Mama, du bist ein Easterbunny

Ich starte mal einen Versuch, jede Woche – sofern es geht – einen eher kolumnistischen Beitrag einzustellen. Themen werden Kinder, Arbeit, Partnerschaft, Sprache und was mir sonst so einfällt sein. Mal schauen, wie das bei euch so ankommt:-)

Nachdem mein Ältester es sich gestern mit einer englischen Ausgabe des lustigen Taschenbuchs auf die Couch verkrümelt hatte, war er wohl auf dem Trip. Beim Abendessen dann: „Mama, du bist ein Easterbunny“. Ich protestierte empört. Ich bin ja vieles, aber kein „Bunny“. Immerhin denkt unser Erwachsenenkopf dann gleich an Playboyvilla, minimalistische Hasenkostüme und die zu Püppchen degradierden Lebewesen darin. Nichts, von dem mein Sohn eine Ahnung hat. Aber ich bin auch nich flauschig und harmlos (was nur sagen kann, der noch nie von einem richtigen Hasen getreten wurde). Und ich bin auch keine seltsame Kreatur, die als Säugetier Schokoladeneier „legt“ (jaja, jetzt denkt der Erwachsenenkopf wieder eine Stufe weiter, aber lassen wir die Toilette mal aus dem Spiel). Ich bin kein Häschen und erst recht kein Easterbunny.

„Du bist vielleicht ein Easterbunny“, kontere ich und frage mich insgeheim, wann unser Abendessen mulitlangual geworden ist. „Nein, eher ein Easteregg“, setzte ich nach und ernte einen verständnislosen Blick. „Was heißt das?“ „Osterei“ „Und warum soll ich ein Osterei sein?“ „Weil du zwei Wochen nach Ostern Geburtstag hast – bis dahin warst du ausgebrütet“. Das findet er wiederum viel lustiger, als seine Mutter zum Hasen zu machen. „Und was bist du dann?“ „Ein Maiglöckchen“ wird vorgeschlagen. Damit kann ich leben. „Giftig“, kommentiere ich noch und zwinkere meinem Jungen zu. Der versteht zwar noch nicht, dass selbst ein Häschen Biss braucht, will aber gleich wissen, wie giftig so ein Maiglöckchen ist und damit ist der Osterhase quasi gegessen.

Dass wir Frauen und Mädchen aber immer noch gerne mit niedlichen Tieren vergleichen und sie damit gleichermaßen in eine niedliche, harmlose und beschützenswerte Form pressen, finde ich dagegen auch im nachhinein noch bedenklich. „Maus“ sage ich zu meiner Tochter, wie meine Mutter früher zu mir. „Häschen“ gibt es. „Schneckchen“, „Vögelchen“ oder Ähnliches. Männer dagegen sind „Bären“ oder „Tiger“. Raubtiere, starkt, mächtig und mit kuscheligem Fell (zumindest in unserer Vorstellung). Zeigt sich da nicht schon, wie weit der Weg zur Gleichberechtigung und vor allem Gleichwertigkeit noch ist?

Im Kindergarten übrigens nennen die Erzieherinnen die Mädchen selten Maus. Dort heißen sie „Gretel“ oder „Hexe“. Ein Massaker gab es trotzdem noch nie^^ Denn Mädchen haben ganz schön Energie und ihren männlichen Kollegen weder im Raubtierverhalten noch im Kuschelbedürfnis unterlegen. Trotzdem haben sie sich alle an Fasching (nahezu außnahmslos) als Prinzessin verkleidet, ihren Plastiktüll glatt gestrichen und sich bestaunen lassen. Alle, außer meine Kampfmaus, die war ein Drache. „Schau, da sind alles Prinzessinen“, habe ich zu ihr gesagt. „Und du bist der Drache und frisst sie alle auf“, woraufhin die Erzieherin ganz meiner Meinung war. Die Ellenbogen meiner Tochter hatte mein Ältester nie.

Bestehende Muster, die auch uns groß bekommen haben, aufzubrechen und neue Wege zu gehen – auch hinsichtlich der Kosenamen für Frauen und Männer – ist natürlich nicht leicht und viele mögen ihre Köpfe schütteln, wenn ich so beharrlich darauf bestehe eben kein „Easterbunny“ zu sein. Doch ich bin bekanntlich sturr und eben lieber ein giftiges Maiglöckchen oder ein prinzessinnenfutternder Drache.

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