#regretting motherhood von Orna Donath

Mit großen Erwartungen habe ich der Veröffentlichung von Orna Donaths #regretting motherhood erwartet. Ein Jahr, nachdem ihre Studie zu israelischen Frauen, die es bereuen, Mutter geworden zu sein, die sozialen Medien unter dem Stichwort #regrettingmotherhood durchdrang ist nun das Buch dazu im Knaus Verlag mit 272 Seiten erschienen.

Regretting MotherhoodDass Frauen Mütter werden ist nicht nur in der israelischen Gesellschaft, sondern auch in Deutschland nicht nur Norm, sondern eine Selbstverständlichkeit, die für die eigentliche Frage, ob die Frau Mutter werden will wenig Raum lässt. Unter diesem Druck werden auch Frauen Mutter, die nie eine hatten werden wollen. Andere aber merken erst nach der Geburt ihrer Kinder, dass sie in der Mutterrolle zutiefst unglücklich sind. Orna Donath geht in ihrem Buch nicht nur auf die verschiedenen Gründe für eine „bereute Mutterschaft“ ein, sondern zeigt auch inwiefern diese Frauen unter der Mutterschaft leiden.

Sehr gut finde ich, dass die Verfasserin betont, aus welchen Gründen ihre Studie in Israel durchgeführt wurde und welche Faktoren das Leben der israelischen Mütter bestimmen. Dadurch werden die Unterschiede zu Mutter in Deutschland klar. Auf eben diese Unterschiede geht Orna Donath ebenfalls ein und zeigt auch, dass dennoch auch hier ein gesellschaftlicher Druck auf der Frau lastet, Mutter zu werden. Gleichzeitig tritt gerade dieser wichtige Aspekt im Hauptteil des Buches in den Hintergrund, was zur Analyse der Studie verständlich ist, die Aussage als im Deutschen veröffentlichtes Buch verfälscht.

Wichtig ist auch, dass Frau Donath den Unterschied zwischen der Ambivalenz der Mutterschaft, manchmal mit einer akuten Situation unglücklich zu sein, in anderen Moment aber durchaus glücklich mit dem Muttersein zu können, und der per se bereuten Mutterschaft zieht, die so weit geht, dass diese Mütter ihre Schwangerschaften sofort ungeschehen machen würden, wenn sie konnten. Ein gewisser Widerspruch besteht aber auch hier, denn zugleich beteuern diese Mütter, ihre Kinder zu lieben und alles für sie zu tun.

Das Buch ist durchzogen von Zitaten, die eindrucksvoll zeigen, wodurch im Speziellen die bereuenden Mütter leiden und welche Faktoren eine Rolle spielen. Gleichwohl besteht die Verfasserin völlig zurecht darauf, dass ein Herunterbrechen des Unglücks, das diese Frauen empfinden, auf eben diese traumatischen, finanziellen oder beziehungstechnischen Probleme, den tiefen Wunsch, nicht mehr Mutter zu sein, herunterspielt und verkennt.

Mitunter scheint mir Donaths Wille, der Frau einen Raum zum Bereuen der Mutterschaft zu erkämpfen, sehr dogmatisch. Die Möglichkeit, dass Frauen auch von sich heraus gerne Mutter werden oder dass die empfundene Reue zeitlich begrenzt ist, wird eher nebensächlich aufgezeigt. Gleichzeitig fehlte mir der Hinweis, dass die durchgeführte Studie aufgrund der wenigen Teilnehmerinnen keine repräsentativen Aussagen treffen kann. Vielleicht zeigt sich gerade hier, dass Mutterschaft so facettenreich ist, dass sie auch zum Unglück werden kann, dennoch hätte ein Hinweis dazu Platz haben müssen.

#regretting motherhood ist meiner Meinung nach ein wichtiger Beitrag für die Debatte zur Mutterrolle und für die stetige Entwicklung dessen, was wir unter dem Begriff Mutter verstehen. Ein Schritt in die Richtung, die Mutter als Frau und Mensch zu verstehen und nicht als stetig geduldige und liebenswürdige Matrone zu verehren.

Kommentare

  1. Karin

    Hallo und guten Tag,

    schon ein wirklich, eigenartiges Thema….Mütter, die keine Mütter sein wollen.

    Ist schon komisch bei all den Möglichkeiten gegen Kinder…also möglicher Verhütung oder?

    LG..Karin…

  2. Ich fand das Buch wichtig und spannend zu lesen und stimme vor allem Deinem Fazit zu.
    Orna Donato hat einen Hinweis zur Repräsentativität (Seite 18 meine ich, ich habe allerdings das eBook, dort steht auf Seite 16, dass es ihr nie darum ging, Aussagen über „die Mütter“ zu machen.). Sie hätte dies aber ruhig im Epilog noch einmal erwähnen können, denn natürlich werden die Medien diesen Punkt aufgreifen.

  3. Hallo, ich habe die Studie selbst bisher noch nicht gelesen, aber mit Interesse den Wirbel verfolgt, den sie bei uns macht. Wenn nicht deutlich aufgezeigt wird, dass die Repräsentativität hier nicht unbedingt gegeben ist, finde ich das wirklich problematisch, denn das war ja wirklich das erste, was man in den Medien dazu las. Ich habe gehört, dass die Studie in anderen Ländern gar nicht so viel Aufsehen erregt hat, dass Deutschland da wohl eine Ausnahme war. Dafür spricht auf jeden Fall, wie viele andere Autorinnen derzeit auf diesen „Zug“ aufspringen. Viele Grüße.

    • Ich denke, die enorme Reaktion liegt an der Vorstellung „der Mutter“ in Deutschland. In Amerika hat die Studie übrigens auch große mediale Aufmerksamkeit erfahren; und auch dort besteht ein Konflikt um das Bild der Mutter zwischen konservativ, modern und individuell.

Ich freu mich über eure Meinungen