Blogtour zu Die längste Nacht von Isabel Abedi

Zu Isabel Abedis neuem Jugendbuch Die längst Nacht hat der Arena-Verlag eine wirklich lange Blogtour auf die Beine gestellt, zu der ich euch heute begrüßen darf. Den ganzen Plan könnt ihr bei Manja sehen. Gestern war die Tour bei Sarah und morgen könnt ihr bei Selection Books weiterlesen.
Bei so einer langen Tour sind viele Themen schnell abgearbeitet. Ich habe mich darum entschieden, mich etwas tiefer mit dem Motiv der Nacht zu beschäftigen, dass nicht nur den Titel in dem spannenden Jugendbuch liefert, sondern Leitmotiv der Geschichte.

Die Nacht

Passenderweise beginnt der Roman in der Nacht. Vita, die siebzehnjährige Protagonistin, wacht auf und trifft auf ihren Vater, der sie aus seinem Arbeitszimmer scheucht, die Augen starr auf ein Manuskript gerichtet. Die Nacht wird hier als Hüterin der Geheimnisse, des Versteckten enttarnt. Gleichzeitig zeigt sich eine Unruhe, die eigentlich atypisch ist. Vita ist schlaflos, kann die Nacht also nicht zur Erholung nutzen. Indem sie als Zeitraum der Entspannung und Schlafes wegfällt, wird sie zur „Tatzeit“. Und drittens zeigt sich in dieser Szene bereits die Bedeutung des Lichts, das als Antagonist der dunklen Nacht den Strahl unter der Tür des Vaters hindurch wirft und so Vita erst zu ihm führt. Dass es Luca ist, der sie in Italien so beeindruckt und sich mit ihr auf die Suche nach der Lösung des Rätsels macht ist darum ganz im Sinne der Nachtsymbolik. Der Name „Luca“ ist mit Lux, Lucis assoziierbar – dem Licht. Dass er und Vita (das Leben) gemeinsam es schaffen den Tod und die längste Nacht damit aufzulösen ist deutliches Zeichen für die Symbolhaftigkeit des Buches und der absichtlichen Verwendung gewisser Bezeichnungen.

Immer wieder ist es im Roman die Nacht, die entscheidende Veränderungen und Richtungswechsel bringt. In der Nacht vergisst Vita ihre Regeln und dröhnt sich zu, in der Nacht kommt sie wieder mit Luca zusammen, in der Nacht verfolgt sie der Albtraum des mundlosen Mädchens. Die Nacht beinhaltet hierbei nicht nur die Traumwelt, die Unbewusstes ans Tageslicht fördern kann, sondern auch die der Erinnerung. Aus beiden Sphären zieht Vita ihre Schlüsse und kann es – dann bei Tag – schaffen, sie ins rechte Licht zu rücken. Die letzte Auflösung aber kann nur bei Nacht stattfinden – im Mondlicht, denn nur hier können Vitas Erinnerungen an ihre Schwester und das, was passiert ist, lebendig werden.

Doch die Nacht versprüht auch eine Bedrohung. In der Nacht wird gejagt, im Schatten der Dunkelheit schleichen Feinde heran und auch Vita wird im Dunkeln beobachtet. „Die Nacht ist der vorübergehende Tod des Lebens“, erklärt das Symbollexikon im Netz, Symbolonline. Nicht zuletzt gibt es auch die Verbindung zwischen Schlaf und Tod (Schlafes Bruder).

Die „längste Nacht“ ist dabei durchaus mehrdeutig. Die Figur des geheimnisvollen Autors im Buch selbst nutzt diese Formulierung, aber im Grunde ist sie auf viele Figuren anwendbar. Auch Vita erlebt ihre längste Nacht seit dem Tod ihrer Schwester, geplagt von Albträumen und Schlaflosigkeit, Asthmaanfällen, die sie aus dem Schlaf reißen. Und natürlich fühlen sich auch die anderen Beteiligten der damaligen Geschehnisse noch immer in dieser Nacht gefangen. Auch kann die längste Nacht als Metapher für das jahrelange Schweigen verstanden werden. Immerhin ist auch Lucas deutlichste Erinnerung an Vita eine aus der Nacht, in der sie als Kinder das Bett teilten.

