Gute Nacht … oder so

Keule, Nudel und Knopf gehen um acht schlafen. Das heißt, dass ich und mein Mann um zehn vor acht (plus minus je nach Abendessensdebakel, Lautstärke und eigenem Tatendrang) mit Nudel und Knöpfchen hoch gehen. Er mit Knopf, ich mit Nudel, sie von mir haltend wie ein Stück Gefahrengut, denn ihre Finger und ihr Mund sind bereit, Wand, Oberteil, Haare und was sonst noch so in Griffweite ist mit den Vorzügen der Reste des Abendessens vertraut zu machen. Knöpfchen wird gewickelt, Nudel bekommt die Hände gewaschen und wird aufs Klo verfrachtet. Irgendwann – wenn die Knöpfchenzähne bereits geputzt sind und die Nudel ihren nackten Regentanz beendet hat – kommt die Keule hinterher. Er ist ja eher der gemütliche Zeitgenosse. Bloß nicht stressen.

Währen ich dann beim Stillen bin, ist Vorlesezeit. Die Keule vergisst ganz schnell, dass er sich eigentlich bettfertig machen soll und huscht ins Nudelzimmer, wo Papa einen Stapel Bücher präsentiert wird. „Papa, du lest mir war vor“, bestimmt die Herrscherin dieses Reiches und gewinnt. Wickel, wickel um den Finger. Die Vorlesezeit dauert, bis Knopf eingeschlafen ist und ich die Dreisamkeit unterbreche. Keule macht sich plötzlich in Sekundenschnelle fertig, damit er noch eine Hörspiel-CD laufen lassen oder etwas lesen darf. Die Nudel komplimentiert ihren Vater raus. „Papa, geh weg.“ Und am liebsten hätte sie es dann, dass ich ihr alle bereits vorgelesenen Bücher noch einmal vortrage. Das sind ihre (und unsere) aktuellen Favoriten:

David McKee: Elmar und der TeddybärElmar und der Teddybär von David McKee: Der kleine Elefant hat seinen Teddy verloren und Elmar, der bunt karierte Elefant, macht sich auf die Suche. Dabei trifft er viele Tierkinder und ihre Teddybären und erfährt auch von so manchen Einschlafproblemen. Die Nudel ist eigentlich nicht so der Teddy-Typ. Nicht, dass sie keinen hätte. Zur Geburt haben wir jedem unserer Kinder einen Steif-Bären geschenkt. Aber sie springt nicht darauf an. Auch die Puppen fliegen regelmäßig von der Matratze. Wenn sie aber dieses Buch vorgelesen bekommt, sucht sie ihren Bären und kuschelt ganz feste mit ihm. Ist nicht verkehrt, denn kuschelnde Kinder schlafen schneller ein und rufen seltener – jedenfalls meine. Auch wir Eltern mögen den gemütlichen Elmar und seinen frechen Cousin. Die unterschiedlichen Figuren laden immer zum Stimmeverstellen ein und dir bunten, phantasievollen Bilder gefallen den Kindern und uns Großen.

Kate Banks;Georg Hallensleben: Augen zu, kleiner Tiger!

Augen zu, kleiner Tiger von Kate Banks. Dieses Buch haben wir Keule vor Jahren mal von der Leipziger Buchmesse mitgebracht, als ich dort gelesen habe. Wir lieben das Buch allesamt. Der kleine Tiger kann/will nicht einschlafen. Er hat Angst vor dem Nichtssehen und der Dunkelheit. Liebevoll beruhigt ihn die Mutter immer wieder und regt seine Phantasie an, lädt ihn zum Träumen ein. Gerade der letzte Satz: „Darum, Augen zu kleiner Tiger“, eignet sich gut, um die Vorlesezeit zu beenden und die entstandene Stimmung zum Einschlafen zu nutzen. Weil die Tigermama auch immer wieder mit dem kleinen Tiger kuschelt, kommt auch das beim Vorlesen nicht zu kurz – jedenfalls bei uns. Die Nudel will das Buch übrigens auch bei Tage gerne lesen. Dann macht es ihr großen Spaß die Farben der Vögel zu nennen und die unterschiedlichen Tiere zu erkennen.

Der kleine Mondbär sagt Gute Nacht von Rolf Fänger. Fast alle Eltern kennen die Geschichten vom kleinen Mondbär. Dieses Buch mag Nudel und auch ich habe es in mein Herz geschlossen. Der kleine Bär will schlafen, kann aber nicht ohne Mond schlafen und der Mond hat noch alle Hände, äh, Strahlen voll zu tun. Kommt wahrscheinlich nicht nur mir bekannt vor. Immerhin komme ich erst zum Tischabräumen, Lesen, Schreiben, Füße hochlegen, wenn die drei Musketiere tief und fest schlafen. Und weil auch der kleine Bär am Ende ohne Mond einschläft, der Mond aber trotzdem noch kommt, beruhigt das Buch auch meine Nudel, die am liebsten jemanden bei sich im Bettchen hat – die ganze Nacht lang.

 

Kommentar

Ich freu mich über eure Meinungen