21.12 Ein Plädoyer der Anthologie – am Beispiel der Märchenspinnerei

Jeder hat eine im Bücherregal stehen, nicht nur Jungautoren freuen sich immer wieder, einen Platz ergattert zu haben und irgendwie ist doch immer für jeden etwas dabei: Anthologien. Die oft verschmähten Gedichts- oder Geschichtssammlungen mit mehreren Autoren zu oft einem Thema. Sie geistern durch Buchläden und Umzugskartons, liegen auf SuBs und werden immer mal verschenkt. Aber groß raus kommen sie selten.

Ich stehe selbst in einigen Anthologien und weiß, dass Verlage da oft so kalkulieren, dass fast nur die Autoren selbst Exemplare kaufen und weiterverschenken oder auch weiterverkaufen. Der Absatz ist gering und auch wenn es immer wieder Ausschreibungen gibt, dann vor allem, um von sich hören zu lassen, die Autoren und Leser aufmerksam zu machen. Anthologien bleiben liegen. Sie haben es schon schwer genug, einen Weg in die Buchhandlung zu finden.

Dieses Jahr erschienen: Die Anthologie Sehnsuchtsfluchten

Sind alle so?

Ja, es gibt Ausnahmen. Wenn Fischer eine Antho mit den besten Autoren einer Generation herausbringt, dann läuft die. Wenn ein Verlag zur Weihnachtszeit eine kleine Sammlung mit Kurzgeschichten zu seinen besten Romanen zusammenträgt, dann kaufen die alten Fans – und neue kommen für die anderen Bücher dazu. Wie schön es doch manchmal laufen kann.

Ich aber möchte heute über kleine Anthologien reden, ohne Bestsellerautoren, die von ihrem Schreiben nicht nur leben, sondern verdammt gut leben können. Ohne die großen Titel, die dahinterstehen. Die Anthologien von kleinen Autorengruppen, jungen Verlagen, Vereinigungen und mit Themenbezug. Solche, bei denen ein roter Faden durch das Buch führt und nicht große Namen oder Titel die Werbung machen. Habt ihr welche zuhause? Habt ihr sie auch gelesen?

Jay oder Nay?

Die Wahrheit ist, Anthologien werden uns nie vollkommen begeistern. Es wird Geschichten geben, die uns sauer aufstoßen oder solche, die wir überblättern. Vielleicht sind Gedichte dabei, zu denen wir keinen Zugang haben. Das ist normal. So geht es uns auch mit ganzen Büchern. Der Vorteil einer Anthologie: Ich kann überblättern und finde danach vielleicht einen Text, der mich umhaut. Der so grandios ist und mich genau da abholt, wo ich bin, dass ich mit wünsche, mehr von diesem Autor oder dieser Autorin zu lesen. Die Stärke von Anthologien liegt in ihrer Vielfalt.

Denn die Geschichte, die mit nicht gefallen hat, mag vielleicht meine Mutter sehr oder meine Freundin. Ich kann das Buch also wunderbar verschenken und weiß, jeder wird darin etwas finden. Mein schrulliger Onkel, der Deutschlehrer ist, meine Oma, die es gerne romantisch mag, meine Freunde, die es lieber modern mögen. Für jeden wird etwas darin sein und weil sie auch einen Blick auf die anderen Geschichten werfen, erweitern sie ihr Lesespektrum und finden vielleicht etwas, womit sie nicht gerechnet hätten.

Fischer bringt auch immer wieder Anthologien heraus – oft mit Texten großer Autoren

Ein zweiter Vorteil ist die Kürze. In der Badewanne oder im Zug, selbst im Bett vorm Einschlafen kann ich keinen ganzen Roman lesen. Ich muss mich unterbrechen, Pausen machen, bleibe zu lang im Wasser, zu lang wach, verpasse den Ausstieg. Witzig, ja, aber im Alltag auch nervig. Eine Anthologie schwingt mich nicht von Kapitel zu Kapitel mit Klippen, über denen ich hängen bleibe. Sie gibt mir immer wieder ein Ende und macht mich doch neugierig auf die ganz neue Geschichte, die danach kommt. Ich genieße es sehr, zwischendurch einfach mal eine Anthologie zu lesen und in viele Welten abtauchen zu können.

Darum finde ich es immer schade, wenn nur wenige Anthologien veröffentlicht werden, weil das Interesse so niedrig ist. Was ist besser, um eine*n Autor*in und den dazugehörigen Stil kennen zu lernen, als eine Kurzgeschichte zu lesen. Ein paar Gedichte, ein paar kleine Texte, die mir ein Gefühl geben, ob ich auch einen Roman aus dieser Feder mag. Was ist besser für eine*n Autor*in, sich den Leuten zu präsentieren, als kleine Häppchen, die Lust auf mehr machen? Aber wenn man sie langwierig unter die Leute bringen muss und sie dann in Regalen verstauben, frustriert das alle.

Die Märchenspinnerei feiert Erfolge

Darum finde ich Erfolgsgeschichen von Anthologien so großartig. Wie der Märchenspinnerei. Die Autorengruppe, die seit fast einem Jahr Märchenadaptionen herausbringt hat sich dazu entschieden, gemeinsam eine Anthologie heraus zu bringen. Auf der Buch Berlin wurde „Es war einmal … ganz anders“ das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Auch im Internet macht die Spinnerei immer fleißig Werbung. Bei jedem Roman, der im Rahmen der gruppe das Licht der Welt erblickt, zu jeder Veranstaltung, jeder Leserunde, einfach jederzeit. Ein perfektes Beispiel wie gelungenes Online-Marketing aussieht.

