Protokoll #5 Literaturcamp Heidelberg: Professionalisierung von Blogs

Der Juli neigt sich dem Ende zu und es ist Zeit für mein letztes Protokoll zu einem der Vorträge, die ich auf dem Literaturcamp Heidelberg besucht habe. Die Planung für das Camp nächstes Jahr haben bereits begonnen, der Termin steht, ich bin jetzt schon ganz aus dem Häuschen.

Mein letzter Vortrag auf dem LitCamp 16 war weniger ein Vortrag, als eine Diskussionsrunde, zu der Suse von Literaturschock geladen hat. Im Mittelpunkt sollte die Professionalisierung von Blogs stehen. Zuerst einmal aber war Kreativität gefragt. Anhaltender Regen hatte es unmöglich gemacht, draußen im Zelt zu bleiben. Die anderen Räume waren besetzt. Kurzerhand kuschelten wir uns im Treppenhaus aneinander und los ging’s.

Zuerst ging es dann um die Basis des Bloggerwissens. Immer wieder erwähnenswert ist, dass jeder Blog ein Impressum braucht mit Name, Anschrift, Telefonnummer. Eine Emailadresse ist sicherlich auch sinnvoll, gerade im Medium Internet. Neben dem Impressum ist eine Datenschutzerklärung Pflicht. Ich habe beides unter „Impressum“ stehen, was rechtlich in Ordnung ist, überlege aber dennoch dem Datenschutz eine eigene Seite zu geben. Auch wer selbst vielleicht aktiv gar kein Analysewerkzeug nutzt, braucht die Datenschutzerklärung, da automatisch einige Daten festgehalten werden und spätestens die Kommentarfunktion Daten der Kommentierenden festhält.

Eine weitere Überlegung für den professionellen Blogger ist das Mediakit, in dem für mögliche Kooperationspartner Besucherzahlen etc. gesammelt werden. Auch da überlege ich, eines anzulegen, bin aber von der Umsetzung aus unterschiedlichen Gründen noch entfernt. Erstens gibt es viele Blogs mit viel größerer Reichweite, so dass ich überlege, ob es sich für Schreibtrieb überhaupt lohnt, zweitens bedeuten Kooperationspartner ja auch gesponsorte Beiträge. Einerseits gut für die Kasse, denn auch ein Blog kostet Geld, Zeit und Arbeit, ich möchte mir aber den Spaß am Bloggen durch Arbeitsdruck nicht nehmen lassen.

Die Aufmachung des Blogs gehört natürlich auch zum Merkmal eines professionellen Blogs. Keine flatternden Schmetterlinge, wenn sich der Mauszeiger bewegt, klare Strukturen, nicht zu grell. Die Rechtschreibung sollte gewahrt werden und selbstverständlich ist Regelmäßigkeit ein A und O. Ein Blog, der quietschbunt daherkommt und nur alle paar Wochen einen Beitrag hat, ist mit Sicherheit nicht per se schlecht, aber eben nicht professionell. Hierunter fällt auch, dass der Blog vom System her aktuell bleibt und beispielsweise auch auf Tablets und den klugen Mobiltelefonen gut lesbar ist.

Zum Handwerk des Bloggers gehört auch der Auftritt in den sozialen Netzwerken. Hier sollten nicht nur die Beiträge verlinkt sein, sondern auch Interaktion und Kommunikation mit den Lesern stattfinden. Interaktion sollten die Blogger auch unter sich zeigen. Die Vorstellung anderer Blogs kann Interessant sein, aber auch das Austauschen und Lesen anderer Beiträge. Wir sind ein Netzwerk!

Inhaltlich ist es wichtig, authentisch zu bleiben. Jeder Blogger hat seinen eigenen Stil und sollte dem treu bleiben. Bei mir gibt es keine Sternebewertung (ich habe gelernt, dass andere das genauso sehen, manche aber eben auch nicht) und ich habe nunmal einen Blick auf die Mutterfigur. Doch die Konzentration auf die Kernkompetenz sorgt auch dafür, dass wir zeigen, was wir können, statt zu versuchen, es anderen recht zu machen. Hier ist auch immer wieder wichtig, dass Blogger eben keine Kritiker sind. Wir kritisieren auch, wir rezensieren auch, aber auf eine andere Art und Weise und in anderem Maße. Deshalb müssen wir uns noch lange nicht mit dem Feuilleton messen. Doch auch unsere Rezensionen sollten sachlich bleiben, eine Argumentationsstruktur haben und sie dürfen auch negativ ausfallen.

Gerade wir Buchblogger sollten darum auch ruhig mal die Neuerscheinungen Neuerscheinungen sein lassen und uns auf die Bücher im Regal besinnen, die „backlist“ der Verlage noch einmal anschauen und den Fokus vielleicht auch mal auf ein Buch lenken, dass wir bisher selbst übersehen haben. Wir haben in unserem Medium die Möglichkeit, auf Bücher zurück zu greifen, die schon lange veröffentlicht sind und ihnen wieder Aktualität zu geben.

Essentiell ist aber natürlich, dass wir uns nicht verunsichern lassen. Weder von bösen Kommentaren, noch von sinkenden Reichweiten oder Monaten, in denen einfach keiner lesen will. Manchmal geht es auch beim professionellen Bloggen einfach darum, Beiträge raus zu hauen und beim Machen zu lernen. Je mehr wir schreiben, desto besser werden wir – das gilt für die Autorin in mir, wie für die Bloggerin.

Der letzte Schritt des professionellen Bloggers ist zweifelsohne der zum Geldverdienen. Den Punkt des Mediakits habe ich oben schon erklärt. Nun geht es um die Frage, was die Basisleistung des Blogs ist. Bei mir ist das ganz klar. Die Rezensionen. Ich werde mich nie für eine Rezension bezahlen lassen, meine Meinung über die Bücher, die ich lese, ist unverfälscht. Ich lese mir sogar vor dem Schreiben meiner Rezension keine anderen Rezensionen durch, um nicht von meinem Leseeindruck abzurücken. Interviews aber, Autorenvorstellungen, sonstige Beiträge, das alles ist Extra. Ob ein Blogger sich dieses Extra bezahlen lässt und wie er sich bezahlen lässt, ist eine persönliche Frage. Ich bin aber der Meinung, dass Bloggen – gerade professionelles Bloggen – auch Arbeit ist und darum ruhig bezahlt werden darf und sollte. Der Blogger ist nichts anderes als ein Freiberufler.

(Möglichkeiten für den Blogger, seine Arbeit honorieren zu lassen gibt es viele. Eine ist natürlich die Kooperation mit Partnern. Das können Buchhandlungen sein oder aber auch Firmen, Autoren, Verlage. Eine Alternative ist die, dass die Leser für die Leistung des Blogs freiwillig bezahlen. Auch hier gibt es verschieden Anbieter, die genutzt werden können. Manche erlauben es dann auch, denen, die zahlen, vorab Beiträge oder exklusive Beiträge zukommen zu lassen. )

Ich freu mich über eure Meinungen