Mensch. Macht. Maschine. Christian Hugo Hoffmann und Sebastian Rosengrün und die KI

Bild von oben. Auf einem runden Holztisch liegt "Mensch. Macht. Maschine." Das Cover ist beige mit blauen Risszeichnungen von neuzeitlichen Maschinen. Neben dem Buch liegt ein Textmarker. Im Hintergrund sind Polstermöbel, eine Pflanze und ein heller Boden zu sehen.

17 Wege zu ethischer Führung im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz – so lautet der Untertitel, der mich neugierig gemacht hat. Erschienen sind die 146 Seiten bei Haufe. Für mehr Reflexion und Verantwortung im Umgang mit KI, einem Ausloten des eigenen moralischen Kompasses und mehr Verständnis anhand praxisnaher Beispiele soll es stehen.

Schon allein der verbreitete Nutzen des Worts „KI“ hat unsere Welt verändert. Jeder Algorithmus ist jetzt KI, die wenigsten unterscheiden noch zwischen (Spach)Assistenz, Programmfeature oder KI-Untergruppen wie LLMs (Large Language Model). War dann der alte, mittelprächtige Google-Übersetzer nicht auch schon KI? Oder die stumpfe Rechtschreibprüfung? Damit beschäftigt sich das Buch nicht. Es setzt an, wo Menschen ins Spiel kommen, die KI in Firmen einführen und nutzen wollen. In 17 Kapiteln beleuchtet Mensch. Macht. Maschine. Möglichkeiten, spricht Empfehlungen aus und bringt passende Beispiele ins Spiel.

Bild von oben. Auf einem runden Holztisch liegt "Mensch. Macht. Maschine." Das Cover ist beige mit blauen Risszeichnungen von neuzeitlichen Maschinen. Neben dem Buch liegt ein Textmarker. Im Hintergrund sind Polstermöbel, eine Pflanze und ein heller Boden zu sehen.
Großartige Aussagen und verwirrende Passagen: Mensch. Macht. Maschine. lässt mich zwiegespalten zurück.

Gutes und Schlechtes zur KI

Großartig fand ich viele Aussagen, die KI nicht hochloben, sondern die Beziehung mit Menschen hervorheben, gleichzeitig aber auch die Möglichkeiten von KI relativieren. In diesen Passagen wird klar, dass Mitmenschen und im Falle des Buches Kolleg*innen an erster Stelle stehen müssen und KI keine allumfassende Lösung für alles sein kann. Im Gegenteil. Immer wieder gibt es kurze, Abschnitte und Merksätze im Buch, die verinnerlichen, dass ein Mensch immer mehr an Kontext mitbringt, als jede KI. Auch das Kultur und Moral an oberster Stelle stehen – sowohl im Unternehmen als auch in der Gesellschaft wird klar. Sogar wir KI lernt, nämlich nicht durch Erfahrung, Verstehen und Verinnerlichen, sondern mit Hilfe von Wahrscheinlichkeiten, wird aufgeführt. Es gibt sie also, die Momente im Buch, in denen es auch kritisch auf KI blickt. Sie sind aber rar.

Manche der Kapitel drehen sich außerdem zusammen genommen im Kreis. „Nutze KI, um deine Werte zu leben“ und „Sei kein Moralapostel“ können sich am Ende einfach widersprechen. Auch wenn das zweite genannte Kapitel sich eher auf den Umgang mit Menschen, als mit Maschinen bezieht, steht es etwas fehl am Platz in diesem Buch und wirkt mehr wie eine persönliche Randnotiz, die hier irgendwie versucht, den Klimawandel anzusprechen, ohne ihn in Relation zur Nutzung von KI zu setzen, sowie eine unpassenden Anekdote von einer Beschwerde gegen einen der Autoren. Die eigenen Werte bzw. die Firmenwerte sind von Moral und dem Umgang untereinander begleitet. Wenn das eine Kapitel rät, die eigenen Werte zu (er)kennen und auf die Anwendung von KI auszuweiten, das andere aber, es mit moralischen Aspekten auch nicht zu genau zu nehmen, ist das kein gemeinsamer roter Faden.

Mensch, wo ist der rote Faden?

