Reckless (1) – Cornelia Funke

Aus dem Regal meiner Großmutter (kein Witz) habe ich mir diesmal den ersten Reckless – Band Steinernes Fleisch von Cornelia Funke ausgeliehen. Geschrieben auf 352 Seiten von und erschienen auf Deutsch bei Dressler.

Cornelia Funke: Reckless - Steinernes FleischJake und Will sind Brüder. Während Jake im Arbeitszimmer seines Vaters einen Spiegel entdeckt, der ihn in eine magische Welt entführt, nimmt Will die Rolle des braven Sohnes ein, der an Mutters Seite zu Hause wartet. Bis die Mutter stirbt, Will Jake durch den Spiegel folgt und sich eine folgenschwere Verletzung zuzieht. Um Will zu retten durchquert Jake mit Will und seiner Freundin Clara die Spiegelwelt, immer an seiner Seite Fuchs. Doch das Mittel für Wills Rettung führt Jake dorthin, wo er nie mehr wieder hin wollte und stellt ihn vor grundlegende Entscheidungen.

Ich mochte die Idee der märchenhaften Spiegelwelt sehr. Die Neudefinition altbekannter Märchenfiguren hat mir gut gefallen, mein Interesse immer wieder geweckt und auch meine Sichtweise auf manche Dinge erweitert. Auch die Grundlage der Figuren war gut durchdacht. Will und Clara, Jake und Fuchs, die Brüder, die Frauen, hier und da Konkurrenzkämpfe, Eifersucht, Liebe und Angst. Das Grundgerüst also ist wirklich gut. Auch die Handlung hat gelungene Grundzüge. Die gemeinsame Notwendigkeit der Reise etwa und die unterschiedlichen Intentionen er Figuren. Auch die Versuche die Jake dabei unternimmt zeigen märchenhafte Merkmale. Stilelemente, die klug gewählt sind und nicht wahllos in die  Spiegelwelt geschrieben.

Die Ausarbeitung aber nicht immer so gelungen. Die Figuren bleiben trotz der Versuche, aus den Mustern auszubrechen, stereotypisch, eben einfach gestrickt wie im Märchen. Die Tiefe fehlt. Auch die Handlung hätte ausgefeilter sein können. Zwar versteht Cornelia Funke es, auch die Perspektive der „Bösen“ aufzuzeigen – und hier auch gleich mehrere Blickwinkel – die Intentionen aber bleiben aus. Immer wieder wird gerade das „Warum“ nicht gestellt und so fehlt schlicht der Antrieb. Jake als Protagonist bleibt ebenfalls unscharf. Die Nebenfiguren wirken oft nur wie Abziehbildchen.

Da die Geschichte aus verschiedenen personalen Sichtweisen aufgebaut ist, erfährt der Leser immer wieder mehr, als die anderen Figuren. Das führt aber eben nicht dazu, dass er wirklich im Vorteil ist, sondern viel mehr dazu, dass der gleiche Punkt immer wieder fokussiert wird. Ein Ergebnis aber oder eine Folge dessen bleibt oft aus.

Da die Geschichte erst da einsetzt, als Will bereits verletzt ist und Jake ihn retten muss, ist auch nicht ersichtlich, warum Jake ihn dieser Gefahr überhaupt ausgesetzt hat, wenn sie doch so präsent hinter dem Spiegel ist. Es gibt einfach zu viele Stellen, über die ich beim Lesen gestolpert bin, die dem guten Grundgerüst von Figuren und Handlung schlicht nicht gerecht werden.

Dass auch der Stil märchenhaft, aber gerade dadurch zu unspezifisch und nicht aussagekräftig ist, sorgt zusätzlich dafür, dass ich nach diesem ersten Band der populären Autorin Funke mit einem faden Beigeschmack zurück geblieben bin. Vom Inhalt her nichts mehr für Kinder, vom Stil aber noch nicht für Erwachsene. Ein Zwischending, das interessant bleibt, aber mehr sein könnte.

Kommentare

  1. Guten Morgen!

    Das ist echt schade, denn das Buch hat bei mir einen anderen Eindruck hinterlassen!
    Ich fand gerade auch die Figuren sehr präsent – auch wenn sie teilweise undurchschaubar sind, das war ja auch ein gewisser Reiz. Vor allem, da es sich ja um den ersten Band einer Reihe handelt. Da muss ja noch nicht alles so klar sein 😉

    Gerade den logischen Aufbau hab ich als durchdacht in Erinnerung – das Buch ist bei mir aber auch schon wieder eine Weile her … jedenfalls freu ich mich schon und warte sehnsüchtig auf den nächsten Teil! Ich hab alle drei Bände gelesen und fand sie alle wunderschön ♥

    Liebste Grüße, Aleshanee

Ich freu mich über eure Meinungen