Nüchtern steh ich das nicht durch – Lyranda Martin Evans und Fiona Stevenson

Auf meinem bunten Trip durch die Mama-Literatur bin ich auch bei Nüchtern steh ich das nicht durch von Lyranda Martin Evans und Fiona Stevenson hängengeblieben, erschienen bei Heyne im September 2015 ( also noch druckfrisch ) mit 223 Seiten.

Nüchtern steh ich das nicht durchIn 101 Episoden berichten die Autorinnen vom Leben als frisch gebackene Mutter und führen daneben Cocktailrezepte auf, die mit eine Schnullerskala versehen anzeigen sollen, wie dringend die Mutter nun diesen Drink nötig hat. Von unangenehmen Überraschungen bei und nach der Geburt, nervigen Alltagssituationen mit Kind, Mann, Familie und Fremden und sketschartigen Szenen ist hier einiges dabei. Gemeinsam haben Texte wie Drinkempfehlungen dabei vor allem eins: Sie sind mit der nötigen Prise Ironie zu genießen.

Ich sehe schon die kopfschüttelnden Leser*innen und kann euch beruhigen: Diesen Buch ist kein Leitfaden zum schnellsten Weg Alkoholiker*in zu werden. Mal davon abgesehen, dass es auch alkoholfreie Getränke gibt, stellen die Autorinnen mehr als einmal klar: Die Masse macht’s. Sie verweisen auch klar auf die Notwendigkeit das Stillen auszusetzen, wenn Mama den Wein nicht lassen kann. Das große Provozieren an der Geschichte ist also vor allem der Titel.

Und der ist schon wieder so umgangssprachlich, dass er wenig genug provoziert, um keine Kinderschütze Drohbriefe schreiben zu lassen. Denn, zugegeben, die Situation, die die beiden Autorinnen da aus dem Hut zaubern sind gleichzeitig alltäglich wie nervenaufreibend und genau solche, in denen das Klischee des Getränks zum besseren Verkraften des Schocks auf den Plan gerufen werden kann. Ob die Odysee im Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Flugzeug, die Vorstellung des Nachwuchses auf der Arbeit, die abgedroschenen Sprüche, die Mütter noch in ihre Albträume verfolgen, die Damen wissen, wovon sie schreiben.

Und, vielen Dank dafür, sie machen nicht etwa ihre Kinder verantwortlich. Hier ist endlich mal nicht das Kind der Böse, selbst nach durchgezechten Zahnungsnächten, fallen neben den Worten der Erschöpfung noch die des Verständnisses. Mehrere Seiten werden hier aufgezeigt, was ich durchaus nett fand.

Etwas irritiert hat mich, dass sich die Kapitel an das Kind richten, es mit „du“ ansprechen und dementsprechend von Mann und Frau nur in Bezug auf Papa und Mama sprechen. Die Cocktailrezepte und die Schnullerskala richtet sich dann aber wieder an die Eltern. Da hat sich im Übrigen auch die Ironie durchgesetzt. Das Erwachsenen-Fläschchen, das Krippen-Tonikum und der Baby-Belly-ni sind nur einige der abgewandelten oder neu erfundenen Rezeptnamen.

Als lustiges Geschenk an Schwangere und (Neu-)Eltern mit Humor durchaus zu empfehlen, bitte nicht zu ernst nehmen und im schlimmsten Fall den Ärger mit etwas Flüssigem runterspülen.

Ich freu mich über eure Meinungen