Solch ein zephyrleichtes Leben – Petra Hucke

Manchmal geht die eigene Faszination für literarische Mutterfiguren eigenartige Wege. Auf dem ersten Literaturcamp in Heidelberg hielt ich eine Session zur Entwicklung des Muttermotivs. Mit dem Knopf auf dem Arm sprach ich über Mutterideale und Veränderungen. Mit dabei Petra Hucke, die mich nach dem Literaturcamp anschrieb. Sie arbeitete gerade an einem Projekt, das ausgerechnet eine Mutter-Tochter-Konstellation zum Thema hatte. Ich nannte ihr ein paar interessante Quellen und wartete. Vor einigen Wochen dann meldete sie sich. Das Buch war fertig. Solch ein zephyrleichtes Leben ist darum etwas ganz Besonderes für mich, den irgendwie habe ich meinen Teil dazu beigetragen und darum war ich umso neugieriger, was die Autorin daraus gemacht hat. Der SP-Roman zählt zu meiner #WirlesenFrauen Challenge.



Hier direkt kaufen

Ida Brun tanz vor der feinen Gesellschaft Kopenhagens und der ganzen Welt. Ihr Ruf dringt in die ganze Welt, Goethe und Konsorten sind von der jungen, anmutigen Frau fasziniert. Doch Idas Leben wird durch ihre Mutter bestimmt. Ein Entkommen soll ihr die Heirat mit dem wesentlich älteren Grafen von Bombelles sein, doch kurz vor der Hochzeit wird Ida krank und muss ihren frisch angetrauten Gatten alleine nach Deutschland ziehen lassen. Sie bleibt bis zur Genesung weiterhin im mütterlichen Haus zurück. Ein Albtraum.

historisch

Mit Ida Brun widmet sich die Autorin einer historischen Persönlichkeit, die das Schicksal vieler Frauen teilt. Berichte gibt es über sie, aber nicht von ihr. Durch ihre privaten Tanzauftritte wird sie in allerlei Briefen erwähnt und auch Briefe ihrer Mutter sind erhalten. Eine eigene Stimme aber ist von Ida nicht geblieben. Diese Lücke will Solch ein zephyrleichtes Leben literarisch füllen. Ein schmaler Grat zwischen realen Bezügen und erdichteten Verbindungen. Stark ist Idas Stimme geworden, eigenwillig, aber durchaus nachvollziehbar.

In ihrem Krankenlager erinnert sich die Braut an die Schlüsselmomente ihres Lebens. Immer hat ihre Mutter eine entscheidende Rolle mitgespielt. Wie aktiv diese allerdings war wird im Roman mehr als einmal in Frage gestellt. Noch dazu kommt die starke kindliche Art Idas, nicht nur ihrer Mutter an allem die Schuld zu geben, sondern sich auch stets als unverstanden und ungerecht behandelt zu fühlen. Auf langen Strecken bleibt sie unreif und unfähig, das Verhalten ihrer Mutter und ihr eigenes zu reflektieren. Doch dafür liefert der Roman psychologische Gründe und ist somit nicht nur ein Beispiel für einen Mutter-Tochter-Konflikt, sondern auch für ganz individuelle Schicksalsschläge.

mehr Frauen

https://buchblog.schreibtrieb.com/wirlesenfrauen
Ein interessantes Werk mit vielen Frauenentwürfen: Solch ein zephyrleichtes Leben von Petra Hucke

Hier schafft es Solch ein zephyrleichtes Leben ein Spektrum an Frauengestalten abzubilden. Von unglücklich verheirateten zu leidenschaftlich liebenden, von unabhängigen Selbstinszeniererinnen zu depressiven Müttern, von Schwärmerinnen und Träumerinnen zu solchen, die mit beiden Beinen gezwungener Maßen auf dem Boden stehen. Wer den Blick von der eng gefassten Geschichte um Ida hebt, erkennt eine historische Momentaufnahme.

Darin wirkt Ida Bruns Mutterkomplex mitunter sprunghaft und der Winkel egozentrisch. Komplett packen konnte mich die Handlung darum nicht. Sind Idas Erfahrungen mitunter geradezu kindisch verzerrt, ist mir die Auflösung fast schon zu simpel. Anders ausgedrückt: bei dem Thema und der Ausarbeitung hätte ich stellenweise gerne mehr gehabt.

  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei