Belina von Marie-Christin Rapp

Als die liebe Marie mich gefragt hat, ob ich ihren neuen Roman Belina rezensieren will, habe ich mich sehr gefreut. Immerhin ist die Aufmachung als Briefroman ein mutiges Unterfangen, liegen momentan doch eher elektronische Kommunikationsmittel im Trend. Aber Harold Fry, Queenie Hennessy und andere haben ja schon bewiesen, wie gerne wir uns auf Briefe und Postkarten zurückbesinnen.
Die Handlung ist relativ simpel. Melina bekommt eines Tages Post von Ben, der an einem Studienprojekt teilnimmt. Nach anfänglichen Zweifeln, lässt sie sich auf die Brieffreundschaft mit dem Fremden ein. Nach einiger Zeit bricht sie aber aus persönlichen Gründen den Kontakt ab und schreibt ihm erst nach einigen Monaten. Wieder entwickelt sich eine Brieffreundschaft, die schnell mehr wird und nach einem ersten Treffen ist beiden klar, dass sie sich ineinander verliebt haben.
Gut, aus dem Plot lässt sich nicht viel ziehen. Es gibt keine großen Hindernisse, jedenfalls keine, die sich auch den Briefen ergeben. Dabei hätten die anderen Partner oder auch die räumliche Distanz leicht für den ein oder anderen Kniff sorgen können. Die Handlung verläuft aber ziemlich geradlinig, etwas zu glatt, für meinen Geschmack. Auch die große Überraschung beim ersten Treffen oder ähnliches bleibt aus. Etwas mehr Höhen und Tiefen wären schön gewesen.
Der Rahmen des Briefromans ist gut gewählt, auch wenn es mich wundert, dass die beiden einfach so ohne Worte übereinkommen, sich nicht gegenseitig zu „googlen“. Da Ben ja auch aus Wien kommt könnte er sogar einfach ein paar alte Schulfreunde fragen, um an ein paar Infos über Melina zu kommen. Nicht falsch verstehen: Dass beide das nicht tun, sondern sich allein auf ihre Briefe verlassen finde ich schön, es fehlt mir aber die Absprache, gerade in der zeitlichen Verortung des Romans.
Wo Briefe doch die Möglichkeit des Raums aufgreifen, sprich meist wesentlich länger sind, als spontane und schnell geschriebene Mails, erscheinen mir die Briefe der beiden sehr durchdacht, etwas kurz manchmal und gleichzeitig sind sie manchmal oberflächlich. Beide sind auf den Partner des jeweils anderen eifersüchtig, aber daraus entwickelt sich nichts. Melina ist zu Anfangs offensichtlich verunsichert und alleinstehend, aber auch diese Problematik wird nur durch das Magazin aufgegriffen, kommt in ihren Beteuerungen durch, kein „verbitterter Single“ zu sein, aber weniger in dem, was sie schreibt. Die Figuren sind „normal“, aber, trotz der persönlichen Note durch die Briefe, etwas oberflächlich.
Belina ist leichte Lektüre, etwas für Zwischendurch, für Romantiker und alle, die einfach eine einfache, gut enden wollende Geschichte lesen wollen. Ich glaube durchaus im Stil Potential zu erkennen, dass Marie-Christin Rapp durchaus zu mehr in der Lage ist, etwas mehr Handlung, etwas mehr Tiefe. Für den Anfang aber durchaus gelungen, wenn auch nicht so sehr mein Fall und den Topos des Briefromans nicht vollständig ausnutzend.

Kommentar

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