LitBlogCon 2017 – Ein Sonnentag in Köln

Es war ein Tweet von Anna (Buchstabenträumerei), über den ich gestolpert bin, durch den ich auf die diesjährige Literatur Blogger Convention bei Bastei Lübbe am 10.06 in Köln das erste Mal aufmerksam wurde. Ohne groß zu überlegen kaufte ich mein Ticket, setzte den Vermerk in den Kalender und war selig. Köln ist von mir aus sehr gut zu erreichen, alles, was in München, Berlin, etc. passiert dagegen nur schwer machbar, da dann Übernachtungen usw. anfallen. Dann muss ich Kinderbetreuungen organisieren, auf die Zeugnissformulierungszeiten des Gatten achten – kurz: Köln ist in dem Bezug ideal gelegen.

Begrüßung am Hauptbahnhof in Köln: Der Dom und strahlender Sonnenschein
Endlich da: das Gebäude von Bastei Lübbe in Köln

Frühzeitig machte ich mich auf den Weg (8 Uhr am Samstagmorgen fuhr mein Zug) und freute mich wie ein Kind an Weihnachten. Vorab hatte ich mir schon ausgesucht, in welche Vorträge ich wollte und habe es tatsächlich in alle geschafft. Dabei waren diesmal neben Lübbe Diogenes, DuMont Kalenderverlag, Kiepenheuer und Witsch (KiWi) und Community Editions.

Offline vernetzt

Bevor ich aber zu den einzelnen Berichten komme, gilt es zu sagen, dass die größte Freude (ja, klar wir haben alle ein riesiges Goodiepack bekommen und uns wahnsinnig gefreut) es war, Buchmenschen kennen zu lernen, wieder zu treffen oder zum ersten Mal offline zu sehen. Janine von Kapriziös beispielsweise habe ich schon in der ersten Veranstaltung getroffen und freue mich sehr, sie in Heidelberg in zwei Wochen wieder zu sehen. Auch Saskia von Who is Kafka darf ich auf dem Literaturcamp Heidelberg treffen und habe sie in Köln schon kennen gelernt.

Offline Vernetzen auf der LitBlogCon 2017

Eine große Freude war es, Anna von Buchstabenträumerei zu treffen und mit ihr die Buchbloggergruppe, mit der sie unterwegs war, Nise von Kitsunebooks, Juliane von I am Jane, Julia von Literameer, Nanni von Fantasie und Träumerei, Svenja von Pan Tau Books, Franziska von Büchertatzen, Bianca von Literatouristin, Ingrid von Buchsichten, Jule von Jules Leseecke, Mara von Buzzaldrins Bücher, Markus von Literaturlounge, Meike von Zeilenfuchs, Michi von Bücherschmöker, Nicci von Trallafitibooks und Silvia von Leckere Kekse. Es war großartig und von diesen Bloggertreffen kann ich einfach nicht genug bekommen.

1)      Handlettering

Spätestens seit Dani von Brösels Bücherregal mich mit dem Bullet Journal angesteckt hat, versuche ich mich immer wieder an Handlettering. Auch Kalligrafie finde ich wunderschön, habe hier Federn und Tinte und nutze es immer mal wieder. Doch so schön, wie ich es gerne hätte, wird es am Ende selten, also war ich sehr gespannt, was Grafikerin Suse Engel uns erzählen würde. Der Raum war schnell voll. So schnell, dass wir am Ende noch ein paar Stühle an die Ecken schoben. So konnte auch ich noch teilnehmen. Da das Material begrenzt war, musste ich die Anleitungen bei meiner Sitznachbarin abschauen. Die wenigen Tipps, die es gab, waren Gold wert.

volles Haus in Köln bei LitBlogCon17

Die meiste Zeit übten wir daran, sie umzusetzen – und das ist gar nicht so einfach. Beim Runterfahren mit dem Stift immer eine dicke Linie, beim Hochziehen eine dünne, zwischendurch absetzen, um den Griff zu ändern. Denn das wohl schwierigste ist, den Stift wirklich richtig zu halten. Die Buchstaben werden gemalt, nicht in einem Rutsch geschrieben. Das ist Aufwendig, dauert und erfordert schlicht Übung. Etwas schade fand ich, dass wir nur eine Schrift probiert haben und die Fülle an Möglichkeiten beim Handlettering zwar kurz angesprochen wurde, es dazu aber weder Übungen noch Material gab.

