Zwischenwelt – die Welt zerbricht von Jill Noll

Durch eine Lovelybooks-Leserunde kam ich an Jill Nolls frisch erschienenen Roman Zwischenwelt. 372 Seiten hat der Roman der Selbstverlegerin, ein Fantasyauftakt mit Grusel-Faktor.

9783000544705_200Katy arbeitet in einer Spezialeinheit der Polizei und untersucht magische Artefakte, von denen die wenigsten Menschen auch nur etwas ahnen. Ihr bester Freund Bennet hat selbst besondere Fähigkeiten und arbeitet mit dem Chef der Sondereinheit, Suko, zusammen. Während Katy, ihr Kollege Lucas und Bennet mit einem magischen Schwert beschäftigt sind, greift eine verschmähte Verehrerin Sukos die Zentrale und auch die ganze Welt an. Während alle außer Suko zumindest geistig in einer seltsame Zwischenwelt gefangen sind, gelingt Katy, Lucas und Bennet die Flucht. Gemeinsam mit ihrem Chef machen sie sich auf, herauszufinden, wer für den Angriff verantwortlich ist und was sie dagegen unternehmen können. Dabei sind die Körper der Verbannten, die zombiehaft angreifen und die verbliebenen Seelen in die Zwischenwelt ziehen wollen, nur eine der Gefahren. Denn auch in der Zwischenwelt warten Veränderungen und Hürden. Und Suko und Katy müssen sich fragen, was sie eigentlich wirklich füreinander empfinden.

Die Zwischenwelt

Zombies sind ja nicht so meins. Umso mehr fasziniert mich die Ausarbeitung der Autorin, die Körper hier gewissermaßen fremdgesteuert zu lassen, während die „Seelen“ in der Zwischenwelt ausharren. Dass es aber eben keine Zombies sind, sondern nur Gestalten, die an Zombies erinnern, schafft eine neue Ebene, die zwar Assoziationen weckt, aber durchaus ihre Eigenheiten beansprucht. Das ist clever gemacht und ermöglicht, eigene Regeln aufzustellen.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, je mit einem personalen Erzähler. Das sorgt mitunter für Zeitverschiebungen, aber auch dafür, mehrere Perspektiven einnehmen zu können. Manchmal sind die Sprünge zwischen den Figuren aber relativ stark. Im Zentrum stehen eindeutig Katy und Suko, die auch durch eine anbahnende Romanze miteinander verknüpft ist, die aber nicht nur durch die angespannte apokalyptische Situation unter keinem guten Stern steht. Dass aber so auch die „Gegenseite“ Raum erfährt, finde ich generell ganz gut. So können auch Antagonisten Tiefe und Charakter bekommen. Leider schafft Zwischenwelt das erst am Ende und auch nur im Ansatz.

Er Held, Sie Opfer

Was mich noch gestört hat, ist das Opfer-Held-Verhältnis von Katy. Er spielt sich immerzu als ihr Beschützer auf und „rettet“ sie immer mal wieder aus kleineren, brenzligen Situationen, wonach sie sich immer artig bedankt. Gleichzeitig ist seine Sicht auf sie die auf ein zerbrechliches Püppchen. Indem sie sich bedankt, unterstütz sie diesen Eindruck von Schwäche. Auch reagiert Katy ziemlich emotional. Sie will unbedingt ihre Schwester „retten“ und baut gleichzeitig eine Mauer gegen alle anderen auf. Das macht sie irgendwie zu einem kleinen Kind, dass zu seiner Mutterfigur will. Auch hier zeigt sich erst gegen Ende, dass Katy durchaus stark ist und auf sich selbst aufpassen kann. Da das Buch als Auftakt für eine Reihe gilt, steht da möglicherweise (hoffentlich) noch Entwicklung im Raum, denn so eine ich kleinhaltende weibliche Protagonistin verliert doch schnell an Reiz.

Gerade am Anfang braucht der Roman etwas, um Fahrt aufzunehmen, was angesichts der rasanten Handlung etwas verwirrt. Rückblicke und längere Passagen, die der Herleitung dienen nehmen Spannung aus dem Konzept, sind aber gleichzeitig wichtig für das Verständnis. Vielleicht hätte da eine schrittweise funktionierende Rückschau besser funktioniert. Dann hätte der Leser nicht alle auf einmal präsentiert bekommen, sondern mehrere Mosaiksteinchen zusammensuchen müssen, um am Ende des Romans ein ganzes Bild zu bekommen.

Viel Spannung und Handlung hat der Roman auf jeden Fall! Das fesselt immer wieder. Ein leichter Grusel lässt sich bei den zombiehaften Gestalten nicht verhindern. Gerade Szenen mit Kindern haben mir hier Gänsehaut beschert – Mütterrisiko. Einige Kleinigkeiten, die mir den Einstieg schwer gemacht haben, verlaufen sich. Gut gefallen haben mir die tief angelegten Hauptfiguren, einzig die Einordnung in Opfer-Held, die eben auf weiten Strecken funktioniert und vor allem Suko antreiben, geht mir absolut gegen das Verständnis. Ich bin jedenfalls gespannt, ob sich das im zweiten Teil auflöst.

Kommentar

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