The Sleeping Prince – Tödlicher Fluch – Melinda Salisbury

Über netgally bin ich an den zweiten Teil der The Sin Eater’s Daughter – Reihe gekommen. The Sleeping Prince – Tödlicher Fluch ist im Februar bei bloomoon (arsEdition) erschienen, in der Übersetzung von A.M. Grünewald. 368 Seiten fasst der Roman, der mit einer neuen Protagonistin und vielen Überraschungen aufwartet. Wenn ihr den erste Band, Goddess of Poison, noch nicht kennt, werdet ihr jetzt zwangsläufig gespoilert. Vielen Dank an den Verlag und netgally für mein elektronisches Exemplar.

Errin kämpft ums Überleben. Seit ihr Bruder verschwunden und ihre Mutter krank ist, kümmert sich das Mädchen um die Versorgung des Hauses und das Zahlen der Miete. Dafür braut die junge Herbalistin verbotene Tränke und verkauft sie. Beispielsweise an Silas, dessen Gesicht sie nicht kennt. Doch Errins Mutter ist nicht einfach nur krank und Silas kein normaler Kunde. Als ihre Geheimnisse aufgedeckt werden, bleibt Errin nur noch eine Möglichkeit. Die Flucht. Denn der schlafende Prinz ist aufgewacht und zieht eine blutige Spur durchs Land. Ein Spur, die geradewegs auf Errin zuläuft.

Neue Figuren, alte Bekannte

Errin ist nicht Twylla, die Protagonistin des ersten Bandes, die herausgefunden hat, dass der schlafende Prinz geweckt wurde. Dennoch steht sich von Anfang an mir ihr in gewisser Weise in Verbindung. Zum einen weil sie Liefs Schwester ist. Zum anderen stellt sie eine Spiegelung der anderen Hauptfigur nach. Währen Twylla als gottgleiche Daunen ins Schloss geholt wurde und den Prinzen heiraten sollte, ist Errin in einer glücklichen Kindheit großgeworden, die jäh endete, als ihr Vater starb. Eine weitere Verbindung ist der Druck, der auf beiden Frauen lastet, durch die jeweilige Mutter. Was sie aber schließlich zusammenbringen muss, ist die Tatsache, dass der schlafende Prinz sie beide sucht.

So kommt es, dass Twylla (und andere Figuren, die wir aus dem ersten Band kennen) als Nebenfigur wieder auftaucht. Dieser neue Blick auf die einstige Ich-Erzählerin vertieft ihre Figur ungemein. Dem Selbstbild zieht sich ein Fremdbild hinzu. Auch der Blick auf andere Charaktere wird durch die neue Perspektive erweitert. Nicht zuletzt weiß der Leser auch durch Liefs Erzählungen im ersten Teil ein paar rudimentäre Dinge über Errin.

Geniale Tricks

Doch der Roman hat noch weit mehr geniale Tricks auf Lager. War im ersten Teil die Dreiecksbeziehung elementar für den Identitätskonflikt Twyllas, ist die Konstellation bei Errin eine ganz andere. Auch hier bahnt sich eine Liebesbeziehung an, die immer wieder abgewürgt wird. Doch nicht durch die fast schon typischen „Wir können nicht zusammen sein“-Anekdoten. Tatsächlich gibt es auch hier eine Entwicklung, die Varianten zeigt und die Figuren dennoch näher bringt. Näher bringt die Geschichte auch die Legende des schlafenden Prinzen und ihren eigentlichen Ursprung. Diese Dechiffrierung des Mythos geschieht schrittweise und weitet den Blick des Lesers gekonnt. Der gesamte Rahmen wird gleichzeitig tiefer und gewinnt an Kontur.

Dabei verlier sich The Sleeping Prince nicht in der Weiterführung der Handlungsstränge des ersten Teils, sondern gibt dazu nur die Häppchen, die Errin erfährt. Die Spannung steigt und erzeugt, trotz rundem Abschluss, ein Warten auf den dritten Teil. Sehr gefreut habe ich mich dabei über die Kontingenz des Romans hinsichtlich seines Anfangs und Endes. Was ich meine, müsst ihr schon selbst nachlesen, doch genau dieser innere Zusammenhalt ist es, der The Sleeping Prince zu einem Roman macht, der im Rahmen der Reihe gelesen werden kann – aber nicht muss. Und das ist wirklich bewundernswert.

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