Verbannt zwischen Schatten und Licht von Kira Gembri

Hatte ich schon erwähnt, wie ich den Besuch der Fantasy-Fee bei Einmal durchs Regal liebe? Ich bin nicht nur in meinem Element, sondern auch in meinem Genre und die Seiten der Bücher schwinden nur so dahin. Nach einem grandiosen Monatsanfang mit der Göttlich-Reihe habe ich mich, um die Romantasy-Aufgabe für den September zu bewältigen, nun Verbannt zwischen Schatten und Licht von Kira Gembri mit 341 Seiten gewidmet.
Lily ist neu an einer Eliteschule, an die sie sich immer gewünscht hat. Mitgebracht hat sie auch ihre beste Freundin Mia. An der Schule lernt sie den freundlichen Sam und den geheimnisvollen Rasmus kennen. Während Sam in Lily verliebt zu sein scheint, sie aber nur Freundschaft will, verwirrt Rasmus sie zunehmend. Unerwartet lädt er sie zu einem Date ein, dass weniger gut verläuft, ist aber danach plötzlich nett zu ihr und nähert sich ihr an. Immer wieder gibt es ein auf und ab der Gefühle, immer wenn Lily glaubt, dass sie Rasmus egal ist, beweist er ihr das Gegenteil, nur um dann wieder seltsam abweisend zu sein. Außerdem ist er nicht nur ungewöhnlich schnell und stark, sondern auch sonst nicht wie andere. Schließlich erwischt Lily Rasmus in einer Lage, in der er sich nicht mehr verstellen kann und er offenbart sich ihr. Er ist ein gefallener Engel, der eigentlich auf die Erde verbannt ist, um seine edle Gesinnung beweisen soll, um wieder in den Himmel zu dürfen. Doch mittlerweile hat er sich in Lily verliebt und will sie nicht mehr verlassen. Das heißt auch, dass er Lily, einen geborenen Tollpatsch und Pechvogel, nicht retten darf, sonst würde ihm das als gute Tat angerechnet. Als Lily aber entführt wird und ihr Leben auf dem Spiel steht, muss nicht nur er eine folgenschwere Entscheidung treffen.
Zunächst einmal: Wenigstens ist hier keiner gerade erst irgendwo hin gezogen, wie es schon fast notwendig für eine Fantasy-Geschichte ist. Der Handlungsort ‚Schule‘, die Figuren des bösen Jungen, guten Jungen, braven Mädchens reizen mein Maß an Klischee schon zur Genüge. Schön dagegen, dass diese Geschichte nicht vom ersten Moment an vorhersehbar ist. Wer eigentlich gut und wer böse ist wird lange verschwommen gelassen, die Aufklärung ist immer eine Handbreit entfernt, bis zur Auflösung am Schluss. Dass der Autorin dies wirklich geling, sie zwar Hinweise gibt, aber so verstreut und mehrdeutig, dass ich positiv überrascht war. Das Buch ist kein Fantasy-Schnellgericht, dass vollkommen ins Schema passt und wo nur die Namen ausgewechselt sind. Es ist nicht vollkommen innovativ, angenehm erfrischend.
Angenehm fand ich auch den sarkastischen Stil, den die Autorin nicht nur, aber vor allem Rasmus verliehen hat. Ein Buch, das auch sich selbst nicht zu ernst nimmt, ist immer angenehm. Auch ist die Liebe zwischen Lily und Rasmus keine auf den ersten Blick, die vorausbestimmt ist und unbedingt sein muss, sondern vielmehr eine, die sich entwickelt, schwankt, wachsen muss. Sie ist glaubwürdig und realistisch, und dennoch stark, ohne dass irgendeine übermenschliche Macht dahinter steckt oder Bestimmung. Auch nett ist der Fokus auf Literatur, vor allem, wenn der Leser eben selbst auch gerne liest.
Das Buch ist ohne Frage gut geschrieben, hat aber eben auch Schwachstellen. Rasmus unentwegte Sinneswandel für oder gegen Lily sind ziemlich zermürbend, die Erkenntnis, was dahinter steckt erfolgt relativ spät, dann überschlagen sich die Ereignisse. Doch dadurch wächst die Spannung stetig weiter. Die kurzen Einschübe, wenn der Leser zunächst nicht weiß, wer da gemeint ist und die Möglichkeit, dass Rasmus eben noch ganz andere Gesinnungen haben könnte, lässt den Leser immer wieder ins Dunkel tappen. Dabei ist die Geschichte aber teilweise nur oberflächlich. Gerade in Bezug auf Lilys Gefühle geht der Roman nicht tief genug. Ihre Schwärmerei ist zwar da, aber nur in wenigen Momenten schimmert ihre wahre Zuneigung durch, auch für den Leser. Bei Rasmus ist es noch schwieriger, seine Gefühle einzuordnen. Dass gerade diese emotionale Seite zwar da ist, aber eben ab und an nur ansatzweise, nimmt dem Roman viel an Energie. Dennoch war es ein gutes und schnell zu lesendes Vergnügen, so dass ich gleich weiter zum zweiten Teil gegangen bin.

Ich freu mich über eure Meinungen