Mut zur Lücke, liebe Eltern – Silia Wiebe

Kein Mutterbuch, ein Elternbuch sollte es sein und so habe ich mich für Silia Wiebes Mut zur Lücke, liebe Eltern entschieden, 144 Seiten im Kösel-Verlag.

Silia Wiebe spricht von einer hippen Elterngeneration, die alles packen will. Kinder, Arbeit, Freizeit, Partnerschaft – sprich die Vereinbarungs-Eltern, die immer nur sehen, was sie gerade nicht mehr geschafft haben, immer im Stress sind und doch nicht fertig werden. Mit verschiedenen Erfahrungsberichten, Rezepten, Tipps und Interviews gibt sie hierbei im Grunde nur einen Rat: Nehmt alles nicht so wichtig und lebt ein bisschen mehr.

Die Grundaussage des Buches gefällt mir sehr gut. Schon allein, dass die Eltern, die versuchen, alles unter einen Hut zu bekommen, hier nicht gleich als überforderte Helikoptereltern ausgeschrieben werden, hat mir gefallen. Stattdessen sind sie hier „cool“ und jugendlich, erfrischend und erfolgreich. Erst auf den zweiten Blick sieht der Leser dann, dass nicht alles Gold ist was glänzt, dass auch der Zwang zur „Coolness“ dafür sorgt, dass nichts mehr wirklich locker ist. Der Einstieg ist darum wirklich gut gewählt und ansprechend.

Etwas schwieriger war es für mich den Rest des Buches damit in Einklang zu bringen. Zum einen sind die unterschiedlichen Kapitel teilweise ohne großen Zusammenhang aneinandergereiht. Hier ein Bericht, da ein Rezept und hier ein paar lustige Anekdoten – den tiefen Sinn hinter diesen habe ich dann auch nicht immer gleich verstanden. Aufzeigen, wie es nicht geht? Oder einfach ein Beispiel für manche, die es noch schlimmer treiben, als ich? Kurz: Was soll das denn jetzt?

Während der Stil angenehm wertungsfrei und flüssig bleibt, wandelt der Inhalt zwischen banal und interessant. Großes Manko aus meiner Sicht: Obwohl in Überschrift, Klappentext und Einleitung „Eltern“ angesprochen werden, geht die Autorin doch schnell dazu über von „gerade uns Müttern“ zu sprechen und den Vater in die zweite Liga zu verbannen. Auch ein Gespräch mit ihrem Mann, dass ein Kapitel darstellt, hilft da nicht viel, sondern zeigt viel mehr, wie verhärtet die Fronten „Hausfrau“ – „Arbeitsmann“ auch hier sind.

Ein im Grunde vor allem unterhaltsames Büchlein, dass etwas den Druck nehmen will, den Sprung zur „Elternliteratur“ aber nicht wirklich schafft. Schade.

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6 Kommentare

  1. Hallo und guten Tag,

    hihi….. Du kommst wieder zu Deinem Lieblingsthema zurück!

    Ich persönlich, bin da so überhaupt kein Fan solcher Literatur.
    Denn was bringt sie den Leuten letztendlich? Nette Lacher oder Kopfschütteln, wie Eltern heute in unserer Gesellschaft ticken…

    Traurig/wütend/sauer macht es mich, wenn ich in der TZ wieder von einer Mutter lesen muss, die Disco ihrem 4.jährigen Sohn vorgezogen hat……..

    LG..Karin…

    1. Eva-Maria Obermann

      Liebe Karin,

      ich finde, da muss schon differenziert werden. Auch Mütter sind Menschen und haben eine Recht auf Freizeit und Ausgehabende. Kindesvernachlässigung oder -Misshandlung ist dagegen ein anderes Thema, dass meiner Meinung nach nicht so pauschalisiert werden sollte.

      1. Hallo Eva-Maria,

        meistens haben die Menschen in unserer Zeit sehr schnell ihre Rechte als Erklärung für mögliches Fehlverhalten zur Hand. Sorry…

        Aber klar sind Mütter auch Menschen, aber mit der Geburt eines Kindes sollte man nicht immer nur aus „sein Recht“ pochen…..

        LG…Karin…

        1. Eva-Maria Obermann

          Liebe Karin, aber gerade dann ist es doch wichtig, dem Kind zu zeigen, dass das eigene Leben nicht mit der Geburt des Kindes endet, sonst ist es kein Wunder, wenn Kinder als unliebsame Klotz am Bein betrachtet werden

          1. Nun Eva-Maria,

            das Leben endet nicht mit einem Kind, aber ich denke mir, da sollten viele Leute mal von ihrem Egotrip wegkommen….

            LG…Karin…

          2. Eva-Maria Obermann

            Liebe Karin,

            absolut – wenn das auch für die Eltern gilt, die ihr Ego durch ihr Kind und dessen Leistung definieren.
            LG
            Eva

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