Nebelring – die Magie der Silberakademie – Anna Moffey

Auf diese Fortsetzung habe ich mich sehr gefreut. Immerhin hat mir der erste Band, Das Lied vom Oxean, wirklich gut gefallen. Nun habe ich auch Die Magie der Silberakademie verschlungen, 350 Seiten im Selbstverlag.

Zoe kommt an die Silberakademie und ist sofort ein Kuriosum. Die anderen Studenten lassen sie spüren, dass sie unerwünscht ist. Ausgerechnet ihr Pate ist der Bruder der Frau, die ihre Freundin umgebracht hat und ernennt sich zu Zoes neuem schlimmsten Feind. Doch unerwartete Hilfe bekommt sie nicht nur von Bess‘ Bruder Lupa sondern auch von der Tochter des Präsidenten, die selbst so einige Geheimnisse hat. Zoe ist gewillt, durchzuhalten, aber sowohl der Nebelring, als auch die Rebellen vom Oxean wollen sie für ihre Zwecke instrumentalisieren.

Meine Lektüre des ersten Bandes liegt schon etwas zurück, trotzdem habe ich mich schnell und gut in die Handlung eingefunden. Der Plot knüpft nahtlos an den ersten Band an und Zoes Gefühlslage ist unverfälscht. Das macht das Wiedererkennen der Figuren leicht und garantiert einen zügigen Einstieg. Schwerer hatte ich an der Gegenwartsform der Sprache zu beißen. Irgendwie scheint alles gleichzeitig zu geschehen und das stetige „Jetzt“ hat es mir schwergemacht, die Reflexion der Figuren nachzuvollziehen. Das ist aber eben auch eine persönliche Sache.

Gut fand ich, wie Zoes Entwicklung von statten geht. Aus dem naiven Mädchen des ersten Bandes ist eine junge Frau geworden, die vermisst und immer noch mit Herz und Seele Tochter ist, aber auch ihren eigenen Weg sucht. Sie lässt sich nicht einfach in eine beliebige Richtung ziehen, sondern versucht immer, ihren eigenen Blick zu bewahren. Damit imponiert sie nicht nur ihren literarischen Mitmenschen, sondern auch dem Leser, der als Alternativen nur Extreme vorgeführt bekommt, gegen die Zoe sich gekonnt wehrt.

Dass dabei nicht alles so ist, wie sie immer geglaubt hat, zeigt die Tiefe der Geschichte und die Schichten der Charaktere und Handlung auf. Sehr schön ist, dass diese Entwicklung sich nicht auf die Hauptperson beschränkt, sondern Stagnation bei den Charakteren des Buches keinen Raum hat.

Waren im ersten Band die Grenzen und Gut und Böse noch klar ausgelotet, hier verschwimmen sie und sorgen für Stoff zum Nachdenken bei Zoe wie beim Leser. So wird das Böse in jedem von uns Personifiziert und in den lebendigen Schatten dargestellt. Interessant finde ich auch Zoes Mutterkomplex. Dass sie versucht, ihren Vater zu retten, ist ja bereits aus dem ersten Band bekannt, hier aber wird die „Wahlmutter“ endgültig abgesetzt. Stattdessen fühlt Zoe sich zur Ärztin und neuen Dozentin an der Akademie verbunden und sucht im Grunde permanent eine Möglichkeit, sich über Verbote hinweg mit ihr auszutauschen.

Ihr seht, die Fortsetzung hat mir sehr gut gefallen und ich bin lesehungrig auf den dritten Teil.

Kommentare

    • Liebe Karin,
      Der Roman spielt in einer fantastischen Welt, also ist deine Frage nicht so leicht zu beantworten. Ich finde die Gesellschaft teilt sich in Arbeiter, Händler etc. auf der einen Seite und Ärzte, Greifer (im Grunde eine Art Elitesoldaten) auf der Anderen. Außerdem gibt es Magier, berühmte Schauspieler und Politiker, Journalismus und Dienstleister. In Zukunft oder Vergangenheit ist der Roman so also nicht zuzuordnen.

Ich freu mich über eure Meinungen