Den vermissen Lesende noch öfter. Teilweise ist stark zu merken, dass Grundmeinungen oder Aussagen in einzelnen Kapiteln auseinander gehen. Während ein Teil des Buches den eigenen Weg beim Umgang und einer möglichen Einführung von KI im Unternehmen so wiedergibt, dass auch eine Entscheidung gegen KI als sinnvolles Ergebnis herauskommen kann, will der andere KI gefühlt um jeden Preis einführen. Auch die Beispiele sind unterschiedlich sinnvoll platziert und formuliert. Einige scheinen weltfremd und der Begriff „Anekdote aus der Praxis“ wird am zu oft für theoretische Möglichkeiten und keine konkreten Fälle benutzt. Ja, hier schreiben zwei Autoren, dennoch kommen so verwirrende Aussagen zusammen und der rote Faden fehlt. In solchen Momenten wären klare Pro- und Kontra-Abschnitte sinnvoller.

Ich war darum auch nicht irritiert, als die Autoren im Buch zugeben, das „die“ KI mitgeschrieben habe. Das erklärt Stil- und Stimmwechseln und undeutliche Beispiele sehr – wobei nicht zu sagen ist, was von wem stammt. Diese Wechsel sind wohlgemerkt keine harten Brüche, im Ganzen ist das Buch mit klarer Aussage und auch für mich immer mal wieder hilfreichen Ideen gespickt. Die Erkenntnis war aber auch ein „Aha“-Moment, um ein paar Irritationen, die ich beim Lesen hatte, zu erklären.

Mit großer Macht …

Gerade von einem Buch, dass moralische Aspekte mit einbezieht, hätte ich mir aber auch an der ein oder anderen Stelle mehr Moral und Kritik an der eigenen Sache gewünscht. Hier geht es ja auch um Verantwortung. Den hohen Ressourcenverbrauch, den die Nutzung von KI mit sich bringt, finde ich nur ansatzweise. Wasser, Energie, Server – das sind aber keine Kleinigkeiten, sondern werden in Massen für die verschiedenen KIs gebraucht und mit jedem unnötigen Klick, jeder Unterhaltung, die auch mit einem echten Mensch hätte geführt werden können, jeder Spaß-Grafik, die nur zur eigenen Unterhaltung erstellt gelassen wird verbrauchen wir Unmengen an endlichen Ressourcen. Ein moralischer Umgang mit KI muss den Gedanken „Nachhaltigkeit“ zumindest im Augenwinkel betrachten.

Gleiches gilt für den Gedanken an Arbeitsplätze. Dass zwei KI-Experten KI für ihr eigenes Buch nutzen ist für mich absolut fein und verständlich. Dass sie es auch von KI übersetzen lassen wollen und in Eigenregie prüfen, ob die Übersetzung gelungen ist, finde ich dagegen fragwürdig. Denn in dem Moment geht auch um den Job von fähigen Übersetzer*innen, die nicht nur Fehler, die eine KI machen würde, von Anfang an vermeiden, sondern auch bei der Korrektur fundiertere Kenntnisse mit sich bringen, als alle, die einfach nur sehr gutes Englisch sprechen. Auch hier sind für mich Moral und Sinn Grundlagen die Selbstverständlichkeit, mit der im Buch von dieser Übersetzung erzählt wird, zu hinterfragen.

Fazit

Die bereits erwähnten Aha-Momente waren dennoch gut und wichtig für mich. Ich habe viele Anregungen mitgenommen und das Buch hat in jedem Fall Gedanken angestoßen. Ich stehe KI kritisch gegenüber, da sie oft als Spielzeug genutzt wird, oder ohne sie zu hinterfragen. Aus meiner Perspektive ist KI ein Werkzeug, das sinnvoll eingesetzt sicherlich wertvoll ist. Im medizinischen Bereich beispielsweise, aber auch in anderen Fällen, bei denen viele Daten auf Details geprüft werden müssen. Wichtig ist, die KI nicht als letzte Instanz zu sehen, sondern eben genau die im Buch angesprochene Moral und menschliche Kontrolle einzubeziehen. Ich gehe darum mit sehr gemischten Gefühlen aus der Lektüre. Ich habe auf der einen Seite Ideen, Gedanken und auch Verständnis mitgenommen, auf der anderen auch oft den Kopf geschüttelt und war von ein paar Widersprüchlichkeiten und Aussagen sehr irritiert.

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