Bob, der Streuner – James Bowen

BdB-logoIch bin eine große Katzenliebhaberin. In unserem Haus stapeln sich die Katzenfiguren, selbst in den Kinderbuchreihen finden sich vermehrt Titel mit „Katze“. Heidenreichs Kater Nero hat in mein Regal gefunden, gegenüber glänzen Disneys Aristocats. Ich liebe Stubentiger einfach, besonders meinen eigenen. Meine erste Katze, deren Kinder ich gehütet habe, ihren Sohn, der mich immer gerne in den Arm genommen hat. Die Katze meiner Mutter, die beim Schnurren sabbert oder unsere Samtpfote, die (meistens) hört, wenn ich sie rufe.

LübbeMit Blogg dein Buch habe ich nun auch endlich ein Katzenbuch gefunden. Bob, der Streuner von James Bowen, erschienen bei Bastei Lübbe. Ein Kater, wie er im Buche steht, im wahrsten Sinne des Wortes. Und eine wahre Geschichte aus den Straßen von London.

Der Straßenmusiker James, ein Drogenabhängiger auf Entzug, nimmt den verletzten Kater Bob bei sich auf, pflegt ihn gesund, mit der Absicht, ihn wieder „auszuwildern“. Doch Bob, ein Kater nach meinem Geschmack, hat seinen eigene Kopf und beschließt, bei James zu bleiben. Trotzig verfolgt er seinen neuen Freund sogar bis in die Innenstadt Londons, wo James musiziert, um sich über Wasser zu halten. Der Musiker staunt nicht schlecht, als mit der Begleitung auf vier Pfoten seine Einnahmen um das Dreifache ansteigen. Und so lässt er Bob die Wahl, mitzugehen, oder auch nicht. Bob geht mit. Ein Sturkopf, wie nur Katzen ihn haben können. Gemeinsam bezwingen sie die Drogensucht von James, die Intrigen des Bahnpersonals, den neuen Job als Zeitungsverkäufer, die Beschuldigungen durch eifersüchtige Kollegen, wilde Hunde und böse Zungen. Nichts kann James und Bob auseinanderbringen. Immer wenn der Ich-Erzähler glaubt, seinen neuen Freund verloren zu haben, maunzt es am Ende des Tunnels. Und das bleibt nicht unbemerkt. Am Ende ist Bob eine bekannte Internetberühmtheit.

BobBob, der Streuner überzeugt durch Inhalt, weniger durch Stil. Das Buch ist sehr einfach geschrieben, gemütlich für den Urlaub, aber an einigen Stellen auch etwas oberflächlich. Der Entzug James‘ wird zwar als furchtbar beschrieben, aber dabei bleibt es auch. Der Leitsatz „zeigen, nicht erzählen“ scheint nicht zu gelten, hier wird erzählt. Als ob James selbst mit einfachen Worten vor mir sitzen würde, um zu berichten, wie er Bob gefunden, und der Kater berühmt geworden ist. Es mag an der Übersetzung liegen, aber an einigen Stellen wird der Stil der Geschichte einfach nicht gerecht.

Dafür ist der Inhalt wirklich umwerfend. Einfühlsam und ehrlich erzählt James von dem Kater, dem er helfen wollte und der am Ende ihm geholfen hat. Kater und Mensch sind auf einer Ebene. Beide haben ihr Bündel zu tragen. Ganz klar ist der Kater der Held des Buches. Sein Durchhaltevermögen, seine Sturheit und seine erstaunliche Intelligenz werden in den Vordergrund gestellt. Darunter gehen James eigene Probleme, seine Drogenabhängigkeit, seine Aussöhnung mit der Mutter und die Armut, zwar nicht unter, werden aber an den Rand gedrängt. Dennoch gibt es zwischen den vielen Berichten, wie Bob James‘ Leben verändert hat auch sehr spannende Passagen. Etwa, wenn Bob fast von einem Hund angefallen wird und James sich selbst dazwischen wirft, danach verletzt seinen Kater in halb London sucht und schon glaubt, ihn verloren zu haben.

Dass die Geschichte wahr ist, stellt sie in ein ganz anderes Licht. Den vielen Erklärungen und Beschreibungen wird eher verziehen, die unstete Spannung ist ein Abbild der Realität. Für Katzenneulinge zählt James auch viele Fakten auf, die mir als Katzenliebhaber ohnehin bekannt waren. Das Spagat zwischen wichtiger Information und überflüssigem Wissen ist eben nicht leicht zu halten.

Dennoch schneidet Bob, der Streuner gut ab. Der Plot überzeugt. Die einfache Sprache macht es auch leicht der Geschichte zu folgen. Vielleicht ist das Buch in England gerade deshalb zum Bestseller geworden. Etwas Wahres und Einfaches aus Londons Straßen. Und das Schöne: Ein glückliches Ende, etwas, das es im wahren Leben dann doch seltener gibt. Bei meiner nächsten London-Reise hoffe ich jedenfalls Bob treffen zu können und lege das Buch als leichte Lektüre allen ans Herz, die auch nur im Entferntesten Katzen mögen.

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