Seelenlos, Fluch der Rauhnächte – Janine Wilk

Beim Thienemann-Esslinger Jugendbuchableger Planet! Ist Janine Wilks Seelenlos, Fluch der Rauhnächte erschienen. 368 Seiten hat der mysteriöse Fantasyroman, der im September erschienen ist. Lesen konnte ich ihn in der elektronischen Variante dank Netgalley.

coverLucy ist auf einem Friedhof aufgewachsen. Als wäre das nicht schon Grund genug, etwas seltsam zu sein, sieht Lucy die Verstorbenen Seelen. Eine sitzt jede Nacht an ihrem Bett. Lucy ist sich sicher, dass ihre Mutter diesen Geist darum gebeten hat, auf sie Acht zu geben, denn Lucys Mutter ist eines Tages spurlos verschwunden. Als merkwürdige Vorfälle die Aufmerksamkeit auf den Friedhof ziehen und ein böser Geist hinter Lucy her ist, muss sie sich ihrer Gabe stellen. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin gilt es, die Welt zu retten.

Flache Figuren

Das Umfeld ist mit Friedhof und allerlei gruseligen Begebenheiten auf jeden Fall gut gewählt. Dass der Roman ausgerechnet damit beginnt, das Lucy statt Touristen zu erschrecken, eine gespielte Geistertour humoristisch ausklingen lässt, verrät dann schon viel über ihren Charakter. Das ganze Gruselzeug nervt sie ziemlich. Trotzdem steht sie felsenfest zu ihrem Vater, dem Friedhofswärter und ihrer besten Freundin, die vom Übernatürlichen nicht genug bekommt. Sie ist treu und einfach gestrickt. Leider fehlt ihr dadurch – wie dem ganzen Buch – der hauch Tiefe, den ich gerne gehabt hätte. Und wo die Protagonistin schon flach gehalten wird, können auch die Nebenfiguren nicht glänzen.

Geradlinig

Seelenlos ist anders als andere fantastische Geschichten keine Adoleszenzgeschichte. Lucy wird nicht etwa erwachsen, vielmehr geht es um das Akzeptieren ihrer Gabe. Lucy hat bisher immer nur weggeschaut, die Geister zwar gesehen, aber keine Interaktion versucht. Nun aber wird sie zum Bindeglied, was auf mehreren Ebenen gut funktioniert. Dabei handelt sie intuitiv, aber stet richtig. Die Handlung gewinnt dadurch eine gewisse Geradlinigkeit, die gerade jüngere Leser erfreuen dürfte. Mir ging es etwas zu „einfach“.

Wer erzählt wie

Gestolpert bin ich dagegen über kleinere Ungereimtheiten. An einer Stelle meint Luc als Erzählerin beispielsweise, ihre Mutter hätte ihr von ihrer Gabe erzählt, an anderer aber steht, dass dafür nie Zeit war. Ein leicht paradoxes Gefüge, das die Ablehnung Lucys gegenüber ihrer Gabe verstärkt, mich aber gestört hat. Die Geschichte wird als eine Art Aufzeichnung von Lucy dargestellt, was eine einseitige Sicht ermöglicht, die von Zwischenkommentaren der besten Freundin durchbrochen wird. Eine interessante Art, verschiedene Erzähler einzuführen (Lucy bleibt aber Haupterzählerin und Protagonistin).

Eierkuchen zum Ende

Die Handlung selbst entwickelt sich geradezu klassisch in Richtung Jugend-Horror. Spannung bringt vor allem ein Anfangskommentar Lucys und die Frage, wer dem bösen Geist tatsächlich hilft. Der Zielgruppe mag geschuldet sein, dass das Ende überzeichnet ist und überraschende Hilfe hereilt, die eine Illusion von Ankommen ermöglichen. Etwas viel Eierkuchenfreude aus meiner Perspektive.

Für junge Leser, ab 12, kann Seelenlos ein wunder geeignetes Buch sein, um sich mit Spaß zu gruseln, ohne dass es zu viel Horror gibt. Ich hätte mir tiefer Charaktere und eine weniger geradlinige Handlung gewünscht, um länger bei Laune gehalten zu werden.

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