Palast aus Staub und Sand – Haroon Gordon

Ich bin mal wieder bei Blogg dein Buch fündig geworden und habe Palast aus Staub und Sand von Haroon Gordon gelesen, bereits im letzten Oktober bei hockebooks mit 312 Seiten erschienen. Der historische Roman war bisher sehr beliebt und ich darum auch sehr neugierig. Das Buch gibt es als ebook und gebunden.

Baptiste ist nach dem Tod seiner Frau am Boden zerstört. Hoffnung findet er erst, als er Ella ins sein Leben tritt. Die junge Frau ist auf der Suche nach Geldern für ein Waisenhausprojekt in Afrika. Ohne lange zu zögern ist Baptiste bereit, Ella zu helfen und dabei in das Land seiner Kindheit zurückzukehren. Doch dort holt ihn seine Vergangenheit ein. Er erinnert sich an seine Kindheit, in der Baptiste und sein Freund Gabriel unzertrennlich waren. An das gemeinsame Erwachsenwerden und die Entfremdung dabei. An das schreckliche Ende ihres gemeinsamen Weges.

Drei in einem

Palast aus Staub und Sand erzählt im Grunde drei Geschichten. Die vom alten Baptiste, verzweifelt, einsam, trauernd. Die von Ella, hoffnungsvoll, verliebt, am Anfang stehen. Und schließlich die Rückblende von Baptiste und Gabriel. Alle sind irgendwie miteinander verbunden und diese Komposition ist eigentlich ganz gut gewählt. Die einzelnen Fäden laufen aufeinander zu und beeinflussen sich gegenseitig sehr.

Weniger gut fand ich dagegen die Art und Weise, wie der Roman die einzelnen Geschichten zeigt. Während der gealterte Baptiste und Ella abwechselnd betrachtet werden ist die Kindheitserinnerung ein eingeschobener Teil, eingerahmt von den anderen beiden Strängen. Das wirkte etwas losgelöst und hat die Erzähldynamik der Rahmenhandlung empfindlich gestört. Der Tonus war ein anderer, die Spannung zu unterschiedlich. Regelrecht zerrissen wirkte das Buch dadurch auf mich. Das ist sehr schade, denn gerade diese eingeschobene Geschichte ist sehr schön und bewegend.

Farblose Figuren

Hier liegt aber auch ein weiteres Problem. Denn die Rahmenhandlung war das gerade weniger. Während Baptiste noch sehr klar zu greifen ist und seine ganze Existenz durch den Tod seiner Frau gestört wird, bleibt Ella farblos. Der Roman schafft es einfach nicht dieser so wichtigen Figur Farbe zu verleihen. Wie ein Abziehbild wirkt sie, jede Tiefe fehlt und ihre Liebesgeschichte wirkt genauso farblos. Zu dieser Figur und ihrem Teil der Geschichte hatte ich so gar keinen Zugang. Auch der ganze Handlungsstrang in Afrika wirkt bis zu Baptiste Erscheinen gezwungen. Er ist die Figur, die scheinbar dem ganzen Roman immer wieder Farbe verleiht.

Ich fand es sehr schade, dass hier das Potential nicht ausgenutzt wurde. Ansätze gibt es eigentlich genug, aber wenn es um Waisenkinder oder Korruption geht, um Rassismus und Ausgrenzung stellt der Roman auf Sparflamme. Hier wird berichtet, statt diese Informationen in die Handlung einzuweben. Das ist zu distanziert, zu oberflächlich, als dass ich mich wirklich in das Buch hineinversetzten könnte.

Palast aus Staub und Sand war gut zu lesen, der Stil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die Geschichte hat mich nur zu Teilen wirklich packen können und gerade wichtige Stränge und Figuren blieben für mich zu farblos. Ein historischer Roman, der ohne kitschige Liebe auskommt, aber dennoch nicht sein Potential ausreizt. Schade. Da es das Debüt des Autors ist, bleibt abzuwarten, ob zukünftige Werke hier besser ausgearbeitet sind.

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