Es war einmal … ganz anders, die Anthologie der Märchenspinnerei erschien Ende November und Anfang Dezember war die erste Auflage komplett vergriffen

Und der Erfolg spricht für sich: Nicht nur viele der Romane gehen mittlerweile in eine zweite Auflage, auch die Anthologie hat es in Rekordzeit geschafft, ausverkauft zu werden. Kaum einen Monat war das Buch verfügbar, bis eine zweite Auflage notwendig wurde. Davon können auch große Autoren nur träumen. Kaum ein Monat. Momentan könnt ihr das Buch lediglich vorbestellen. Und ja, das freut mich ungemein. Nicht nur für die Märchenspinnerei und ihre grandiosen Geschichten, sondern auch für Anthologien an und für sich. Denn so eine Erfolgsgeschichte sagt klar, dass durchaus Bedarf da ist, dass wir vielleicht einfach mehr auf Anthologien aufmerksam machen müssen. Und dass Anthos keineswegs nur staubfangende Ladenhüter sind. Manchmal gehen sie auch weg wie warme Semmel.

Natürlich haben die Märchenspinner einfach grandiose Vorarbeit geleistet. Jeden Monat wurde nicht nur auf Blogs, sondern auch über die verschiedenen SoMe-Kanäle Kontakt zu Lesern hergestellt, die Bücher präsentiert, es gab Gewinnspiele, Aktionen und Treffen auf den verschiedenen Messen. Die Autorengruppe hatte ein Jahr Zeit mit Romanen und PR Aufmerksamkeit für die einzelnen Bücher und auch für die Anthologie zu schaffen. Denn da liegt der große Haken. Viel zu oft verschwinden Anthos in der Versenkung, weil sie nur halbherzig beworben werden. Vom Verlag wie von den Autoren. Ist ja kein Spitzentitel, ist ja nur eine kleine Geschichte, ist ja nur eine Anthologie. Anthologien sind so viel mehr als „nur“. Die Märchenspinnerei hat dieses Jahr bewiesen, dass Anthologien auch ganz anders sein können. Verkaufsschlager, Bestseller, Lieblingsbücher. Bitte mehr davon!

Was ihr heute gewinnen könnt:
Heute im Türchen: Ein toller Kalender der Märchenspinnerei

Die fantastische Märchenspinnerei sponsert einen genialen Kalender. Lernt die Bücher kennen, freut euch auf Märchen im neuen Gewand. Verratet mir dafür einfach euer Lieblingsmärchen im Kommentar. Ich drücke euch die Daumen, denn der Kalender ist wirklich grandios! Ideal für Märchen- und Buchliebhaber.

Teilnahme ab 18 oder mit Einverständnis eines Erziehungsberechtigten, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Gewinn kann nicht in bar ausgezahlt werden. Leser meines Blogs, die mir folgen und teilnehmen, bekommen ein Los extra. Generell habt ihr bei jedem Türchen die gleiche Chance, zu gewinnen. Das Gewinnspiel für den Gewinn zum 21.12.17 beginnt mit diesem Post und endet am 24.12.2017, 23:59.

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Buchperlenblog
Gast
Moin! 🙂 Mit Märchen hast du mich ganz klar. Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich zwar einige Kurzgeschichtensammlungen im Regal stehen, davon sind die meisten allerdings von jeweils einem Künstler. Anthologien sind tatsächlich nur im Märchenbereich vorhanden. Gestern erst las ich Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln aus dem Drachenmond Verlag und war hellauf begeistert! Den zweiten Teil musste ich mir direkt auch vormerken. Außerdem habe ich die Märchen-Anthologien von Ellen Datlow & Terri Windling daheim, die liebe ich sehr. Dass es von der Märchenspinnerei auch eine gibt, wusste ich bis gerade zB gar nich, muss sie mir aber def. anschauen.… Read more »
mikesch1234
Gast

Gerne wandere ich in Deinen Lostopf. Würdest du noch die ISBN der Mächenspinnerei verraten?
bin schon inspiriert 😉
LG, Hiltrud

monerl
Gast

Liebe Eva,

gerne und interessiert habe ich dein Plädoyer für Anthologien gelesen! Ich bin absolut kein Liebhaber von Kurzgeschichten. Sie sind mir einfach zu kurz. Dabei ist es egal, um welches Thema es geht. Märchen dagegen liebe ich sehr. Diese müssen nicht Seitenweise gehen. Ich habe eine große Sagen- und Märchensammlung zu Hause und freue mich sehr auf die Zeit, wenn ich sie mit meinen Kindern nach und nach durchlesen kann.

Ein richtiges Lieblingsmärchen habe ich nicht. Ich weiß nur, ich mochte “Das hässliche Entlein” sehr! 🙂

GlG vom monerl

Michaela
Gast

Mit Lieblingsmärchen ist das schwer. Es gibt viele schöne Märchen. Groß geworden bin ich erstmal mit dem Grimm Hausmärchenbuch und dem bekannten Märchen. Klar sind Aschenputtel oder Dornröschen mit die die ich am längsten kenne. Kann mich aber auch immer wieder für neue begeistern und Dank euch gibt es ja auch Nachschub.

mikesch1234
Gast

Mag gerne die Märchen mit Gevatter Tod, die Sterntaler und den Fischer un sine Fru
LG, Hiltrud

swappinghowdies
Gast

Mein Lieblingsmärchen seit Kindertagen ist tatsächlich eines der bekanntesten — Aschenputtel. Ich schätze mal, es hat etwas mit der tschechischen Verfilmung zu tun! 🙂

Liebe Grüße,
Birgit