Krummbüchel und die Baustelle des Lebens – Ulrich List

Bei editionfredebold bereits 2014 erschienen ist der Gedichtband Krummbüchel und die Baustelle des Lebens von Ulrich List, 152 Seiten voll mit Gedichten.

Ulrich List: Krummbüchel und die Baustelle des LebensDie Gedichte erzählen konsequent vom Bauarbeiter Krummbüchel, die Themen dahinter sind vielfältig. Beziehungen, Alter, Familie, Politik, Gesellschaft. Ein großer Rundumschlag in die Welt der Diskurse. Außerdem gibt es ein Kapitel mit dialektalen Gedichten zu Köln.

Der Klappentext behauptet, der Autor selbst schlüpfe in die Rolle Krummbüchels. Da bin ich vorsichtiger. Krummbüchel, lyrisches Er/Du/Ich, zeigt selten Gefühle. Viele Texte zeigen deutliche Kritik, das Medium Lyrik wird dabei nicht ausgenutzt, lieber geht es mit dem gewaltigen Zaunpfahl gegen diese und jene Missstände. Korruption, Scheidung, Stammtische, Gesellschaft. Allzu oberflächlich nach meinem Geschmack. Auch die Fähigkeiten der Lyrik, die Tropen, Reimformen, Rhythmen, werden nicht ausgenutzt, bleiben zumindest ähnlich. Ein Stil, auf jeden Fall, ein einfacher aber.

Das ist schade, die Themenvielfalt hätte mehr Eindruck verdient. Auch die oft kalauernde Sprache mag ab und an passen, banalisiert die Aussage aber allzu sehr. Die Kritik wird lächerlich gemacht und der große Sinn der Gedichte selbst in Frage gestellt. Dabei sind die eingesponnenen Witze oft alt und nicht besonders aufregend. Im Grunde nimmt der Text sich so sehr viel.

Handwerklich sind die Gedichte dabei keinesfalls schlecht. Der jeweilige Rhythmus stimmt, das Reimschema wird eingehalten, die Betonungen sitzen. Trotzdem bleiben sie oft simpel und das Gefühl kommt auf, dass der Dichter durchaus zu mehr in der Lage wäre.

Lyrik ist eine Herzenssache. Kritik daran zu üben ist immer ein sehr subjektiver Vorgang. Der stetige Kalauer ging mir relativ schnell auf die Nerven. Als ob der Dichter sich eine eigene lyrische Meinung nicht zutraut, verpackt er sie immer in einen müden Scherz und setzt noch Krummbüchel als Zwischenfigur ein, die ein Gedicht, das ohnehin ein vom Autor getrennt zu betrachtendes lyrisches Ich hat, im Grunde nicht benötigt.

Als kleine Kapriole zwischendurch mag so ein Gedicht schon durchgehen. Geballt im Buch wirken sie zwanghaft komisch im Kritisieren und ermüden.

Ich freu mich über eure Meinungen