Edda, Loki, der Fenriswolf und eine Party

Vielleicht habt ihr es in den letzten Tagen schon gesehen. Am 8. September wird es eine tolle Releaseparty zu T.S. Elins zweitem Götterkind-Teil geben. Die Party wird auf Facebook, aber parallel dazu auf vielen verschiedenen Blogs laufen. Allein die Organisation dahinter ist schon der Hammer. Es gibt tolle Preise, spannende Beiträge, auf die ich mich jetzt schon freue, und natürlich viele Infos zum zweiten Band der Edda reloaded Reihe.

Edda was?

Was ich an den Büchern sehr mag, ist der Aufbau. Statt immer nur Spannung und Drama zu erzwingen, lässt die Autorin ihren Figuren Raum, der Geschichte Platz und die Handlung wird vom Grund her aufgebaut. Dabei ist der Titel „Edda reloaded: Götterkind“ im ersten Moment nicht für alle greifbar. Denn mal ehrlich, wer von uns kennt schon die Edda? Jeder weiß, wie Chris Hemsworth mit dem Hammer Kunstschläge verteilen kann, aber mehr als ein paar Namen oder Strukturen kennen nicht viele. Darum möchte ich euch zur Einstimmung heute einen kleinen Einblick in die Edda geben.

Edda mal zwei

Tatsächlich gibt es zwei Schriften, die Edda genannt werden. Eine Lieder-Edda und die Snorra-Edda, die eher prosaisch ist. Das Problem von beiden: sie sind keine religiösen Schriften. Anders wie etwa die Bibel für die Christen. „Alle Versuche der >>Lieder Edda<< kultische Bräuche nachzuweisen, gelten als missglückt“ (Scheindewind, Friedhelm: Mythologie und phanstastische Literatur. S. 149). Zwar erfahren wir dort etwas über die Entstehung der Welt, die einzelnen Arsen und Beziehungen zwischen den Göttern, aber das Verhältnis zwischen der göttlichen Sphäre und der Menschen wird nicht angerissen. Hier bereits sind die Geschichten mehr Mythos, als Religion.

Die Snorra-Edda setzt dem sogar noch eins obendrauf, denn geschrieben wurde sie von Snorri, einem Christen. Die Geschichten, denn nichts anderes waren sie zu dem Zeitpunkt bereits, sollten zwar Mythos liefern, aber auch die Nationalität stärken. Auch hier kann von Religion nicht die Rede sein. Auch stellt sich schnell die Frage, wir original diese Mythen waren, wenn sie erst in einer Zeit der Christianisierung aufgeschrieben wurden. Fehlen Teile oder Eigenschaften der Götter? Wurde die Differenz zwischen gut und böse anders dargelegt? Haben sich christliche Vorstellungen eingeschlichen? Da es keine anderen schriftlichen Eddas gibt und generell kaum schriftliche Werke aus Germanenhand bleiben diese Fragen weitestgehend unbeantwortet. Schon der Begriff „Germane“ ist ja ein fremdgegebener, denn sie waren kein klar abgestecktes Volk, sondern viele kleine Stämme und Völker. Dass deren Religion und Mythen sich untereinander abgewandelt hat, ist durchaus möglich.

Edda intern

Und was steht jetzt eigentlich in der Edda? Der Grundgedanke unterscheidet sich wenig von beispielsweise der griechischen Mythologie, ist aber auch der christlichen Schöpfungsleere gar nicht so fremd. Am Anfang war nichts. Kein Himmel, keine Erde, schon gar keine Menschen. Der germanische Mythos lässt Muspelheim als Land des Feuers und Niflheim als Land des Eises entstehen. Statt Tag und Nacht also Feuer und Eis. Ein Funke schmilzt etwas Eis und der Riese Ymir entsteht. Weitere Riese, die Ymir entstammen zeigen schließlich die ersten Arsen. Odin, Wili, We. Und da beginnt es richtig blutig zu werden. Denn die drei töten Ymir, in dessen Blut fast alle Riesen ertrinken und schaffen aus der Leiche die Erde. Die Menschenschöpfung ist dagegen regelrecht verwurzelt: Aus Bäumen (Esche und Ulme) werden sie erschaffen.

Odin haucht ihnen Leben und Geist ein, Wili gibt ihnen Verstand und Gefühl und We Gesicht, Gehör und die Sprache. (Schneidewind, Friedhelm: Mythologie und phantastische Literatur, S. 150)

Dass Odin in Walhall herrscht, ist da schon eher bekannt. Wir kennen die Wölfe und Raben an seiner Seite, Thor als seinen bekanntesten Sohn. Und wir kennen Loki, den listigen Gott. Im Mythos ist er Odins Bruder, Gott des Feuers. Soviel zum Thema Eisriesen. Teilweise wird er mit dem Teufel gleichgesetzt, was aber absolut nicht zur Tiefe der Figur passt. Der Fenriswolf ist hier sein Kind, aber von den Göttern gefangen. Die Edda kennt auch die Götterdämmerung, Ragnarök. Das Ende der Welt und der meisten Götter. Ein Rabe leitet diesen Endkampf ein und der Fenriswolf wird sich losreißen.

Edda reloaded
Eine starke Liebesgeschichte mit frischem Wind: Götterkind von T.S. Elin

In T.S. Elins Götterkind ist bereits einiges anders. Die Autorin dichtet dazu und erweitert dadurch die Möglichkeiten. Die Liebesgöttin Freya etwa ist absolut nicht liebevoll, Loki durschaut viel mehr als sein Bruder Odin. Schon die Söhne des Wolfes und Odin kommen in der Edda nicht zu Sprache. Dabei baut die Autorin sie so gelungen ein, dass sie sich nahtlos zu den anderen Göttern gesellen. Und sie sind wie die germanischen Götter fehlbar, sterblich, überheblich. Edda reloaded erzählt also nicht einfach die Edda, sondern gibt eine neue Geschichte, die dem Grundgerüst entspringt. Eine eigene Schöpfung. Diese Mischung aus Mythos und Schriftstellerei ist wirklich faszinierend. Das Buch gibt den mythischen Vorlagen Gesicht und Geschichte. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und freue mich auf die Party am 8. September.

Außerdem mit dabei sind:

Carmens Bücherkabinett

Books the Essence of Life

Süchtig nach Büchern

Die fantastische Bücherwelt
Anima Libri

Kommentare

  1. Liebe Eva,
    mit deiner Ankündigung heute hast du mir ja wirklich einen roten Teppich ausgerollt. Sie war das erste, was ich zu Gesicht bekam und … „it made my day“!
    Schöner kann ein Tag nicht beginnen! 😀

    Belesen, klug und spannend geschrieben, macht sie sogar der Autorin selbst Lust auf mehr und noch mehr geht nicht … Dankeschön ❤ ❤ ❤

    Tiph

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