2)      Perfekt unperfekt

Danach ging es im gleichen Raum weiter. Ein Gespräch mit Caroline Brinkmann über das Thema „Perfektionismus im YA-Kosmos“ war angekündigt und dieses Thema der Normierung hin zu einem gesellschaftlichen Ideal in Jugendbücher hat mich sehr interessiert. Ein paar Fragen an die Teilnehmer*innen zu Beginn sollten ein Gemeinschaftsgefühl wecken, aber auch unsere Unterschiede zeigen. Viele mochten Fantasy, wenige Krimis und Thriller, Tee und Kaffeetrinker hielten sich die Wage, erstaunlich wenige meldeten sich als Nutzer von Instagram. Der eigentliche Vortrag war dann auch eher eine Buchvorstellung.

Im Herbst erscheint Caroline Brinkmanns Die Perfekten und das Buch klingt wirklich interessant. In einer Welt, in der die Menschen anhand ihres genetischen Codes klassifiziert werden (Brave New World lässt grüßen), lebt Rain, die nie getestet wurde. Sie will dazugehören, wird aber verraten. Die Autorin schaffte es, das 600 Seiten dicke Buch auf 60 Sekunden runter zu brechen, um den Kern zu vermitteln. Das ist nicht leicht und machte neugierig.

Caroline Brinkmann und ihre Lektorin Lisa Engels
Diskussion gesucht

Ja, die Veranstaltung hat mich neugierig auf das Buch gemacht. Aber die eigentliche Diskussion um Perfektionismus blieb aus. Lediglich die Autorin selbst erklärte, dass sie genau das so am Genre stört und sie deswegen dieses Buch geschrieben hat, in dem es unterschiedliche Formen von Glück gibt – und die haben nichts mit perfekten Genen zu tun. Caroline Brinkmann ist Ärztin. In ihrem Buch greift sie die aktuellen und nahen Möglichkeiten der Forschung auf und deutet an, was darüber hinaus möglich ist. Dabei kritisierte sie die Oberflächlichkeit von Casting-Sendungen. Ein Baby auf Bestellung, die Überlegung, ob dann Augenfarben zum Trend werden, warf sie dabei auf.

Die Frage, was Perfektionismus ausmacht, warum er in YA-Büchern immer wieder genutzt wird, warum jeder Protagonist ausgesprochen gutaussehend, muskulös oder auserwählt sein muss fiel aus, wurde nicht beantwortet, auf die Seite geschoben mit der Begründung, das sei zu viel für so eine Runde. Hier geht die Kritik eindeutig Richtung Veranstalter.

Dafür ging es noch ein bisschen um die Autorin und die verzweigte Geschichte, wie das Buch überhaupt zum Verlag kam. Ihr erstes Manuskript hat Caroline Brinkmann so an den Mann gebracht, wie es Autoren immer abgeraten wird. Auf der Buchmesser. Auch „Die Perfekten“ hatte einen holprigen Start. Von einer Agentur abgelehnt, überarbeitete die Autorin das Manuskript und schickte es nochmals ab. Durch Zufall las es der Sohn der Agenturbesitzer und überzeugte die Eltern, das Manuskript aufzunehmen. Viel Glück also, Hartnäckigkeit und Mut zum Unperfekten verhalten auch Caroline Brinkmann zum Verlagsvertrag.

3)     Verlagsvorstellung oder Social Media
Irrungen und Wirrungen in Köln auf der LBC17

Angekündigt mit „Bücher, Hashtags und Social Media“ war der Vortrag der YouTuberin Sarah Liz. Ausdrücklich stand im Programm „Sarah Liz gibt Tipps, wie man Bücher- und Online-Welt vernetzten kann“. Die wahrscheinlich im Vorfeld populärste Veranstaltung der LitBlogCon musste wegen des immensen Andrangs ins Foyer umziehen. Und enttäuschte dann maßlos. Die erste Hälfte ihres Vortrags verbrachte Sarah Liz, die auf YouTube nicht über Bücher spricht, damit, uns den jungen Verlag Community Editions vorzustellen.

Sarah Liz kannte sich bei Buchbloggern überhaupt nicht aus

Community Editions verlegt explizit Bücher von Influencern, YouTube Stars mit großer Reichweite. „Ihr seid ja alle keine Influencer“, fügte die Vortragende an und setzte schnell ein „noch“ hinzu. Danke vielmals. Und das von einer Frau, die zu Beginn ihre hohe Reichweite damit erklärte, dass sie sehr schnell „Follower“ gewinnen konnte, weil sie in einer YouTuber-WG lebt und ihr Freund ein angeblich berühmte YouTube-Comedian ist. Die Andeutung, sie hätte sich ihre Reichweite regelrecht erschlafen sollte vielleicht witzig werden, wirkte aber billig. Wenn nicht mal sie sich hinstellen kann und behaupten, dass sie ihre Reichweite ihren Videos verdankt, dann frage ich mich ernsthaft, was ich von ihr lernen soll.

