Bad Boy stole my Bra – Lauren Price

Im letzten Jahr, kaum waren Klappentext und Cover erschienen, purzelte Bad Boy Stole my Bra von Lauren Price in meine Timeline. Die Aufregung war groß. Der Typ schleicht sich nachts ins Zimmer der Protagonistin Riley und klaut ihren BH, der Bad Boy schlecht hin, von dem sie, laut Klappentext trotzdem nicht lassen kann. Alles ganz anders, keine Übergriffigkeit, sondern harmloses Geplänkel, wir hätten falsch verstanden, so der Verlag. Das wollte ich genauer wissen und habe das Buch angefragt. Danke an Heyne und das Bloggerportal für mein Rezensionsexemplar. Ins Deutsche übersetzt wurde der Roman von Bettina Spangler.



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Einbrechen als Sport?

Um eines klar zu stellen: Ja, der Kerl klettern nachts, während sie schläft, zu ihrem Fenster rein und klaut ihren BH. Ausgerechnet den Mickey Mouse BH, das findet die Protagonistin viel schlimmer, als das Einbrechen während sie schläft. Dass sie beim Aufwachen nicht nur den Dieb erwischt, sondern direkt auch seine Homies durchs Fenster sieht (sie trägt einen Schlafanzug) ist scheinbar auch nicht so tragisch, höchstens peinlich.

Ok, einen Schritt zurück. Ins Nachbarhaus zieht eine neue Familie und ehe Riley Gelegenheit hat, die Nachbarn kennenzulernen steht Alec in ihrem Schlafzimmer. Kunststück, denn sein Schlafzimmerfenster liegt ihrem direkt gegenüber, so dass auch sie später gemütlich zu ihm klettert. Um ihren BH zu suchen, versteht sich. Zumindest beim ersten Mal. Denn das eindringen in den Raum und die Privatsphäre des anderen scheint hier ein neuer Trendsport zu sein.

Auf der Suche nach Persönlichkeit

Dazwischen entsteht ein halb ironisches, halb lächerliches Geplänkel. Die beliebten Jungs, die sie vorher mit dem A… nicht angeschaut haben, nehmen Riley in ihre Gruppe auf, ein paar Hormone hier, ein bisschen Charakterschwäche hier. Auch Alec, der Bad Boy, ist im inneren ganz weich, spielt mit seiner kleinen Schwester, wirft Riley altbackene Aufreißsprüche um die Ohren, die sie abwinkt, die aber doch ihre Wirkung zeigen, denn so einfach sind wir Frauen halt. Echte Persönlichkeit? Fehl am Platz.

Leider wie befürchtet: Bad Boy stole my Bra

Ja, wir haben es hier mit einem typisch belanglosen YA Roman zu tun, der zumindest vorgibt Riley ein psychologisches Trauma durchmachen zu lassen. Denn sie hat, man glaubt es kaum, eine Vergangenheit, ein großes Geheimnis, dass ER natürlich nie erfahren darf. Immerhin, auch er hat an seiner Vergangenheit zu knabbern. Der Versuch von Tiefe ist da, doch die Oberfläche zu verlassen schafft der Roman dann doch nicht.

alles nur Spaß

Ich gestehe gerne, Bad Boy stole my Bra ist locker flockig runter zu lesen, hat mehr als nur eine Stelle zum Kichern, weiß nicht nur Übergriffigkeit als Jugendspaß zu verkleiden, sondern hat auch tatsächlich echte romantische Momente (was die toxische Beziehung nicht verhindert). Die Figuren sind passend durchscheinend, so dass mit Sicherheit jeder sich vorstellen kann, sich zu identifizieren, zumindest zeitweise. Traurig finde ich, dass das Buch leider nicht hält, was der Verlag versprochen hat. Es bleibt bei dem krassen Übergriff nachts, während sie schläft, in ihr Zimmer einzubrechen. Dass sie nicht besser ist, ändert daran nichts. Ja, ein lustiger kleiner Roman, dessen unterschwellige Botschaft aber leider mal wieder voll für die Tonne ist.

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Hallöchen,
als der Aufschrei auf Twitter wegen des Klappentextes kam, war ich auch sehr neugierig auf dieses Buch. Gelesen habe ich es dann aber doch nicht, umso interessierter habe ich deine Rezension gelesen. Und das Buch scheint dann doch genau so zu sein, wie ich vermutet habe. Ich dachte mir schon, dass das Dementi des Verlags nicht ganz zum Inhalt passen würde. Wirklich schade! Es gibt schon genügend toxische Liebesgeschichten. Und man sollte den Teenys in Büchern nicht vorleben, dass Privatsphäre nichts bedeutet.
Liebste Grüße, Kate