Der kleine Krisenkiller – Jens Förster

Mit dem Untertitle 12 Wege, schwierige Lebenssituationen zu meistern zeigt Der kleine Krisenkiller von Jens Förster bereits, was in ihm steckt. Die 239 Seiten, frisch erschienen bei Droemer Knaur, zeigen viele verschiedene Wege. Und innerhalb der 12 Möglichkeiten nochmals einige Abzweigungen.

Der Autor Jens Förster ist selbst Psychologe und hat bereits einige Krisen hinter sich gelassen. Dass er selbst weiß, wie wichtig und simpel manche Strategien sind, um kritische Lebenssituationen zu überwinden, macht das Buch authentisch. Dennoch dreht sich bei Förster nicht alles um sich. Dieses Buch wird nicht als autobiografische Krisenbewältigung genutzt, sondern bleibt professionell.
Mut zur Veränderung

Die Krise trennt das Vergangene vom Künftigen

– so lautet die Überschrift der Einleitung. Und hier wird auch klar, wie das Buch Krisen wahrnimmt. Als den Moment des Scheidewegs. Auch wenn das Gewohnheitstier Mensch sich noch wehrt, die Veränderung kommt, sie ist bereits da und wir sind überrumpelt. Angesichts der Krise reagiert jeder Mensch unterschiedlich. Viele Reaktionen sind bereits Strategien, mit der Situation umzugehen. Sport, Unternehmungen mit Freunden, aber auch künstlerisches Schaffen und das Wahrnehmen von Kulturangeboten.

Schon hier wird sichtbar, dass manche der Wege, die Förster hier präsentiert so häufig ablaufen, dass sie schon an der Grenze zur Verkitschung stehen. Die Schokolade oder der Eisbecher, das Gläschen Wein, eine Zigarette, eine Auszeit. Und genauso wird hier auch klar, dass nicht alle diese „automatischen“ Reaktionen gleich gut funktionieren. Wie schnell wird das Gläschen zur Flasche, die Auszeit zur Ausgrenzung. Wer nicht erkennt, dass die Krise bereits zu groß ist, rutscht in Depressionen, Abhängigkeiten, Folgeprobleme.

Gefahren?!

Darum zeigt auch Förster die Gefahren auf. Er selbst gönne sich auch mal eine Currywurst, aber eben nur in der akuten Situation der Krise, nicht ständig. Denn wo die Probleme sich nicht mit kleinen Veränderungen beseitigen lassen, müssen große her. Konkrete Umsetzungen von Plänen, Coaching, Therapie. Was in der Öffentlichkeit leider noch immer als unverzeihliche Schwäche gewertet wird, ist für den Einzelnen essentiell. Das Besinnen auf sich selbst, das Erkennen der eigentlichen Krise, das Überwinden dieser.

Viele unterschiedliche Wege präsentiert Der kleine Krisenkiller
Viele Wege auf Augenhöhe erklärt

Jens Förster nutzt einen Stil, der schnell auf Augenhöhe ansetzt. Nicht von oben herab als klassischer Ratgeber mit dem „ihr müsst das so machen“ Prinzip, sondern mit dem Verständnis, dass jedem andere Wege helfen können. Eingängig ist das und sorgt auch dafür, dass auch die fremden Wege erkennbar werden. Die Gründe, warum gerade dieses oder jenes helfen kann, werden aufgezeigt. So stehen die Behauptungen nicht einfach im Raum, sondern lassen sich nachvollziehen. Hin und wieder nimmt es der Autor dabei sehr genau. Nicht nur Kunst als Oberthema wird beispielsweise aufgegriffen, sondern darunter auch die Abzweigungen zur Rezeption von Musik, Malerei, Literatur – um danach zum Schaffen dergleichen zu kommen. Nun ist Genauigkeit im Krisenmoment, wenn Schauklappen riesig werden, wichtig. Mir war es an der Stelle etwas zu viel.

Gut lesbar wird das Buch auch durch kleinere Anekdoten, die immer wieder die einzelnen Wege und Argumentationen unterstreichen. Auch andere Psychologen und Fachkräfte werden genannt. Authentisch und fachlich gut ausgearbeitet ist Der kleine Krisenkiller ein sehr interessantes Buch. Manchmal waren mir die Wege fast schon zu offensichtlich, doch auch die Rückbesinnung auf diese eigenen Strategien zur Krisenvermeidung fand ich gut. Als kleinen Einblick in das, was uns helfen kann, Krisen zu bewältigen, ist das Buch ideal. Gerade zur Vorbeugung oder in kleineren Krisenfällen lohnt es sich, einen Blick hinein zu werfen.

Morgen gibt es übrigens ein Interview mit dem Autor bei mir 😉

Ich freu mich über eure Meinungen