Die Schlacht

Ich weiß, ich muss trickreich sein, es wird nicht ohne Tränen gehen, bei mir und bei ihr, nicht ohne Schweiß, vor allem bei mir. Der Zweck ist gleichzeitig ehrenvoll und grausam. Mit mir selbst muss ich ringen, jedes Mal, jeden Tag. Allein das Ziel, das Wissen dahinter, dass es uns beiden nutzen wird, auch wenn wir es beide noch nicht sehen können.

Heiß ist er, voll Frische und Gutem, nicht zuletzt mit Liebe. Und für sie. Doch sie weiß ihn nicht zu würdigen, verachtet mein hoffnungsvolles Angebot immer wieder aufs neue. Nein, nein, sie will nicht, sie will nicht, sie will noch nicht. Sperrt zu, dann doch auf, nur um mir alles wieder um die Ohren zu werfen. Ich bleibe hartnäckig. Geduld, geduld muss ich haben, Geduld führt weiter. Dulden muss ich ihre Eskapaden, verzeihen, auch wenn ich verzweifle. Erdulden, gedulden. Wie ich die politische Situation erdulden muss, geduldig warten, bis auch das Land bereit ist, nicht mehr zu sperrt, aufmacht und sich von der schwarzen Nacht verabschiedet. Wie das, was ich dem Land gerne vorsetzen würde, ist ihres rot, zwar karottenrot, aber dennoch rot. Niemals schwarz. Wer würde seinem Baby schon schwarzen Brei geben?

Grün, ja, manchmal, mit grünen Pünktchen, grünlich, vielleicht zucchinigrün. Und das blasse Kartoffelgelb lässt sich hier nicht vermeiden. Doch primär, immerhin, immerhin im Brei, primär rot. Die allgegenwertige Karotte. An ihren Fingern, auf ihrer Hose, in meinem Haar. Oder der Kürbis, mehr orange, dennoch primär rot. Tomate, irgendwann, pures Rot.

Der Mund geht auf, sie schnappt den Löffel, der Brei ist im Mund – doch mein Triumph wärt nur kurz. Schon presst sie zwischen den zusammengedrückten Lippen, die immer schmaler zu werden scheinen, zwischen ihren süßen warmen Babylippen, an denen immer Sabber hängt, Zahnungssabber, den primärroten Brei heraus, er kullert über ihr Kinn, tropft auf das Lätzchen, färbt alles rot. Karottenrot. Kürbisrot. Tomatenrot. Vielleicht, denke ich, vielleicht ist es ihr versuch, die schwarze Nacht zu vertreiben und Deutschland etwas mehr Farbe zu geben. Primär Rot, versteht sich.

©Eva-Maria Obermann

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