Was ein Tag – Teil 1 – Der Morgen

Als kleines Experiment hier der erste Teil einer Kurzgeschichte. Die zwei weiteren Teile werden in den nächsten Tagen online gehen.

Der Morgen war lang, oder kurz, je nachdem. Lang, denn lange drehte ich mich am Morgen von einer Seite der Bettes auf die andere, ärgerte mich über die Sonne, die nach Tatendrang rief, zog mir die Decke über den Kopf, legte das Kissen darauf,  ignorierte Telefon und Türklingel, ‚Einmal, nur einmal ausschlafen’, sagte ich zu mir selbst und die Katze hörte zu. Also redete ich mit ihr. ‚Und du? Schon wach’, fragte ich brummig, drehte mich wieder um. Dann musste ich doch aufstehen, aufs Klo, in nassen Laken schläft es sich nicht gut, aber geschlafen habe ich ohnehin kaum. Es döst sich auch nicht gut, es lässt sich nicht gut vor der Welt verstecken, wenn die Blase sich im Bett entleert. Mal ehrlich. Ist doch so.

Also stand ich auf und die Katze miaute kläglich, während ich auf dem Klos saß und dem Geräusch des Urins lauschen wollte. ‚Einmal, nur einmal für mich sein’, rief ich durch die Klotür und die Katze miaute noch lauter. ‚Und du? Musst du nicht’, zischte ich sie an, als ich wieder raus kam. Zur Strafe gab ich ihr kein Futter, sie war ohnehin zu dick. ‚Bäh’, sagte ich und streckte ihr die Zunge raus, aber sie verstand mich wohl nicht, miaute weiter, und blickte sehnsüchtig auf den leeren Napf. Ich ging ins Wohnzimmer und sie folgte mir. Ich ignorierte die Uhr und war sicher, die Katze tat es auch, ging rüber zum Sofa, wo noch ein Rest zimmerwarme Apfelsaftschorle in einem Glas neben meinem Laptop stand, schaltete den Laptop ein und der Morgen war vorbei. Ein kurzer Morgen also, lang und kurz zugleich.

Der Mittag

Der Abend

©Eva-Maria Obermann

[follow_me]

Kommentar

  1. Pingback: Was ein Tag – Teil 3 – Der Abend | Schreibtrieb Was ein Tag – Teil 3 – Der Abend |

Ich freu mich über eure Meinungen