Multiplayer – Jannis Becker

BdB-logoMit Multiplayer von Jannis Becker, erschienen bei dotbooks, wollte ich bei Blogg dein Buch mal neue Wege einschlagen. Mit 456 Seiten bringt mich der Roman auch bei Einmal durchs Regal ein gutes Stück weiter. Interessiert hat mich der Titel, weil ich auch mal ganz gerne in virtuelle Welten abtauche und gespannt war, wie der Autor das Thema umgesetzt hat.

MultiplayerÜberzeugt hat mich der Roman aber leider nicht. Dabei ist die Idee gar nicht so verkehrt. Finja, 25, leidet unter einer abwesenden Mutter, einem Chef, der sie sexuell belästigt, und einem Stalker. Freunde hat sie auch nicht wirklich, ihr Beruf ist trostlos und eigentlich beneidet sie die ganze Zeit nur ihre Mitmenschen. Allein in einem Rollenspiel im Internet kann sie ihre Frust raus lassen. Mehr und mehr zieht sie die virtuelle Existenz ihrem realen Leben vor. Bald wird ihre Gilde zum Familienersatz. Kein Wunder, wird sie im realen Leben von einem psychisch labilen Stalker verfolgt, der ihr regelrecht Todesangst macht. Und irgendwann drängt sich die Frage auf, ob die Geborgenheit des Virtuellen nicht trügerisch ist, und wer sich hinter dem freundlichen Mitspieler im Rollenspiel wirklich verbirgt.

Der Roman ist gut zu lesen, schnell kommt man durch die Seiten. Der Stil bleibt aber einfach, die Metaphern sind gut zu verstehen. Schnell kommt man auch hinter die Analogie und durchschaut die Charaktere im Rollenspiel. Dass Finja sich eine umso stärkere Figur erstellt, als sie im wirklichen Leben ist, macht zwar ihre unterwürfige Art gegenüber ihres Chefs klar, da sie aber in manchen Situationen auch real die Stärke ihrer Figur annimmt, bleibt die Frage, warum sie es gerade in solche einer Situation nicht macht.

Irgendwie weiß man so nie ganz, woran man bei Finja ist und auch ihre Entwicklung, wenn denn eine da ist, bleibt verschwommen. Das Ende ist ein klassisches Gutes und fast schon zu gut, für meinen Geschmack. Irgendwie passt das nicht mehr. Die zuvor aufgebaute Spannung ist dagegen gut umgesetzt und springt über. Schön ist auch die Beschreibung der virtuellen Welt. Wer je in so einem Spiel gewesen ist, wird verstehen wieso. Aber auch da bleiben kleine Logikfehler. So wird kaum ein Spieler während des Kampfes noch lange Chatnachrichten schreiben.

Als seichter Thriller wird der Roman wohl vor allem weiblichen Freunden des Genres gefallen, Männer bleiben wohl bei den eher femininen Gesprächen auf der Strecke. Die eher schwache Figur Finja machte es mir aber schwer, sie wirklich als Heldin zu sehen. Viel mehr ist sie die Spielfigur, die von den Ereignissen hin und her geschleudert wird, aber keine Fäden in der Hand hält.

Ich freu mich über eure Meinungen