Nebelring – Anna Moffay

Nebelring – Das Lied vom Oxean von Anna Moffay ist mit 387 Seiten nicht nur ein beeindruckendes Werk einer Indie-Autorin, sondern auch der Auftakt – denn die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende.

Zoe lebt mit ihrem Vater in einem Sanatorium, denn ihr Vater wurde vergiftet und vegetiert seitdem vor sich hin. Nach ihrem sechzehnten Geburtstag regt sich der Aufstand, dem ihr Vater angehört hat, plötzlich wieder und verteilt Flugzettel, die angeblich von Zoe stammen sollen. Unvermittelt in den Kampf mit den Mächtigen der Stadt und den Silbermagiern getrieben, flieht Zoe mit ihrem Vater, dem Geschichtensammler Taik, einer Ärztin und Bess, einem Freund. Dabei erkennt sie, dass die Welt außerhalb des Sanatoriums grausam und erschreckend ist, dass Erkrankte ausgebeutet werden und niemand wirklich nach einer Hilfe für sie sucht. Ihr einziger Weg scheint der, direkt zur Silberakademie und dem Nebelring, um dort zu lernen, wie eigentlich alles begann.

Ich bin sehr positiv überrascht. Der Roman ist aus der ersten Person erzählt, im Präsens. Dennoch wirkt der Stil nicht einfach oder kindisch. Es wird schnell viel Nähe mit Zoe aufgebaut, die ihre Gefühle immer mit dem Leser teilt. Zusammen mit Zoe erfährt der Leser so, welche Probleme es gibt und welche Wege eingeschlagen werden. Immer wieder gibt es dabei Wendungen und Überraschungen, neue Erkenntnisse, die Zoes Überlegungen antreiben. Wichtig dabei ist nicht nur die Ärztin, die Zoe gerne ebenfalls in der Medizin sehen will, oder Taik, der Zoes Magie, mit einer Flöte Illusionen herbeizaubern zu könne, nutzen will, um einem Geheimnis auf die Spur zu kommen, sondern auch die gegnerische Seite, über die Zoe nach und nach allerhand erfährt.

Episch angelegt werden hier allerlei Geschichten angelegt, die den Roman immer wieder vorantreiben, ohne ihn vom eigentlichen Ziel abzubringen. Wie die Frage nach Zoes leiblicher Mutter oder die nach ihrer Vergangenheit mit Bess, an die sie sich nicht mehr erinnert. Dabei ist es (leider) nach diesem Roman wichtig, zu wissen, wie es weiter geht. Der Band steht also nicht für sich allein, sondern braucht die noch nicht erschienenen Folgebände, um die Geschichten abschließen zu können.

Die einzelnen Figuren sind dabei stark angelegt und haben immer wieder Zeit, ihren Charakter zu festigen, ohne, dass eine in Mittleidenschaft gezogen würde. Zoe als fragende und sich wandelnde Figur in deren Mitte ist dabei Dreh- und Angelpunkt, ohne zu passiv oder zu aktiv zu sein. Das ist gut getroffen und macht den Roman umso interessanter. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es weiter geht.

Kommentar

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