Der schwarze Thron – Kendare Blake

Erst ab neunten Mai und schon ganz schön umtriebig ist Kendare Blakes Der schwarze Thron. Die Schwestern, erster Teil einer Dilogie. Penhaligon bringt die deutsche Ausgabe von Three Dark Crowns in der Übersetzung von Charlotte Lungstrass-Kapfen mit 448 Seiten heraus. Danke an den Verlag für mein Vorab-Rezensionsexemplar.

Das Inselreich Fennbirn wird immer von einer Königin regiert. Doch um Königin zu werden müssen die drei Töchter der letzten Herrscherin ihre Schwestern ausschalten. Jede wurde vor Jahren einem anderen Clan zugeteilt, mit dem sie ihre Fähigkeiten verbinden. Katharine, die Giftmischerin, Mirabella, die Elementarwandlerin und Arsinoe, die Naturbegabte. Der Kampf um Leben und Tod soll an ihrem sechzehnten Geburtstag beginnen. Doch bereits vorher brodelt es.

Startschwierigkeiten

Mit Büchern, die im Präsens geschrieben werden, muss ich immer erst mal etwas warm werden. Der Einstieg mit Katharine hat es mir da nicht erleichtert. Schnell wird klar, dass sie – und auch ihre Schwestern – lediglich Marionetten sind. Gleichzeitig ist gerade Katharine so verzogen und infantil, dass sie für mich von Anfang an auf der Abschussliste stand. Das ändert sich auch nicht, als sie mittels Sex heranreift. Allein die Intention, ein Mädchen durch sexuelle Aktivität erwachsen werden zu lassen, hat mich sehr irritiert. Es passt zur Umgebung des Königinnenhofs, aber wirkt gerade bei der kindlichen Katharine fehl am Platz.

Problemverschiebungen

Mirabella dagegen hat trotz der Beeinflussung durch den Tempel, unter der sie steht, eine gewisse Eigenheit behalten. Sie liebt ihre Schwestern. Die Frage, warum die Mädchen sich aber dennoch gegenseitig töten sollen, wird nie so wirklich gestellt. Es ist eben so, Tradition, Selbsterhaltungstrieb. Wer nicht tötet, wird getötet. Die ethische Frage, ob Mord zum eigenen Überleben erlaubt ist, wird durch die Völker zwar gesteigert, ab er eben nicht ausdiskutiert. Gerade wenn es darum geht, jemanden zu töten, mit dem man sich auf die ein oder anderen Weise verbunden fühlt, sollte doch etwas mehr als „das muss halt so sein“ dahinterstehen. Der Roman löst das Problem nicht, verschiebt es aber. Da die Mädchen selbst die Fäden nicht in der Hand halten, können sie auch gar nicht alles wissen. Es sind Kinder und dementsprechend stark beeinflusst von ihrer Umgebung.

Konfliktpotential

Geradezu bodenständig wirkt dabei Arsinoe. Bei einfachen Leuten aufgewachsen, der eher androgyne Typ, kämpferisch und eigensinnig. Sie hat tatsächlich Persönlichkeit. Doch ihre Integrität wackelt für mich, als auch sie sich einlullen lässt. Auf einer ganz anderen Ebene, von der eigentlich klar ist, dass sie nicht zum Erfolg führt. Gestört hat mich, dass sie meiner Meinung nach nicht konsequent bei sich bleibt. Sie lässt sich zu schnell auf etwas ein, von dem sie weiß, dass es falsch ist. Das widerspricht der eingeführten starken und eigenständigen Figur. Wo Katharine vom Hof verwöhnt und Mirabella vom Tempel verehrt ist, ist Arsinoe schlicht verzweifelt. Eigentlich will sie gar nicht Königin sein, sie will aber auch nicht sterben. Somit sind Arsinoe und Mirabelle die beiden Schwestern, die einen Konflikt durchstehen müssen. Diese Figuren gefallen mir viel besser, ich bin näher an ihnen dran und durch ihre Anteile am Roman mehr ergriffen, als von Katharine.

Entscheidungsträger

Obwohl es die Königinnen sind, denen die Macht zugesprochen wird – und auch die Strippenzieher im Hintergrund weiblich sind – wird die Handlung schnell durch männliche Figuren bewegt. Katharines sexueller Lehrmeister beispielsweise, Mirabellas heimlicher Liebhaber, Arsinoes Freund vom Festland. Die entscheidenden Momente im Roman gehören ihnen. Dass es auch hier nicht ohne geht und romantische Konflikte bei allen drei Königinnen auftreten müssen, ist schade. Die Mädchen, die doch eigentlich die Hauptfiguren sein sollten, werden einmal von Tempel und Hof als Marionetten benutzt, und daneben von den männlichen Figuren entscheidend beeinflusst. Schwierig war für mich auch eine der Beziehungen, die auf einer Art übernatürlicher Anziehung beruht, die sehr animalisch und sexuell ist. Hier wird betrogen, verletzt, mythifiziert. Nur einen Moment lang, aber es ist da.

Hassen sich die Schwestern wirklich? Der schwarze Thron von Kendare Blake
Machtpositionen

Der Stil ist eingängig und leicht. Ich habe Der schwarze Thron in zwei Tagen durchgelesen und war wirklich gespannt, wie es weitergeht. Gerade die Beziehung zwischen Mirabella und Arsinoe fand ich interessant, während ich mit Katharine absolut nicht warm werden konnte. Dass der Kampf der Mädchen nicht wirklich ihr eigener ist, wurde durch die Strippenzieher schnell klar. Hier geht es um Politik und Macht, die Königinnen sind Spielbälle, Schachfiguren, aber eigentlich keine Entscheidenden. Immer wenn sie es versuchen, werden sie abgehalten. Hier brodelt es noch ganz schön und ich hoffe, der zweite Teil geht auf diesen Konflikt ein. Da könnte noch viel zu holen sein. Ansonsten muss ich noch gestehen, dass ich die große Überraschung am Ende schon sehr früh erwartet habe.

Fazit

Mein Fazit fällt definitiv für den Roman aus. Der schwarze Thron hat Schwächen, die sich mit dem zweiten Band auflösen könnten, ist eingängig und die Konflikte der Figuren funktionieren. Das große Thema ist aus meiner Sicht weniger der aufgedrängte Krieg zwischen den Schwestern, als das Auflösen der Marionettenhaftigkeit und der Weg in eine Selbstbestimmung. Aber wirklich wissen kann ich das erst, wenn ich den zweiten Teil gelesen habe. Was ich auf jeden Fall tun will.

Kommentare

    • Liebe Karin,

      Natürlich, meine Meinung kann nur auf meinen Vorstellungen beruhen. Schön war aber, dass hier unterschiedliche Frauenfiguren vertreten sind und da es eine Dilogie ist, können die „Probleme“, die mich beschäftigt haben ja noch aufgelöst werden.

      Lg

  1. Liebe Eva,
    eine gelungene Rezension, die mich, trotz der aufgeführten Schwächen im Buch, neugierig darauf gemacht hat. Ich denke, ich werde es lesen. Die Idee hinter der Geschichte ist für mich neu und deshalb auch interessant. Von Vorteil ist auch, dass es eine Dilogie ist. Von Reihen habe ich gerade genug. Warte ja schon sehr gespannt auf das nächste Ferrante-Buch, dessen Veröffentlichung sich nun auf Ende August verschoben hat. Noch mehr Warten auf Bücher kann ich nicht ertragen. 😉
    GlG vom monerl

Ich freu mich über eure Meinungen