Philosophie to go – Albert Kitzler

Dank Lovelybooks hatte ich die Möglichkeit an der tollen Leserunde zu Albert Kitzlers Philosophie to go teilzunehmen. Mit 283 Seiten, erschienen bei Pattloch 2015 hat der Autor darin Beiträge eines digitalen Rundschreibens gesammelt, das er seit 2011 täglich verschickt. (Warum allerdings dieser englische Kaffee-Ausdruck sein musste, erschließt sich mir nicht so ganz).

Albert Kitzler: Philosophie to goIn kurzen Kapiteln, die nicht länger als eine Seite sind, behandelt der Autor dabei je ein Zitat (manchmal auch sinngemäß abgewandelt) unterschiedlicher Philosophen. Im Fokus steht dabei die praktische Philosophie. Wer Angst vor großen, hochtrabenden und verschlungenen Argumentationen hat, kann diese getrost in den Wind schießen. Kitzler gibt kurze Denkanstöße, die manchmal nur von Erklärungen des Zitats und seiner zeitlichen Einordnung begleitet sind, manchmal aber auch von tiefergehenden Gedankengängen (was mir immer besonders gut gefallen hat).

Antike Philosophen, westliche wie östliche, haben die Vormachtstellung. Es gibt keine Wirtschafts- oder Religionsphilosophie, keine Begriffsphilosophie oder ethische Fragen. Viel mehr drehen sich die Zitate um das Selbs, Selbstreflexion und den inneren Einklang. „Klarheit im Getriebe des Alltags“, wie es der Klappentext verspricht, erlangt dann vor allem, wer nicht nur liest, sondern weiterdenkt, denn dazu ist das Buch da. Es ist ein Denkanstoß, eigentlich viele kleine Denkanstöße.

Philosophie to go ist kein Leitfaden zur Philosophie, kein Lehrbuch, keine philosophische Sammlung. Es sind Überlegungen, die unseren Kopf auf Trab bringen, ihn auch zwischendurch zum Philosophieren anregen, Möglichkeiten aufzeigen und andere Denkweisen. In große Themenbereiche wie Freundschaft, Gesundheit und Harmonie geteilt, zeigt der Autor dabei wie nebenbei auf, wie weitreichend die Philosophie ist, wie anwendungsreich auch im Alltag. Als kleine Mantras, die täglich zum Überlegen und eben Philosophieren anregen, verstehe ich die Kapitel, von denen es im Vorwort heißt, jedes stehe für sich, jede Seite könne beliebig gelesen werden, ohne das Vorher und Nachher zu kennen.

Tatsächlich finde ich besonders Vorwort und Nachwort sehr wichtig und interessant. Um nicht nur zu philosophieren, sondern auch etwa über Philosophie zu lernen. Denn hier gibt der Autor wichtige Informationen, Erklärungen und kommt über den Tellerrand eines Zitates hinaus. Fast möchte ich empfehlen, auch das Nachwort vor den eigentlichen Texten zu lesen. Es ist zwar, wenn man so sagen will, wissenschaftlicher, aber gerade deswegen stimmt es auf die Thematik des Buches ein und bringt auch einem Laien Philosophie als Thema näher, anstatt ihn nur aufzufordern über einige Sätze nachzudenken.

Denn großer Philosoph muss keiner sein, der mit Kitzlers kleinem Buch ein bisschen mehr Philosophie im Leben sucht. Das ist ja das Schöne. Die praktische Philosophie ist eben das: praktisch. Nicht nur dass die Sprüche wie Glückskeksweisheiten nahezu jedem etwas bringen, sie sind wesentlich vielsagender, besitzen in ihrer Kürze oft Tiefe und mit wenigen Worten gelingt es Kitzler dann diese Tiefe auch noch anwendbar zu machen, so dass aus einem Satz ein beliebig langes Selbstgespräch entstehen kann, dass nach Sekunden vorbei ist, oder tagelang dauert.

Ich kann das Buch empfehlen. Gerade in einer etwas stressigen Zeit mit persönlichen Anforderungen und dem typisch herbstlichen „Alle sind krank“, fand ich die Sprüche und die Gedanken, die beim Lesen kamen, entspannend und hilfreich. Das half mir beim Konzentrieren und beim Festhalten an mir selbst. So als kleine Mantras für zwischendurch und erst recht, wenn jemand etwas bewusster und philosophischer Leben will ist das ein guter, alltäglicher Einstieg, der kein großes Vorwissen erwartet und auch nicht mit hochtrabender Philosophie ankommt.

Ich freu mich über eure Meinungen