Blogtour: Malchen und die vergessene Zeit von Juliane Sophie Kayser: Interview

Ich finde es immer schön, wenn eine Blogtour mit besonderen Inhalten aufwartet. Zur Tour für Juliane Sophie Kaysers Kinderbuch Malchen und die vergessene Zeit gibt es diesmal eine ganze Reihe von Interviews und Beiträgen, die wirklich schön geworden sind. Gestern hat Sylvie mit einem Autoreninterview angefangen. Auch ich habe Juliane Fragen gestellt, aus Autorensicht, über das Schreiben und welche Tricks sie so kennt. Morgen könnt ihr bei Bianca mehr zur Entstehung des Buches lesen.

Schreibtrieb: Liebe Juliane, wir reden heute über das Schreiben. Das trifft sich gut, denn da kenne ich mich durchaus ein bisschen aus. Ich habe Literaturwissenschaft studiert und sitze gerade an meiner Dissertation, außerdem schreibe ich journalistisch und bin auch Autorin. Wann hast du denn deine erste Geschichte geschrieben?

Juliane: Bevor ich in die Schule kam, diktierte ich meinem Vater schon meine erfundenen Gedichte. Mit 9 Jahren begann ich Geschichten in mein Tagebuch zu schreiben. Interessant war für mich ein Fund auf dem Dachboden, bei dem ich mein altes Kindheitstagebuch fand. Mit 8 Jahren hatte ich reingeschrieben: „Wenn ich groß bin will ich einmal Kinderbuchautorin werden“. Das steht ja sogar hinten auf dem Malchenbuch drauf. Die Sätze, die dann folgen, sind auch nicht uninteressant: Aber da verdient man glaube ich nicht genug. Da muss ich mir dann noch einen anderen Beruf suchen, z. B. Psychologin 😉

Schreibtrieb: Ich wohne nicht weit von Heidelberg weg und kenne das Schloss natürlich. Wann hattest du die Idee, darüber eine Geschichte zu schreiben?

Juliane: Seit 17 Jahren lebe ich mit direktem Blick auf das Heidelberger Schloss. Es hat mich schon immer sehr fasziniert …
Es war im Jahr 2007, dass ich die Idee entwickelte hierüber ein Kinderbuch scheiben zu wollen.

Schreibtrieb: Wenn ich die Kinder morgens in die KiTa gebracht habe, mache ich mir zu Hause einen Kaffee und setzte mich an den Rechner. Wie sieht denn dein Schreiballtag aus? Hast du einen Rhythmus?
Lebt in Heidelberg: Autorin Juliane Sophie Kayser (Foto: Juliane Sophie Kayser)

Juliane: Ich schreibe vorwiegend vormittags, wenn die Kinder in der Schule sind. In heißen Phasen auch nachts. Manchmal organisiere ich mir auch „Schreibfluchten“. Die aufregendste erwartet mich im Spätsommer, da darf ich für 6 Tage einen Schreibkurs bei Bodo Kirchhoff in Torri del Benaco machen, während mein Mann und unsere 3 Kinder auf der gegenüberliegenden Seeseite im Häuschen sind. Natürlich bin ich die restlichen 2 Wochen da auch:-).
Alltäglichere Schreibfluchten sind Cafébesuche, um dem Baulärm zu entfliehen. Wir haben gerade eine Großbaustelle im Haus …
Schreiben ist ja leider nur ein Bruchteil der Arbeit als Autorin, aber natürlich der allerschönste. Viel Zeit geht auch für Organisationskram drauf.

Schreibtrieb: Wenn ich dann im Schreiben drin bin, kann es schon mal sein, dass ich die Zeit total vergesse und hochschrecke, wenn der Große am Nachmittag aus der Schule kommt. Kennst du diesen Schreibfluss auch, oder schreibst du eher in Häppchen?

Juliane: Ja, ich kenne diesen Schreibflow absolut. In meinem Blog julifruit.com habe ich ihn so beschrieben:

„Wenn ich schreibe, falle ich aus der Zeit. Es ist ein bisschen so wie Fliegen. Es ist, als ob die Schwerkraft ihre Macht über mich verliert. Ich bin in einem Zustand der völligen Selbstgenügsamkeit. Ich verspüre keinen Hunger und keine Müdigkeit, nur diesen kreativen Flow. Termindruck und alles Äußere, Fremde spielt jetzt keine Rolle mehr, da das Innere jetzt Regie führt.“

Der betreffende Blogpost heißt: Warum die Malchen-Erfinderin auch gerne mal die Zeit vergißt.

Schreibtrieb: Jeder Autor hat seine eigenen Hilfsmittel. Manche brauchen Kaffee, andere Musik, einige können nur mit der Hand kreativ schreiben. Was ist denn dein absolutes Muss beim Schreiben?

Juliane: Ich brauche das Gefühl, unerreichbar sein zu dürfen, und eine gewisse Unbegrenztheit zeitlich. Zum Schreiben brauche ich Muße. Dies bedeutet, die Zeit zum Gedankenausbrüten und aus dem Fenster Träumen, damit sich die Gedanken und Geschichten in ihrem ganz eigenen Rhythmus und ihrer individuellen Dynamik entfalten können.
Ansonsten literweise Tee.

Schreibtrieb: Wer darf deine Texte als Erstes lesen?

Juliane: Da habe ich eine Knäcke. Nur meine Lektorin. Und eine bestimmte Freundin im Alter meiner Eltern. Und meine Tochter.

Schreibtrieb: Du vermischst in deiner Geschichte von Malchen Geschichte (Historie) mit Geschichten. Wie sehr glaubst du, hängen diese beiden generell zusammen?

