Das lila Mädchen von Ibtisam Barakat und die Sehnsucht

Manchmal bekomme ich ein Buch und stehe regelrecht zwischen den Stühlen. So auch bei Das lila Mädchen von Ibtisam Barakat, einer Autorin, die ihre eigene Fluchterfahrung darin verarbeitet. Ein Kinderbuch mit wundervollen Illustrationen, dessen Botschaft weder leicht noch leicht zu verstehen ist. Vielen Dank für mein Rezensionsexemplar an den Verlag.

Das Kinderbuch "Das lila Mädchen" liegt auf einem hellen Holzboden, umrahmt von Sternen. Das Cover zeigt eine kindliche Silhouette vor einem violetten Hintergrund. Der Titel steht in lateinischen und arabischen Buchstaben auf dem Cover.
Das lila Mädchen von Ibtisam Barakat

Zwei Sprachen, viele Farben

Der Sujet Verlag hat die Geschichte zweisprachig gedruckt, was ich sehr charmant finde. Denn hier treffen meine Weißen, deutschen Kinder nicht nur auf eine andere Sprache, sondern auch auf eine andere Schrift. Das Arabische, rechtsbündig gedruckt, macht selbst Kleinen klar, dass es hier nicht nur um die Geschichte im Buch geht.

Das lila Mädchen erzählt von Tamara, die es liebt zu malen. Damit drückt sie sich aus und vermittelt ihre Emotionen. Die Farbgebung spielt auch bei den Illustrationen von Sinan Hallak eine große Rolle. Sie betonen die Geschichte und vermitteln mehr als die Worte allein. Tamara vermisst das Haus in Jaffa, in dem sie aufgewachsen ist. Vor 70 Jahren musste sie von dort fliehen. Im Traum besucht sie es, doch ein Mädchen wohnt dort, dass sie nicht hineinlässt. Tamaras Traurigkeit darüber nehmen dem Haus und der Welt alle Farben, bis nur noch lila übrigbleibt.

Das lila Mädchen, die zurückgelassene Kindheit

Die Geschichte ist keine leichte, weder für Kinder noch für Erwachsene. Sie erzählt mit einfachen Worten und Farben von Entwurzelung und der Sehnsucht nach Heimat und Kindheit. Und darüber hinaus von der Zurückweisung und Ausgrenzung. Das Haus der Kindheit gibt es so nicht mehr, das Mädchen selbst steht für Tamaras Kindheit, zu der sie nicht zurückkehren kann. Wer das nicht versteht, bekommt keinen Zugang zur Geschichte. Aber gerade darum regt das Buch auch an, mit Kindern über Flucht, Vertreibung und Sehnsucht zu sprechen.

Ich kann nur vermuten, wie Kinder mit Fluchterfahrungen reagieren. Tamara findet nicht, was sie sucht, doch sie schafft sich etwas Neues, sie färbt mit ihren Farben eine ganze Welt. Es ist nicht unbedingt als ein gutes oder glückliches Ende zu verstehen, aber gerade darum echt und für Menschen mit ähnlichen Erfahrungen nachvollziehbar. In der Geschichte geht es nicht um gut oder böse, richtig oder falsch. Sondern um Sehnsucht.

Das lila Mädchen wird vielleicht kein Buch sein, dass wir jeden Tag in die Hand nehmen. Es ist keine gemütliche Gute-Nacht-Geschichte. Stattdessen ist es eine, die die schreckliche Erfahrung von Flucht, Heimatlosigkeit und Sehnsucht fassen kann und dabei hilft, mit Kindern darüber zu reden. Keine leichte, aber eine sehr wichtige Geschichte.

Das Buch gehört zu meiner Leseliste für #DiverserLesen.

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