Doch auch die Verbindung von Luca und Vita wird hier deutlich. Sie teilten das Bett und teilen es wieder, schlafen zusammen und verbringen die Nächte wieder miteinander. Die Nacht wird hier also auch zum Symbol für Liebe, Zweisamkeit und Sex. Im Dunkeln lässt sich gut Munkeln, sagten wir früher und wirklich, die Dunkelheit deckt alles zu und die Nacht breitet ihre Arme aus – alles Bilder, die für das Verdecken, aber auch Behüten stehen.

Zur Nacht gehörig sind auch Mond und Sterne. Während Lucas Cousine Alice einen Halbmondanhänger um den Hals trägt ist es der Vollmond, der volles Licht auf das Kloster, dessen räumliche Bedeutung im Roman immens ist, wirft. Trotzdem ist das Mondlicht trügerisch, es zeigt alles blasser, die Konturen schwächer und die Geschehnisse wie im Nebel – ein weiteres Zeichen für die unbewussten Erinnerungen, die Vita plagen.

Die Nacht selbst besticht also durch ihren Doppelcharakter von Tod und Liebe, Bedrohung und Behütung, Vergessen und Erinnern. In dem Sinne kann Die längste Nacht schon fast als mustergültiges Beispiel verstanden werden.

Gewinnspiel:

Der Arena-Verlag verlost bei dieser Tour 3 Exemplare von Die längste Nacht – signiert von der wundervollen Autorin. Verratet mir im Kommentar, was „Nacht“ für euhttp://www.arena-verlag.de/ch bedeutet, eine Erinnerung, ein Gefühl, eine Überlegung, und landet im Lostopf. Bis 29.04.2016, 23:59 habt ihr Zeit, euren Kommentar abzuliefern und mitzumachen (das könnt ihr natürlich auch bei den anderen Stationen, also schaut vorbei) Ihr wollt eines von 3 signierten Büchern.

Kommentare

  1. Jenny Siebentaler

    „Nacht“ bedeutet für mich endlich wieder ohne Schlafstöhrung durchschlafen zu können und die Sterne am Nachthimmel zu beobachten, die angenehmen warmen Sommernächte draußen am Lagerfeuer zu verbringen- das ist Nacht für mich.

  2. Isabell Hertz

    Hallo,
    vielen Dank für deinen interessanten Beitrag. 🙂
    Nacht bedeutet für mich abschalten von einem stressigen Tag und die Ruhe genießen.
    Liebe Grüße
    Isabell

  3. Daniela Schiebeck

    Nacht bedeutet Erholung und Schlaf. Aber auch Dunkelheit und Angst, wenn man noch draußen ganz allein ist, auf den Straßen, und in der Dunkelheit schlecht sehen kann.

    Liebe Grüße,
    Daniela

  4. Roksana Obenlender

    Nacht bedeutet für mich gleichzeitig das Ende und den Anfang eines Tages. Sie ist sozusagen der Übergang von dem einen zum nächsten Tag. Und ansonsten bedeutet die Nacht für mich natürlich Schlaf 😀

    Liebe Grüße,
    Roksana 🙂

  5. Alexandra G.-D.

    Hallihallo!
    Vielen Dank für den tollen Blog-Beitrag.
    Also für mich bedeutet „Nacht“ als erstes einfach erholsamen Schlaf und Träume…aber dann verbinde ich damit auch Mond, Sterne und Dunkelheit…und die Nacht hat für mich auch etwas gruseliges…!!!
    Liebe Grüße
    Alexandra G.-D.
    alexandra@georg-dechart.de

  6. „Nächte haben ihre eigenen Gesetze, und eines von ihnen ist dass sie Dinge größer erscheinen lassen, als sie einem bei Tageslicht besehen vorkommen.“ So empfindet es Vita im Roman – und mir selbst geht es genau so.

    Deinen Beitrag zur Nacht habe ich mit großer Faszination gelesen, vielen Dank dafür und herzliche Grüße von Isabel Abedi

  7. Katja

    Hallo und vielen Dank für diesen schönen Beitrag! Ich finde es übrigens auch toll, dass die Autorin höchstpersönlich sich an der Blogtour fleißig beteiligt!!!

    Nacht ist für mir eine mystische, manchmal unheimliche, aber auch romantische Zeit. Mit der Nacht verbinde ich Sterne, Mond, Sturm, Dunkelheit, Kälte, Träume und Nachtwanderungen.

    Viele liebe Grüße
    Katja

    kavo0003[at]web.de

Ich freu mich über eure Meinungen