Warum die Erdbeere vom Quark gerettet wird

Bei Erdbeeren bin ich pingelig.
Mich selbst erstaunt das immer wieder. Ich hab kein Problem damit, abgelaufenen Joghurt auf seine Verträglichkeit zu testen oder die trockenen Scheiben vom Brot zu essen. Aber bei Erdbeeren – Sie müssen eben frisch sein. Am besten noch vor fünf Minuten im Garten gehangen, schmeckt eine Erdbeere, wie sie schmecken muss. Sonnenwarm und ohne Liege- oder Druckstellen. Sie schmeckt nach frischer Luft und Garten, nach Kindersommern und grünem Gras unter den Füßen. Je roter, je lieber, saftig und voller Geschmack. Die Erdbeeren meiner Erinnerung.
Doch sobald sich Druckstellen zeigen, die matschig werden und in einem farblosen Brei enden, vergeht mir die Lust. Wie bei einem Apfel, der mehlig geworden ist, sind diese grauen Stellen der Erdbeere ihr Untergang. Die Größe wäre mir egal, die Farbe an sich, ob sie jetzt rund ist oder gespenstisch verwachsen. Doch matschige Stellen ertrage ich nicht. Wie rot sie auch sind, sie ekeln mich an. Wie schön sie auch duften, ich kann sie nicht essen.
Das haben wir doch alle mal. Momente, in denen wir pingeliger sind, als normalerweise. In denen uns das Matschige der Erdbeere zum Widerlichen Fraß wird.
Bei Erdbeeren bin ich pingelig.
Doch zum Glück gibt es Quark. Denn wie matschig eine Erdbeere auch ist, wenn ich sie mit Quark in einen Mixer schmeiße und warte, was herauskommt, werde ich immer wieder positiv überrascht. Erdbeerquark ist das, was mir die Erdbeere rettet, was mich matschige Stellen ertragen lässt.
Und wenn es nur mehr Dinge, wie Erdbeerquark gäbe, wäre die Welt viel leichter zu ertragen. Denn eigentlich sind wir alle, irgendwo, pingelig.

©Eva-Maria Obermann

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