Was ein Tag – Teil 2 – Der Mittag

Der Morgen

Über Nacht oder am zeitlosen Morgen hatte ich jede Menge Anfragen bekommen. Tim schickte mir ein Schaf, Lisa wollte eine Valentinsgrußkarte. War schon wieder Februar? Ich beantwortete die Anfragen, eine nach der anderen und bekam Hunger. Die Katze miaute zustimmend, wurde aber enttäuscht, als ich nach der Packung Jelly Beans giff, die ich mir vor ein paar Tagen bestellt hatte. ‚Du hast genascht’, zischte ich, denn die Packung war fast leer. Ich versuchte die letzten süßen Böhnchen zu lutschen, und kaute sie doch irgendwann. ‚Deshalb bis du auch so dick’, erklärte ich der Katze. Sie hatte sich auf die Fensterbank gesetzt und knabberte an einer halb vertrockneten Grünlilie. Die Dinger halten erstaunlich lange ohne Wasser aus. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich sie zuletzt gegossen hatte. Hatte ich sie überhaupt je gegossen?

Ich bestellte eine neue Packung Jelly Beans und kümmerte mich um eigene Anfragen, an Tim und Lisa und alle anderen. Ich brauchte leere Flaschen und vergammeltes Fleisch, um eine Quest abzuschließen. Bald waren die Bohnen leer, die Katze hatte sich auf die leere, knisternde Tüte gelegt und die Augen halb geschlossen. Mein Magen knurrte, doch das Feld war noch nicht bestellt. ‚Einmal, nur einmal nichts zu tun haben’, sagte ich und die Katze schaute auf. ‚Und du? Wieder faul!’ kommentierte ich ihren Blick und widmete mich meinen Kühen. Als auch die Straßen wieder sauber waren warf ich einen Blick auf die Pinnwand. ‚Was ein Wetter’, schrieb Thomas. Welcher Monat war noch mal? Ich überlegte, ob es nicht reichte, auf einem Wetterportal nachzuschauen, drehte mich dann aber doch zur Seite, um den Rollladen etwas hochzuziehen. Weiße Flocken klatschten gegen die Scheibe. ‚Na und’, sagte ich zur Katze, die angefangen hatte zu schnarchen. ‚Auf meinem Feld liegt seit Monaten Schnee.’ Oder waren es doch nur Wochen?

Mein Magen knurrte so laut, dass die Katze aufschrak und mitsamt Jelly Beans Tüte vom Tisch fiel. ‚Hast du jetzt davon’, meinte ich. ‚Einmal, nur einmal keine Notfälle’, schimpfte ich mit ihr, doch sie legte sich einfach wieder auf die Tüte, die jetzt am Boden lag. Ich stand auf und suchte im Kühlschrank nach einem Joghurt, der noch nicht abgelaufen war. Doch er war leer. Ein schimmliger Käse und der Rest des Apfelsafts standen darin. Ich warf den Käse weg und griff zum Telefon. Der Italiener hatte Ruhetag, aber der Grieche lieferte auch. ‚Einmal, nur einmal keine matschigen Pommes’, bat ich, doch er hatte schon wieder aufgelegt. Ich füllte der Katze den Napf, sie schlief weiter und ich suchte auf den Pinnwänden meiner Freunde nach nützlichen Dingen für Farm, Stadt und Schloss. Als der Lieferjunge klingelte war der Mittag vorbei. ‚Abendessen’ sagte ich, doch die Katze schlief weiter.

Der Abend

©Eva-Maria Obermann

 

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