? Klar ist, es gab schon in der Frühzeit geschnitzte oder gebundene kleine Gegenstände, die wie Menschen oder Tiere aussahen. Je mehr Funde es gibt, umso klarer wird das Bild und umso klarer können Puppen als Spielzeug identifiziert werden.

Menschen lernen durch Nachahmung und Spiel. Spieltrieb und Imitation sind zwei sehr grundlegende Muster für Lernen und Erfahren. Hier spielen Puppen eine große Rolle. Aber auch als Gruselfigur, etwa wenn die Puppe unheimlich wird, wenn das Leblose lebendig scheint. Und auch als Sehnsuchtsobjekt, etwa bei Reborn-Puppen, die wie lebensechte Babys aussehen, oder auch Sexpuppen, die von einfachem Spielzeug bis zu ausgefeilten Schein-Gefährten reichen können. Puppen sind überall. Sie werden benutzt, sie werden bespielt und dienen als Wunscherfüller.

Neue Fragen

Nicht zuletzt sind Puppen seit Jahrzehnten zu Identifikationsfiguren geworden. Wer mit welcher Puppe spielt und wer nicht wird von Medien und Umwelt stark beeinflusst. Zubehör, Aussehen und Zielgruppe beeinflussen Kinder und ihr Verhalten. Warum gibt es so wenige Puppen of color? Warum richtet sich das gesamte Marketing an Mädchen? Warum ist Barbier gleichzeitig eine Puppe, die alles werden kann, wird aber meist nur ein Stereotyp? Fragen, die das Buch aufwirft und die nachwirken. Gendermarketing und gesellschaftliche Normierung gehen Hand in Hand und in der Wechselwirkung formen sich Gesellschaft, Norm und Zielgruppen gleichzeitig mit.

Als guter Essay wirft Die Puppe viele Gedankengänge auf. Manchmal an der Oberfläche, manchmal in der Tiefe. Die Wirkung ist, dass das Thema weiterhin beschäftigt, Zugangspunkte bereit hält und Möglichkeiten für weitere Ansätze bietet.

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