Antwort: Nichts.

Denn Sarah Liz hat von Social Media scheinbar so wenig Ahnung, wie von Büchern und Buchbloggern. Ihre Tipps an Autoren (begleite den Entstehungsprozess deines Buches auf deinen Social Media Kanälen) oder Blogger (nutze den Hasthtag zum Buch, markiere den Autor und den Verlag) waren simple Basics. Die Idee, dass sich Emotionen doch so gut verkaufen und die Videos, bei denen sie weint, die meisten Klicks hätten, sorgte dann auch eher für Kopfschütteln. Warum Inhalt, wenn es Tränen gibt.

Soweit, so lustig.

Gut, sie wusste vorher nicht, wie versiert wir sind, aber ich war nicht die einzige, die sich leicht verarscht vorkam. Zumindest ihre Gegenüberstellung der verschiedenen Social Media Kanäle war simpel, aber treffsicher. Ihr Vorschlag, Buchblogger sollten sich zu einer Sammelrezension zusammenschließen, bei der jeder eine Seite eines Buches rezensiert dagegen erzeugte maßlose Bestürzung. Vielleicht hat Sarah Liz diesen Vortrag aufgebrummt bekommen, vielleicht wusste sie selbst nicht, was ein Buchblogger macht. Aber es ist doch nicht so schwer, sich da zu informieren, immerhin arbeitet sie in einem Verlag. Das war definitiv der Tiefpunkt des Tages und wir blieben entsetzt zurück.

4)      Bookstagram

Das einzige Gute am Vortrag davor, der die reinste Realsatire war, war, dass auch der nächste nicht im kleinen Raum im dritten Stock stattfand, sondern ebenfalls im Foyer. Denn auch bei Books & Co auf Instagram gab es einen riesigen Andrang. Enja Jans und Sandra Albert von MOKA – Das Büchermagazin erzählten über verschiedene Stile, Möglichkeiten und Effekte bei Instagram. Das war Inspiration hoch zehn und ich suchte synchron zu den tollen Bildern und Vorstellungen in der Präsentation die Accounts heraus, die mir gefielen und folgte sofort. Einfach, weil die Fülle an genialen Beispielen so immens war und ich gleichzeitig ins Überlegen kam.

Super Tipps, toller Vortrag

Mein Instagram Account beschäftigt sich ja genauso mit meinen Büchern wie mit denen, die ich lese. Ganz einheitlich ist mein Stil dadurch noch nicht und ich teste mich noch aus. Aber die großartigen Ideen und Tipps, die wir beim Vortrag bekommen haben, werde ich in Zukunft versuchen, umzusetzen. Beispielsweise zu den großen Hastags wie #bookstagram, #flatlay, #booknerd etc. auch kleine zu setzen. Gerade beim Ausprobieren die großen Accounts nicht aus den Augen zu lassen und die zu markieren, wenn ein eigener Beitrag in deren Schema fällt. Auch hier ist Vernetzung elementar. Kommentieren, Markieren, durchaus auch teilen, sofern der Urheber klar ist (ich nutze dafür beispielsweise die Repost-App).

MOKA auf der LitBlogCon

Bildvorschläge, Feed-Checkliste und ein Plädoyer für Instagram-Stories. Ich war beflügelt und bin immer noch begeistert. Der Vortrag hat vieles von dem beinhaltet, was ich mir auch für den vorigen gewünscht hätte. Schaut euch MOKA an – es ist genial!

5)      Zero Waste

Der letzte Vortrag war von Milena Glimbovski, der Gründerin von Original Unverpackt in Berlin, deren Buch „Ohne jeden Abfall“ im Herbst bei KiWi erscheint. Sehr sympathisch erzählt die junge Frau zu den Fragen ihres Lektors von der Idee, ihrem Leben, ihren Ansichten. Mehrmals durften wir kurze Absätze auf dem Buch hören. Ein besonderes Erlebnis, denn bis auf ihre engsten Freunde und den Verlag hatte diese Zeilen noch niemand gehört.

Wir hörten von der Geburt der Idee, die von ihrem Eingangsscherz, dass sie Original Unverpackt gegründet habe, um „für faule Menschen wie mich, die den Müll nicht runter bringen wollen, eine Möglichkeit zu schaffen, dass sie ihn gar nicht erst runterbringen müssen“, gar nicht so weit weg ist und auch, dass den Keim dieser Idee die Kindersendung „Löwenzahn“ gelegt hat.

