Verliebt, verlobt, verplant – Miriam Covi

Heute startet die Blogtour zu Miriam Covis Verliebt, verlobt, verplant, die am Sonntag ihre letzte Station bei mir haben wird. Heute aber erst einmal meine Rezension zu den 480 Seiten, die bei Feelings neu aufgelegt wurde (ursprünglicher Titel Storchenhelfer bei Knaur).

10341415_1576349942681821_7115422250279907927_nHillis Leben ist durchgeplant. Die erfolgreiche Anwältin hat einen Traummann mit Traumwohnung. Nur das Traumkind fehlt ihr noch und daran arbeitet sie hartnäckig mit Flipcharts und Eisprungkalender. Doch dann lässt ihr Freund sie sitzen – wegen einer anderen, die sein Kind erwartet – und Hilli muss die gemeinsame Wohnung verlassen. Als Zwischenmieterin und Alleinstehende wird ihr klar, sie will nicht warten. Lieber besorgt sie sich ihr Kind, ohne Mann, in der Befruchtungsklinik Storchenhelfer. Für eine künstliche Befruchtung fehlt ihr aber der feste Partner. Glücklicherweise ist Neunachbar Mick ein geeigneter Kandidat und schon brütet Hillie wieder über Listen und Plänen.

Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben. Es geht oberflächlich um wahre Liebe und eine heile Welt, in der Tiefe aber steht die große Frage nach dem unerfüllten Kinderwunsch, der Zerrissenheit zwischen Kind und Karriere und die tiefen Narben, die andere in uns hinterlassen können. Dabei ist der Stil nicht beschwerend oder drückend, sondern agiert mit einem lockeren Humor und viel Emotionalität – ohne Kitsch.

Die Thematik des unerfüllten Kinderwunsches wird dabei gleich auf mehreren Ebenen aufgenommen. Hillis neue Vermieterin etwa ist so schwanger geworden, eine Zufallsbekanntschaft mit Zwillingskinderwagen ebenfalls – und sogar Hillis eiskalte Chefin trifft sie in der Befruchtungsklinik wieder. Der Zufall wird hier für mich bis an die Schmerzgrenze ausgereizt. Dem gegenüber steht die vierfache Vollzeitmutter und Ehefrau des Chefs und die Affäre von Hillis Ex. Auch die dunkle Seite des Themas kommt auf. Fehlgeburt, Fehlversuch, Fehleinschätzung.

Schwung kommt dadurch vor allem durch diese großen Gegensätze hinein. So leben in Hillis neuer Nachbarschaft die Übermutti, die die Kinder in den Mandarin-Unterricht schleift und die Alleinerziehende, deren Kinder bis in die Nacht hinein lärmen. Extreme, Klischee, kein Zwischendrin und von allen Seiten her Vorwürfe. Im Grunde ein wunderbarer Querschnitt durch das, was eine Mutter in Deutschland erwartet, denn hier gibt es Schwarz und Weiß, aber nicht das Grau, nachdem Hilli eigentlich strebt.

Die Frage, wie Hilli ihre Rolle als Anwältin und Alleinerziehende meistern will – oder ob sie am Ende gar ohne Kind glücklicher werden könnte, wird angerissen, aber sehr schnell fallengelassen. Natürlich will sie Kinder, natürlich will sie arbeiten, bloß nichts verpassen, bloß nie allein an Weihnachten sein. Hier wird es mir dann doch zu genormt. Die Frau ohne Kinder muss unglücklich werden, wahres Glück gibt es nur mit Kinder. Die Frau ohne Beruf muss unterfordert sein, Selbstverwirklichung gibt es nur mit Beruf. Dass sich der Roman und seine Hauptfigur, die sonst so gelungen zwischen den Extremen balancieren und daraus ihre Energie ziehen, gerade hier auf das unerfüllbare Muster, beides zu 100 % Leisten zu wollen, einlassen, enttäuscht.

Im Ganzen bleibt Verliebt, verlobt, verplant aber ein unterhaltsames, kurzweiliges Lesevergnügen mit viel Hang zu realen Extremen und einem tiefen Wunsch, nicht allein zu sein.

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