Neunundneunzig Namen – Jens-Michael Volckmann

Ich hatte etwas Angst vor diesen dünnen Buch. Die Thematik ist schwer und nicht leicht zu fassen. Doch am Ende hat die Neugierde überwogen und Neunundneunzig Namen von Jens-Michael Volckmann ist bei mir eingezogen – sogar mit Widmung des Autors. Im Selbstverlag bei Amazon erschienen ist diese Geschichte mit 61 Seiten schnell gelesen – aber nicht schnell wieder abgelegt.

Das Buch beschäftigt sich mit den Ereignissen nach einem katastrophalen Flugzeugabsturz in Frankfurt am Main. Eine Aufnahme der letzten Momente lässt die Überlebenden eindeutig zwei Worte rufen. „Allahu Akbar.“ Eine Hexenjagd beginnt. Während das Buch die Ereignisse der Katastrophe selbst begleitet, zeigt es in verschiedenen Blickwinkel, wie die Welt damit umgeht. Da ist der Bruder des Mannes, der die Worte gerufen hat, die in Talkshows und Internetplattformen heiß diskutiert werden. Und eine Dokumentation, die ein Jahr nach dem Flugzeugabsturz gedreht wird.

Hinterlässt Eindruck: Neunundneunzig Namen von Jens-Michael Volckmann
Zweifel über Zweifel

Mit großen Kontrasten und dennoch sachten Kreisen spielt das Buch mit den Erwartungen des Lesers. Es erzeugt absichtlich Zweifel, immer wieder, in jede Richtung gehend. Vor allem zeigt Neunundneunzig Namen dabei, wie schnell der Mensch bereit ist, ein Urteil zu fällen, Wie festgefahren wir in unseren kulturellen Prägungen sind, ob wir es wollen, oder nicht. Wie mehrdeutig jede einzelne Geste ist. Und dass es sich immer lohnt, tiefer zu graben.

Dass das Buch am Ende keine absolute Lösung anbietet, ist die logische Folge. Denkt selbst, schreit es geradezu hinaus. Um Himmels willen, benutzt euren Kopf, schaut über den Tellerrand und erkennt die verschiedensten Perspektiven. Es gesteht den Menschen tiefsitzende Ängste zu und macht gleichzeitig deutlich, wohin diese Ängste führen, wenn wir nicht lernen, damit umzugehen. Zu absoluter Ausgrenzung.

Ein Buch, das Verändert

Neunundneunzig Namen ist ein Buch, dass vor allem deswegen so tief bewegt, weil es unmöglich ist, diese Buch zu lesen, ohne über die eigenen Vorurteile nachzudenken. Dieser großartige Effekt lässt das Buch weit über 61 Seiten hinauswachsen. Es verändert den Leser. Ein größeres Geschenk kann ein Buch gar nicht machen. Wenn ihr mehr dazu hören wollt, schaut euch doch das Video hier an. Denn ich habe mit Kia Kahawa und Elenor Avelle über Neunundneunzig Namen in unserem ersten Booktalk geredet.

Kommentar

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