Milena Glimbovski und ihr Lektor Christian Neidhart

Ehrlich und weit weg von einer vehementen Müll-Vermeidungs-Amazone, sagte Milena, dass sie nicht ohne Müll auskommt, aber zwischen 5 und 20% des durchschnittlich anfallenden Mülls pro Person erzeugt. Und auch, dass sie Kondome und ab und an die Lieblingsnaschereien nur wegen des Plastiks nicht für verwerflich hält. Auf der andren Seite nutzt sie Zahnbürsten aus Bambus, die auf den Kompost können und Zahnpastatabletten, um nicht auf Tuben angewiesen zu sein.

Es war eine sehr unterhaltsame, interessante und faszinierende Runde. Eine, die nicht am Müll stopp machte. Neben der Anregung, eigene Behälter zum Einkaufen und auch in Restaurants für die Reste mitzubringen, wurde auch nach fairen Produkten gefragt, beispielsweise bei Kleidung. Und zumindest auch eine, die auf noch mehr aufmerksam machte, als die Notwendigkeit, mehr auf Müll zu achten. Denn zu meiner großen Freude erschien Milena im Female Future Force Shirt von Edition F.

 Fazit

Meine erste LitBlogCon war im Rückblick sehr schön. Die meisten der Vorträge waren interessant und informativ. Ich hätte mir gewünscht, dass die Ankündigungen etwas ehrlicher wären. Ich habe kein Problem damit, wenn eine Buchvorstellung oder eine Verlagsvorstellung angekündigt wird, sowas ist auch interessant. Aber eine Diskussion oder Inhalt zu versprechen und dieses Versprechen nicht zu halten, ist auf Dauer eher schädigend. Doch mein Fazit ist für mich so positiv, dass ich nächstes Jahr gerne wieder nach Köln komme.

Das war alles drin: der Inhalt meiner Goodiebag von der LBC17

Kommentare

  1. karin

    Hallo und guten Tag,

    na ja alles wohl eher für Blogger &Co ….aber nichts für mich als normale Leserin oder? Zumindest das Goodie -Bag ist ganz nett….hat doch sicherlich Eintritt gekostet oder?

    LG..Karin…

  2. Julia | Literameer

    Liebe Eva,

    dein Artikel ist richtig, richtig toll geworden.

    Den Kommentar von Sarah Liz darüber, wie sie ihre Reichweite erlangt hat fand ich auch ziemlich daneben und kein bisschen witzig. Ich weiß nicht ob sie witzig sein wollte, ob sie einfach unsensibel und unbedarft ist oder ob sie provozieren wollte, aber ich verstehe nicht, wie eine Frau so eine Aussage treffen kann. Und auch wenn es ehrlich ist, lässt sie das als Referentin sehr unprofessionell wirken.

    Aber zum Glück war der Rest des Tages gelungen. Deinen Einblick in die Session mit Milena Glimbovski klingt auch sehr interessant.

    Liebe Grüße
    Julia

    • Danke Julia,
      Von tollen Bloggerkolleginnen Lob zu bekommen ist immer besonders schön.
      Ich glaube, Sarah Liz hatte keine Ahnung, was auf sie zukommt. Sie wollte das Eis brechen und ist dabei regelrecht eingebrochen. Nach der Äußerung konnte ich sie nicht mehr ernst nehmen und ihr Vortrag hat ja auch gezeigt, dass sie von Buchbloggern und auch Buchvloggern keine Ahnung hat. Ich hoffe, die Veranstalter haben das auch gemerkt.
      Milenas Part war wirklich toll und das Buch wird im Herbst definitiv gelesen 😉

      LG
      Eva

  3. Pingback: Die LitBlog Convention 2017 – Was habe ich erlebt? – Sinas Geschichten

  4. Ich bin aus dem Vortrag von Sarah Liz auch mit einem Kopfschütteln herausgegangen … auf diesen Vortrag hatte ich mich nämlich am meisten gefreut, weil ich mir dachte, dass ich mir als Buchblogger-Neuling dort einige wichtige Tipps und Tricks abschauen könnte….
    und dann war ihr einizger Tipp quasi, dass man doch entweder seine eigene Reichweite, oder die Reichweite von Freunden nutzen soll. Da musste ich fast laut lachen.

    Ich muss deinem Fazit auch zu 100% zustimmen: Die LitBlog Con war toll, aber die Themen hätten ehrlicher angekündigt werden können!

    LG Sina

  5. Wortlichter

    Danke für deine Einblicke in die Lit Blog Con. Schade dass ich nicht dabei war. Aber alles ist so weit weg :/
    War sicher ein tolles Erlebnis, so viele tolle Buchmenschen live zu erleben. 🙂

    Liebe Grüße, Anja

Ich freu mich über eure Meinungen