Neue Sachlichkeit: Nichts ist mehr sicher

Nach dem ersten Weltkrieg gab es viel zu bedauern (Foto: kryciak / pixaby.de)

Der erste Weltkrieg hatte Impressionisten wie Expressionisten schwer getroffen. Die neue Sachlichkeit bezeichnet die Literaturströmung, die in der Weimarer Republik vorherrschte. Die politischen und gesellschaftlichen Umwürfe waren dabei geradezu erschreckend gewaltig. Nachdem Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg große Teile der Bevölkerung verloren hatte und mit der alleinigen Kriegsschuld einen gewaltigen Schamkomplex aufgeladen bekommen hatte, gab es endlich eine Republik. Die war aber alles andere als das Gelbe vom Ei, vor allem für die Zeitgenossen. Nicht wenige wünschten sich die Monarchie zurück oder zumindest eine andere Art von Republik. Viele kleine Parteien mischten dabei mit und ergaben ein buntes Bild, das selten Beschlussfähig war. Arbeitslosigkeit, Unsicherheit, Inflation beherrschten den Alltag.

die drei Phasen der Weimarer Republik
In den goldenen 20ern schwappte viel aus Amerika nach Deutschland (Foto: ArtsyBee / pixabay.de)

Es kam zu großer Gewalt, Verbrechen und Morden – gerade zu Beginn der Weimarer Republik. Dann kamen die goldenen Zwanziger, ein Lichtblick am Horizont und ein Gefühl des Besserwerdens. Die Menschen verdienten mehr und konnten sich mehr leisten, technische Errungenschaften verbesserten den Alltag, eine erste Frauenbewegung versuchte der Frau mehr Rechte zu verleihen. Dass all diese kleinen Fortschritte jäh mit dem Aufkommen der Nationalsozialisten überschattet wurde machte die Endphase der Weimarer Republik aus, wurde aber von vielen gar nicht als Bedrohung wahr genommen. Viel mehr sah diese Gruppe in der Schuldzuweisung an Juden und andere Minderheiten eine Möglichkeit, den eigenen Schamkomplex zumindest kurzfristig zu übertragen.

Ernüchtert
Bertholt Brecht war einer der Autoren der neuen Sachlichkeit ( Grafik: OpenClipart-Vectors / pixabay.de)

Nach dem ersten Weltkrieg waren die Menschen ernüchtert. Die Kriegseuphorie war zerschlagen. Diese Gefühl zeigte sich in der Literatur. Die neue Sachlichkeit war, wie ihr Name verrät, sachlich, kühl, distanziert. Dokumentarische Texte wurden beliebt, aber auch die Politik hatte wieder ihren festen Platz in der Literatur. Eine einfache und weniger bunte Sprache wurde verwendet. Themen waren eben die genannten Folgen des Ersten Weltkrieges und die unsichere Situation in der Weimarer Republik. Aber neben Dokumentarischem waren auch Zeitromane bleibt, im Grunde nichts anderes als historische Romane. Eines meiner Lieblingsbücher beispielsweise, Hesses Siddharta, entstand hier. Doch auch für Lyrik war Platz. Brecht etwa kam nicht nur mit dem epischen Theater zu einer neuen Form des Dramas, er deckte in seinen frühen Gedichten bereits Missstände auf und auch Erich Kästner schuf mit Jahrgang 1899 ein Gedicht, das quasi exemplarisch und bezeichnend für die ganze Strömung betrachtet werden kann und zur Gebrauchslyrik gehört.

Kommentare

  1. juergenalbers

    Ohne dir Arbeit machen zu wollen. Schön wäre ein ergänzender Textvergleich zwischen der neuen Sachlichkeit und der herrschenden Stimmung vor dem 1. Weltkrieg innerhalb eines Genres anhand von Beispielen. Wäre doch reizvoll, oder? 😉

Ich freu mich über eure Meinungen