Juliane: Hm. Fast eine philosophische Frage. Oder eine psychologische. Ich kann sie auf unterschiedlichen Ebenen beantworten. Zum einen ist Geschichte (Historie) auch immer eine Ansammlung von vielen tatsächlich erlebten Geschichten, die sich an Einzelschicksalen festmacht. Aber selbst Erinnerung ist ja Interpretation.
Was ich in MALCHEN UND DIE VERGESSENE ZEIT gemacht habe, ist, historische Elemente mit fiktiven, ja sogar fantastischen, zu durchweben. Das muss man nicht zwangsläufig so machen. Du kannst auch ein Ravensburger Sachbilderbuch mit Klappen zum Heidelberger Schloss herstellen. Mich aber hat die Mischung gerade gereizt. Die Kinder fließen mit dem Fluss der Geschichte mit und lernen spielerisch unheimlich viel über die Geschichte des Schlosses. Das Zeitreise-Sujet stillt das kindliche Bedürfnis nach Zauber, während der ganze historische Input den kindlichen, neugierigen Drang nach Wissen sättigt.

Schreibtrieb: Du schreibst für Kinder. Mitunter ist das die schwerere Zielgruppe, weil Eltern nicht nur mitlesen, sondern die Kleinen ganz eigene Ansprüche an Unterhaltung haben. Warum also Kinderbücher?

Juliane: Ich glaube, dass das damit zusammen hängt, dass ich einen heißen Draht zu meinem eigenen inneren Kind habe. Außerdem habe ich natürlich auch viele Inspirationen dazu durch unsere eigenen drei wunderbaren Kinder bekommen. Und, wie du ja inzwischen weißt, habe ich das Genre Kinderbücher schon mit 8 Jahren schriftlich fixiert und diesen Wunsch dann so beibehalten. Im September plane ich allerdings mein Debüt für Erwachsene als Hörbuch rauszubringen. Mit 2 neuen Kinderbuchprojekten bin ich gerade mit 2 unterschiedlichen Verlegerinnen im Gespräch.
Schauen wir mal, wohin die Reise geht.

Schreibtrieb: Hast du ein bestimmtes Schreibprogramm, mit dem du arbeitest? Oder eine besondere Schreibübung, die du empfehlen kannst?

Juliane: Ich will mir seit Ewigkeiten Papyrus kaufen! Manchmal schreibe ich mit Dragon Naturally Speaking.
Ich finde die Schreibtipps von Joni Sensel ( Let Your subconscious lead you like a dog) sehr hilfreich. Nach dem Workshop in Bregenz bei Petra Ganglbauer (Wiener Schreibschule) kann ich dir vielleicht noch mehr dazu sagen. 😉

Schreibtrieb: Schreiben ist durchaus eine anstrengende Arbeit. Wie entspannst du dich danach?

Juliane: Das Schreiben von neuen Projekten ist für mich trotz der hohen Konzentration und des Energieaufwands dabei Entspannung.
Anders ist es mit dem Schreiben von Bewerbungen und dem ganzen Drumherum, wie beispielsweise Marketingmaßnahmen. Ebenso die Textüberarbeitung (Korrekturfahnen etc.) finde ich anstrengend.
Ich entspanne mich grundsätzlich gern durch Sport, Freunde treffen, Lesen und Beten.

Schreibtrieb: Liebe Juliane, vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg mit Malchen.

Wenn ihr jetzt denkt, das Buch könnte das richtige für euch und eure Kleinen sein, dann zückt die Buntstifte. Denn zu Malchen gibt es gerade einen tollen Malwettbewerb:

Malt ein Bild zur Geschichte und sendet euer Kunstwerk bis zum 15.2.2017, 18 Uhr unter Angabe einer E-Mail-Adresse und Eurer Postanschrift an Juliane. Eure Eltern können die Bilder einscannen und in die Malchengruppe auf Facebook stellen oder per E-Mail an juliane.kayser@gmx.de senden. Damit erklären Sie sich bereit, dass Eure Bilder in die Malchengruppe gestellt werden. Sie dürfen auch mit dem Handy abfotografiert werden.

Am 1.3.2017 werden die Gewinner auf der Facebook-Seite der Autorin und natürlich auf ihrer Website www.julianekayser.de bekannt gegeben.

Hier die Teilnahmebedingungen noch einmal auf einem Blick:

  • Veranstalter: Juliane Sophie Kayser, Autorin
  • Einsendeschluss: 15. Februar 2017, 18 Uhr
  • Die Gewinner werden schriftlich per E-Mail benachrichtigt. Die Gewinner werden auf der Facebook-Seite von Juliane Sophie Kayser bekannt gegeben.
  • Die Teilnahme ist kostenlos.
  • Es dürfen nur Kinder unter 14 Jahren in Begleitung und Kenntnis von Erziehungsberechtigten teilnehmen.
  • Dieses Gewinnspiel steht in keinerlei Verbindung zu Facebook und wird in keiner Weise von Facebook gesponsert, unterstützt oder organisiert

Und hier nochmal der Toru-Plan in der Übersicht:

06.02 – Alltag einer Autorin bei Sylvia
07.02 – Schreiben, schreiben, schreiben bei mir
08.02 – Die Entstehung von Malchen bei Bianca
09.02 – Kinderreaktionen bei Janet
10.02 – Schreibworkshop für Kinder bei Julia
11.02 – Illustrationen und Cover bei Doris
12.02 – Was lernen Kinder im Buch? bei Mirja
13.02 – Kind interviewt Autorin bei Alex
14.02 – Fotohomestory bei Sharon

Kommentare

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