Eigentlich ist mein Leben gar nicht so übel – Chris Nolde

Lovelybooks hatte eine Leserunde zu  Chris Noldes Eigentlich ist mein Leben gar nicht so übel, erschienen bei Kein und Aber im Februar. 272 Seiten und ein frecher Titel, der mich sofort in seinen Bann zog.

Chris Nolde: Eigentlich ist mein Leben gar nicht so übelProtagonist Max ist im Grunde Vieles und nichts. Schnell erinnert er an einen Versager. Panikattacken, die ihn zum Einschlafen bringen, die Freundin trennt sich von ihm, er wird arbeitslos, die Leser seines Buches hassen ihn und er schafft es nicht, ein zweites zu schreiben. Schaffenskrise, Seinskrise, Lebenskrise. Da verliebt er sich in Emma, die keine Ironie versteht und sieht kleine Dichter beim Schreiben.

Seine Krise ist mehr als existenziell. Max hat nicht das Problem, nicht zu wissen, was er will. Das ist ihm absolut klar. Er will schreiben, er will veröffentlicht werden und sich in kein Korsett quetschen. Doch als dieses Ziel ins Wanken gerät, weil seine Umwelt in (über)fordert, vergisst er seine Prinzipien, wird kriminell, beginnt unterschiedliche Genres zu schreiben und landet immer wieder bei 0.

Vehement arbeitet er dabei dagegen, aus seiner Geschichte und der Geschichte, die er schreibt, eine Liebesgeschichte zu machen – und doch schwingt gerade das immer wieder mit, zeichnet sich ab und wird dann so leicht Teil eines großen Ganzen, dass das Wort Liebesgeschichte im Grunde zu pauschal ist. Denn je nachdem, über welcher Geschichte Max gerade brütet, verändert sich auch die Handlung des Romans, der dadurch für Leser wie Literaturmenschen zu einer faszinierenden Komposition wird.

Die psychischen Probleme, die Max mit sich herumträgt, die imaginierten Dichter, das plötzliche Einschlafen bei Stress und der unumstößliche Humor, der seine Mitmenschen vor den Kopf stößt, sind der Humor des Romans und gleichzeitig Anzeichen für die Suche Max‘ nach seinem Weg. Damit fasst der Autor ein Lebensgefühl, dieses Zwischendrin, das Warten auf das Ziel und die Frage, wann das Leben endlich anfängt.

In den schlimmsten Zeiten verfällt Max seinem Bett, zieht Bewegungskreise darum und schafft es kaum von der Matratze. Die Suche nach seinem Zentrum und das Warten auf die Interaktion von außen zeigen, wie wichtig für uns Menschen das gesellschaftliche Miteinander ist. Emma wird dabei zur zentralen Figur, selbst vom Leben in Mitleidenschaft gezogen und scheinbar wie Max nicht wirklich zur Welt gehörig, nimmt sie doch alles wörtlich und verlangt ausgerechnet von Max dieselbe Klarheit. Sie halten sich aneinander und am Ende geht es nicht um den Startschuss zum Rest des Lebens oder dem Erreichen des Ziels, sondern um den Weg, Schritt für Schritt.

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