Was bleibt – Susanna Walker

Mit dem Untertitel „Über die Dinge, die wir zurücklassen“ hat mich Susanna Walkers Was bleibt schnell neugierig gemacht. Dahinter versteckt sich der Abschied von einer entfremdeten Mutter, das Ausloten der eigenen Identität und Geschichten, die uns Dinge erzählen. Ins Deutsche übersetzt wurde das Buch von Yamin von Rauch für Kein & Aber. Danke an den Verlag für mein Rezensionsexemplar.



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Auf der Suche

Was bleibt ist kein Roman, sondern ein Erfahrungsbericht, eine persönliche Erzählung. Die Autorin wird zur Ich-Erzählerin. Ihre Mutter ist gestorben und hat ein verwahrlostes Haus voller Dinge hinterlassen. Zwischen Müll und zerstörten Möbeln entdeckt sie Dinge, die Erinnerungen wach rufen. Was bleibt ist eine Annäherung an diese Mutter, die Zeit ihres Lebens fremd blieb. Die Kapitel, in denen Susanna von ihrem Kampf gegen den Müll und die Suche nach ihrer Mutter erzählt, sind angeordnet an Gegenständen, die sie im Haus gefunden hat. Eine Vogelfigur, Besteck, Papiere.

Dazwischen erzählt sie die Geschichte ihrer Mutter, eine Frau, deren Leben von Verlusten geprägt war. Auch hier gräbt Susanna tiefer und erkennt, dass ihre Mutter kein Einzelfall war. Sowohl Scheidungen als auch Alkoholmissbrauch häufen sich im Stammbaum. Die Frage, die immer mitschwingt ist, wie ähnlich Susanna selbst ihrer Mutter ist und noch werden kann. Wird auch sie zur Horterin, die Dinge braucht, um Verluste zu verdrängen?

Die Horterin

Die Identitätskrise, die der Verlust der Mutter auslöst, ist eine schleichende. Auch im Leben waren Susanna und ihrer Mutter sich nicht nahe. Als Kind wuchs sie beim Vater auf, erlebte die Mutter meist nur aus der Ferne. Auch das Horten war nichts Neues für die Tochter. Seit Jahren versuchte sie gemeinsam mit ihrem Bruder die Mutter vom Alkohol weg zu holen und wieder Ordnung in das Haus zu bringen. Was bleibt ist auch eine Beschäftigung mit Hortern, mit dem Krankheitsbild und den Hintergründen.

Warum beginnen Menschen, ihr Umfeld vollzustellen, bis sie in Gerümpel untergehen? Warum sind Dinge uns so wichtig geworden? Während auf Netflix Marie Kondo läuft ist die Beschäftigung mit Hortern und dem Entrümpeln eines ganzen Lebens, einer problematischen Beziehung, die Suche nach Ordnung im Leben. Susanna muss einsehen, dass sie nicht hinter jedes Geheimnis kommt.

Geschichte, die sich wiederholt

Oft geht es im Buch auch um gesellschaftliche Vorstellungen. Was sollte eine Mutter sein? Wie sollte eine Tochter reagieren? Was machen wir mit unliebsamen Erinnerungen? Während ihre Mutter sie zu vergraben versuchte, will Susanna sie umwandeln und ihnen den Schrecken nehmen. Ob ihr das gelingen wird, ist ungewiss, ihre Mutter konnte bis zuletzt nicht loslassen. Die Parallelen zwischen Tochter und Mutter kommen immer wieder ans Licht, auch wenn Susanna von gerade den Dingen, die ihrer Mutter das Leben schwer gemacht haben, nicht lassen kann.

Der Stil ist mir persönlich manchmal zu redundant. Auf den Spuren ihrer Mutter kommt Susanna immer wieder auf die gleichen Themen zurück. Dazwischen springt sie in Erinnerungen und versucht geradezu verzweifelt, zu Ergebnissen zu kommen und Erkenntnisse zu finden. Ein aufrüttelndes Buch, das mich meine eigenen „Dinge“ kritischer betrachten lässt, stilistisch aber nicht ganz so treffsicher ist. Ein interessanter Erfahrungsbericht, der zum Nachdenken anregt.

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